Früher ass man sie häufiger: Jetzt soll die Brennnessel wieder in der Küche Verwendung finden

Die Brennnessel ist extrem gesund und eine Bereicherung für den modernen Koch. Bleibt nur die Frage, wie man sie am besten pflückt.

Silvia Schaub
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Besser als ihr Ruf: Brennnesseln lindern Entzündungen und sind Grundlage für leckere Gerichte.

Besser als ihr Ruf: Brennnesseln lindern Entzündungen und sind Grundlage für leckere Gerichte.

Bild: Imago Images

Ärgern Sie sich nicht, wenn in den nächsten Wochen in Ihrem Garten die Brennnesseln zu spriessen beginnen. Die Anwesenheit des vermeintlichen Unkrauts ist nämlich ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass der Boden reich an Stickstoff und besonders fruchtbar ist. Besondere Freude bereitet die Brennnessel (Urtica dioica) Schmetterlingsarten wie etwa Tagpfauenauge, Admiral oder Kleiner Fuchs. Sie leben nämlich ausschliesslich von den Blättern dieser Pflanzen.

Und was für die Sommervögel gut ist, kann für die Menschen so schlecht nicht sein. Umweltberaterin Doris Abt sagt:

«Tatsächlich sind Brennnesseln eine Art Superfood.»

Die Blätter enthalten besonders viel Vitamin C, Eisen und Calcium. Zudem sind sie sehr reich an Eiweiss. «Sie lassen sich vielseitig verarbeiten, untern anderem zu Suppen, Pesti oder Smoothies.» Ebenfalls essbar sind die Nüsschen, welche die reife Brennnessel im späten Sommer an der Spitze bildet. «Ab August kann man sie sammeln und zum Beispiel über den Salat streuen.»

Weil die verschmähte Pflanze sozusagen der geschenkte Superfood vor der Haustür ist, hat Doris Abt vor drei Jahren ein Festival zu dessen Ehren ins Leben gerufen. Jeweils im Frühling finden in Winterthur die Brennnessel-Wochen statt (dieses Jahr 2. bis 13. Juni).

Gemeinsam mit Restaurants, Bistros, einer Kochschule, Landwirten und der Energiestadt Winterthur organisiert der Verein Brennpunkt Brennnessel diverse Veranstaltungen rund um die Wildpflanze. In den Restaurants kann man ihre Vorzüge bei Brennnessel-Suppe, -Tarte oder -Millefeuille testen und auch mal ein Brennnessel-Bier kosten.

Schon im Mittelalter wurde die Brennnessel in der Küche eingesetzt. Schliesslich sind auch verschiedene medizinische Anwendungen bekannt. So kann die Pflanze bei entsprechender Verarbeitung und Anwendung unter anderem Entzündungen hemmen, Krämpfe lösen oder Schmerzen lindern. Sie soll besonders auch für die Beweglichkeit der Gelenke, das Immunsystem, als Schönheitstonikum für Haut und Haar und nicht zuletzt als Potenzmittel hervorragend wirken.

Wie wär’s mit einem Brennnessel-Risotto?

Für Alexander Pampel vom Sporthotel in Pontresina ist die Brennnessel aber auch eine spannende Bereicherung in der Küche, die sein Küchenchef immer wieder anders einsetzt – sei es als Brennnessel-Risotto, -Tagliatelle oder -Gnocchi. Das Pflücken ist freilich Familiensache, dann ziehen die Pampels an die Waldränder und in die Lichtungen der Umgebung, um die brennenden Pflanzen zu sammeln.

Dass es noch weit mehr Möglichkeiten gibt, die Brennnessel in der Küche zu verarbeiten, zeigt das Buch «Brennnessel» von Gabriele Leonie Bräutigam.

Gabrielle Leonie Bräutigam:BrennesselHans-Nietsch-Verlag173 S., Fr. 31.90

Gabrielle Leonie Bräutigam:
Brennessel
Hans-Nietsch-Verlag
173 S., Fr. 31.90

Sie verarbeitet sie zu Tempura, Bouletten, Sushi oder Aufstrichen, frittiert sie zu Chips oder macht daraus Honig.

Bleibt nur noch die Frage, wie man diese verflixten Pflanzen am besten pflückt. Die einen tun es mit Handschuhen, andere schwören darauf, die Stiele und Blätter sehr fest und entschlossen anzufassen, dann sollen sie nicht brennen.

Doris Abt pflückt sie mit einer Schere und lässt die Blätter in einen Korb plumpsen. Die brennende Wirkung verlieren die Blätter übrigens, wenn man sie in kochendes Wasser gibt, mit einem Wallholz bearbeitet oder trocknet. Und schon kann ihr spinatartiger, nussiger Geschmack manches Gericht bereichern.

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