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Marguerite Bays' frommes Leben in Bescheidenheit

Mit der gottesfürchtigen Schneiderin aus dem Kanton Freiburg hebt die katholische Kirche eine weitere Schweizer Persönlichkeit in den Heiligenstand.
Andreas Faessler
Marguerite Bays (1815–1879). Das Gemälde ist das populärste Porträt der Freiburgerin. Bild: PD

Marguerite Bays (1815–1879). Das Gemälde ist das populärste Porträt der Freiburgerin. Bild: PD

Drei fromme Schweizerinnen blickten am 29. Oktober 1995 von riesigen Transparenten über den Petersplatz in Rom. In Scharen waren Gläubige angereist, um die Dreifach-Beatifikation durch Papst Johannes Paul II. mitzuverfolgen.

In den Reigen der Seligen wurden an diesem Tage aufgenommen: Mutter Maria Theresia Scherer aus Meggen LU, Gründerin der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz, Maria Bernarda Bütler aus Auw im Freiamt AG, Gründerin der Franziskaner- Missionsschwestern von Maria Hilf, und Marguerite Bays, Franziskanerschwester und Mystikerin aus Siviriez FR.

Nachdem Maria Bernarda Bütler 2008 heiliggesprochen worden ist, kommt nun auch für Marguerite Bays das Kanonisierungsverfahren am Sonntag, 13. Oktober 2019, zu einem Ende: Papst Franziskus wird die Freiburgerin feierlich in den Heiligenstand erheben. Der Weg für diesen letzten Schritt ist frei geworden, nachdem der Papst Anfang 2019 ein Wunder anerkannt hatte, das Bays zugeschrieben wird.

Ein gottgefälliger Lebenswandel

Am 8. September 1815 im Freiburgischen La Pierra bei Siviriez in eine einfache Bauernfamilie hineingeboren, führte Marguerite Bays bereits als Kind ein auffallend stilles und frommes Leben. Entgegen der Voraussage ihres Umfeldes, sie werde dereinst in ein Kloster eintreten, wurde Marguerite Schneiderin, wählte aber aus freiem Willen Ehelosigkeit und Keuschheit.

Marguerite gab sich aufopfernd sozial, stand mit Rat und Tat zur Seite, wo immer menschliche Not war. Auch Kranke und Sterbende begleitete sie mit Geduld und Gebet, selbst Menschen, die ihr persönlich nicht wohlgesinnt waren. Fehlbaren im familiären Umfeld begegnete sie mit Nachsicht und Verständnis.

Die Biografie der Freiburgerin zeichnet das Bild einer aufrich­tigen, mitfühlenden, empathischen Frau voller Güte und Hingabe für ihre Mitmenschen. Ihre ausgesprochene Gottgefälligkeit brachte Marguerite auch in Form eines intensiven Engagements in der Kirchgemeinde zum Ausdruck, kümmerte sich ausgiebig um Bedürftige und um Kinder in Not. Bald aber drohte ein Krebsleiden, ihr Leben frühzeitig zu beenden, doch am 8. Dezember 1854 wurde sie spontan geheilt, so heisst es.

Es war dies der Tag der beginnenden Stigmatisation: Fortan sollen sich bei Margue­rite jeden Freitag die Wundmale Christi gezeigt haben. So führte ihr Weg doch noch ins Kloster, als sie in Romont dem dritten Franziskanerorden beitrat, wo sie ihre Frömmigkeit und ihren sozialen Einsatz intensiv weiterpflegte. Durch wiederholte Pilgermärsche nach Einsiedeln schöpfte die Ordensfrau zusätzliche Kraft.

Am Nachmittag des 27. Juni 1879 starb Marguerite Bays im Alter von 63 Jahren. Der Beisetzung in Siviriez wohnte eine grosse Menschenmenge bei, um sich von der gottesfürchtigen, selbstlosen Frau zu verabschieden. Bereits zu Lebzeiten hatte die einfache Bauerstochter den Ruf der Heiligkeit erlangt.

Zwei Überlebende dank Bays Fürsprache

«Mit ihrem Leben sind sie den Frauen des Evangeliums nachgefolgt, die Christus dienten und später den Aposteln folgten», sagte Papst Johannes Paul II. über Marguerite Bays und ihre beiden Genossinnen an der Seligsprechung in Rom. Im Falle von Marguerite Bays wurde die Tür zu diesem wichtigen Schritt durch ein erstes posthumes Wunder geöffnet: 1940 überlebte ein junger Bergsteiger als Einziger einer Seilschaft einen Unfall, nachdem er ein Stossgebet zu Marguerite Bays ausgesprochen hatte. Er wurde danach Priester.

Das zweite Wunder, welches der Mystikerin zugeschrieben wird, von Papst Franziskus im vergangenen Januar anerkannt worden ist und nun die Heiligsprechung ermöglicht, hatte sich 1998 zugetragen, als in der Westschweiz ein zweijähriges Mädchen von einem Traktor überrollt worden war und dank Anrufung von Bays durch den Grossvater unverletzt überlebt hatte.

Am kommenden Sonntag, 13. Oktober, wird die Liste von kanonisierten Persönlichkeiten der Schweiz um einen Namen erweitert: Die bescheidene Schneiderin aus dem Freiburgischen wird von der lokal verehrten Seligen zur offiziellen Heiligen der katholischen Kirche. Seit die Schweiz als solche existiert, ist Marguerite Bays erst die dritte Heiligenfigur des Landes – nach Nikolaus von Flüe und Maria Bernarda Bütler.

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