Frische Forellen und ein Stück Etivaz

Villars-sur-Ollon liegt auf einer Sonnenterrasse hoch über dem Rhonetal und bietet einen spektakulären Blick in die umliegende Bergwelt.

Esther Wyss
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Auf dem Bahnhofplatz von Bex im Wallis wartet das grüne Schmalspurbähnchen auf die aus Aigle oder Visp kommenden Passagiere. In gemächlichem Tempo ruckelt es durch die engen Strassen von Bex. Bei dieser Geschwindigkeit bleibt genügend Zeit, die stattlichen Häuser, welche die Strasse säumen, zu bewundern. Leute grüssen im Vorbeifahren den versierten Lokomotivführer, den die engen Strassenverhältnisse auch dann nicht aus der Ruhe bringen, wenn Autos entgegenkommen. Plötzlich greift das Zahnrad mit einem kurzen, kaum spürbaren Ruck. Bis nach Villars muss die Bahn rund 800 Meter an Höhe gewinnen. Kurz nach Bévieux fährt die Zahnradbahn der bewaldeten Schlucht des Avançon entlang. Der Bach, der sich tief in den Berg gefressen hat, führt graues, schäumendes Schmelzwasser. Nachdem die Schlucht überwunden ist, weitet sich das Tal und die Bahn fährt an grasenden Kühen und gemähten Wiesen vorbei bis zur Endstation Villars. Die mondän wirkende Ortschaft liegt auf einer Sonnenterrasse. Von hier geniesst man einen 180-Grad-Blick in die umliegenden Berge.

Wanderung vorbei am alpinen Golfplatz und drei Seen

Die Region rund um Villars bietet unzählige Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Wer nicht ganz überaus sportlich ist, wählt aus dem vielfältigen Angebot eine leichte Wanderung zu den drei Seen. Mit einer zweiten Zahnradbahn geht die Fahrt vorbei an schmucken Holzhäusern. Weiter oben passieren wir den alpinen Golfplatz (1629 m) und werfen einen Blick auf das schwierige Gelände, das mit den steil abfallenden Hängen eine besondere Herausforderung für Golfspieler bedeutet.

Gut beraten sind diejenigen, die eine Jacke mitgebracht haben, denn in Bretaye, auf 1810 Metern ist es ziemlich kühl. Wir wandern über sanfte, sattgrüne Alpweiden. Ringsum blühen verschiedenfarbige Bergblumen. Ein Feuerwerk von Weiss, Gelb und Rot. Dazwischen leuchten dunkelblaue Enziane. Nach wenigen Minuten erreichen wir den Lac de Bretaye, der sich in eine Mulde schmiegt. Das Wasser schimmert smaragdgrün. Der Weg führt weiter vorbei an schindelbedeckten Alphütten, und schon bald haben wir den Lac de Noir vor uns. Er ist von sumpfigem Gelände mit hohem Gras umgeben.

In den Lac de Chavonnes oder den Spa

20 Minuten Wanderzeit später erblicken wir tief unter uns den Lac de Chavonnes. Die roten Sonnenschirme des gleichnamigen Restaurants leuchten verheissungsvoll und spiegeln sich im stillen Wasser. Wir wählen den steilen, kurzen Abstieg ans Seeufer. An heissen Sommertagen lädt der See mutige Wanderer zum kühlen Bad. Der Weg schlängelt sich dem Ufer entlang. Fische schnappen nach Insekten. Im Restaurant de Chavonnes gibt es neben deftigen Gerichten, Käsespezialitäten und Fleisch vom Grill auch die Spezialität des Hauses: frische Forellen direkt aus dem See. Sie schmecken herrlich, zusammen mit einem Glas prickelnden Weissweins. Der anschliessende Kaffee Gourmand lässt keine Wünsche offen. Und gerne erzählt der Wirt hier die Sage vom weissen Drachen, der angeblich über den Schatz der Prinzessin wacht, den diese auf der Flucht im See versenkt hat.

Nach dem guten Essen ist der halbstündige Aufstieg zurück zur Bahn- station leicht zu bewältigen. Zurück in Villars kann man den Tag zur Entspannung im kürzlich eröffneten Spa aus-klingen lassen. Vom Aussenpool oder einem der gemütlichen Ruheräume bietet sich ein immer wiederkehrendes Schauspiel, wenn sich die umliegenden Berggipfel in der Abendsonne langsam rötlich färben.

Die kurvenreiche Fahrt von Villars auf den Col de la Croix ist kurz. Nebelschwaden treiben über den Bergkamm. Im Innern der Alphütte ist es angenehm warm, denn seit dem frühen Morgen wird die Milch nach alter Väter Sitte in einem grossen Käsekessel auf dem Holzfeuer erwärmt.

Das Geheimnis des Etivaz

Hier auf 1776 Metern über Meer wird der würzige, leicht fruchtige Etivaz Käse im Umkreis von nur ungefähr 30 Kilometern nach strengen Vorschriften produziert. Um das Label Etivaz zu erhalten, muss mit wenigen Ausnahmen alles von Hand gemacht sein. Käser Pascal Jourdain schwitzt bei dieser anstrengenden Arbeit, die kräftige Arme erfordert. Trotzdem bleibt Zeit für Erklärungen, die er mit humorvollen Bemerkungen und verschmitztem Lächeln zum Besten gibt. In der Zwischenzeit hat seine Frau in der Alphütte ein Frühstück vorbereitet. Bergluft macht hungrig, und so langen wir kräftig zu. Die gelbe Butter mit Blumenmotiv und die selbstgemachte Konfi schmecken wunderbar, der Joghurt ist köstlich. Dazu gibt es frisches Brot und selbstverständlich ein grosses Stück Etivaz. Danach schauen wir Käser Jourdain noch einmal über die Schultern, als er mit der Harfe die Käsemasse schneidet und die Konsistenz prüft. Mit einem Tuch fischt er gemeinsam mit seiner Helferin Mariana die Masse heraus und presst sie in eine hölzerne Form.

Täglich werden ungefähr 1200 Liter Milch verarbeitet und vier Käselaibe zu je 30 Kilogramm produziert. Bis zur richtigen Reife muss der Käse 18 Monate gelagert werden.

Hinweis
Diese Reise wurde vom Office du Tourisme du Canton de Vaud unterstützt.