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Weihnachtsstimmung bereits im Herbst: schön oder nervig? – Ein Pro und Contra

Weihnachten mitten im Herbst: für Detailhändler längst selbstverständlich. Schon seit Mitte Oktober zieren Glitzerkugeln und Tannenbäume die Schaufenster. Das stört viele Konsumenten, ist aber ein lukratives Geschäft.
Luca Ghiselli, David Gadze
Bereits im Oktober bieten die Warenhäuser Weihnachtsdeko an. (Bild: Martial Trezzini/Keystone)

Bereits im Oktober bieten die Warenhäuser Weihnachtsdeko an. (Bild: Martial Trezzini/Keystone)

Grittibänz im Oktober? Kein Problem. Christbaumkugeln zwei Monate vor Heiligabend? Klar. Und Lebkuchen gibt’s bei den Grossverteilern sogar schon im September. Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist das ein Dorn im Auge. In den sozialen Medien erhitzen sich die Gemüter fast schon traditionell beim frühen Umstellen auf die Weihnachtssaison – und das nicht erst seit diesem Jahr. Die Detailhändler und Grossverteiler halten an ihrer Strategie trotz zahlreicher Reklamationen fest. Es sei ein Kundenbedürfnis, dass der Advent bereits im Herbst startet. Konsumexperten bekräftigen, die grossen Warenhäuser und Detailhändler seien in einem Teufelskreis: Niemand traue sich, später als der Mitbewerber mit dem Weihnachtsgeschäft zu beginnen.

Dass sich der Advent jedes Jahr ein bisschen nach vorne zu verschieben scheint, sieht man in der Stadt St.Gallen aber nicht nur in den Schaufenstern und Regalen: Seit dieser Woche montieren die Stadtwerke die Weihnachtsbeleuchtung «Aller Stern» in den Altstadtgassen.


Pro: Die Spielverderber stören mehr als «Last Christmas»

Luca Ghiselli, Redaktor Stadt St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Luca Ghiselli, Redaktor Stadt St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Noch 48-mal schlafen, dann kommt das Christkind. Und so sicher, wie im Herbst die Weihnachtsdeko in den Kaufhäusern aufgehängt wird, so vorhersehbar ist der Aufschrei. Was die Weihnachtsmuffel und Hüter der Moral nicht begreifen: Auf das schönste Fest darf man sich lange freuen.

Es ist jedes Jahr dieselbe Leier. Sie beginnt etwa zwei Monate vor Heiligabend und dauert wochenlang. Gemeint sind nicht etwa «Jingle Bells» und «Last Christmas», die bereits im Oktober aus den Lautsprechern in den Einkaufszentren schallen, sondern das Geklöne darüber.

Das Weihnachtsgeschäft ist halt ein dankbarer Prügelknabe: Traditionalisten hauen auf den frühen Einkaufsadvent ein, weil Weihnachten im Oktober eine kommerzielle Perversion der besinnlichen Zeit sei. Und Otto Normalverbraucher kann sich auf Facebook mit einem kritischen Post damit rühmen, selber aber ganz sicher keine Guezli vor dem ersten Advent zu kaufen. So jault es Ende Oktober so gewiss, wie die Glocken am 24. Dezember klingen – und alle stimmen brav mit ein.

Die kollektive Empörung über Detailhändler, die es wagen, mit dem frohen Fest viel Geld zu machen, langweilt mindestens so sehr wie «Last Christmas». Shoppingcenter und Detailhändler setzen natürlich nicht so früh auf Weihnachten, um Weihnachtsmuffel möglichst lange mit dieser ach so mühsamen Adventssache zu nerven. Sie tun es, weil die meisten Leute es wollen – und weil es sich lohnt. Wie kann das sein?, echauffieren sich doch gefühlt 99 Prozent der Bevölkerung über Lametta im Oktober.

Ganz einfach: Ein beachtlicher Teil jener, die gegen aussen den wahren Geist von Weihnachten wahren wollen, knabbern wohl insgeheim vor dem Fernseher an Zimtsternen oder kaufen schon im goldenen Herbst glitzrigen Baumschmuck. Was, bitteschön, soll daran verwerflich sein? Auf dieses Fest darf man sich doch lange freuen.

Wem es nicht passt, dem bleibt nur eins: Er kann sich der Vorfreude problemlos entziehen. Wer aber anderen fast schon mantrahaft ein schlechtes Gewissen vorbetet, ist einfach ein Spielverderber. Doch auch für solche besteht noch Hoffnung. Das zeigt die Geschichte des Grinch, der heute als Zeichentrickfilm in die Kinos kommt.


Contra: Wenn draussen noch Sommer ist, herrscht in den Läden Winter

David Gadze, Ressortleiter Stadt St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

David Gadze, Ressortleiter Stadt St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wie doch die Zeit vergeht. Ehe man sich’s versieht, steht Weihnachten schon wieder vor der Tür. Dabei hat man das Gefühl, die Christbaumkugeln doch erst gerade im Keller verstaut zu haben.

Und der Auslöser dafür ist in der Regel das Gefühl, sich versehen zu haben. Denn schon im Oktober beginnen die Geschäfte, ihre Schaufenster weihnachtlich zu dekorieren. Während draussen oft weit in den Herbst hinein – wie in diesem Jahr – noch sommerliche Temperaturen herrschen, scheint in den Läden bereits der Winter ausgebrochen zu sein. In den Schaufenstern stehen schneebedeckte Plastiktännchen, an denen Weihnachtsschmuck hängt und unter denen hübsch verpackte Geschenke liegen – und einem suggerieren, sich möglichst bald um Gaben für seine Liebsten kümmern zu müssen. Dabei ist Weihnachten in dem Moment gefühlt so weit weg wie der Mond.

Auf den Mond schiessen könnte man in dem Moment auch all jene, die schon im Oktober 100-seitige Kataloge mit Tausenden von Geschenkideen für Kinder oder Erwachsene produzieren und auf allen möglichen Wegen in die Haushalte verteilen. Der oft gehörte und bestimmt gut gemeinte Ratschlag, einfach darüber hinwegzusehen, ist nicht ganz zu Ende gedacht: Denn entziehen kann man sich dem frühen Weihnachtswahnsinn nur schwerlich. Und mit geschlossenen Augen durch die Welt zu gehen, ist leider keine Option.

Natürlich ist es schön, wenn die steigende Vorfreude auf die Weihnachtstage mit dem passenden Ambiente Hand in Hand geht. Nur: So früh ist wohl kaum jemand in Weihnachtsstimmung. Und künstlich erzeugen lässt sie sich ohnehin nicht. Dafür braucht es mehr als hübsch dekorierte Schaufenster und Läden. Es kommt ja auch keiner auf die Idee, zwei Monate vor seinem Geburtstag eine «Happy Birthday»-Girlande in der Stube aufzuhängen, um sich auf sein Wiegenfest einzustimmen. Dieses verfrühte Zelebrieren des Fests der Liebe, das für die Geschäfte vor allem ein Fest des Umsatzes ist, macht diese Stimmung sogar ein Stück weit kaputt. Dann, wenn die Tage noch kürzer und kälter werden und Weihnachten tatsächlich bald vor der Tür steht, hat man sich längst daran gewöhnt, dass es an allen Ecken glitzert und blinkt. Schade. Und kaum hat man die Christbaumkugeln wieder verstaut, hoppeln die ersten Schoggihasen in die Läden. Na dann: Frohe Ostern!

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