Siebenten-Tags-Adventisten

Freikirchen-Aussteiger: «Es muss publik gemacht werden, wie da Druck aufgebaut wird»

Heute vor sechs Jahren wagte Philipp Höhener den Austritt aus der Freikirche. In der Sendung «TalkTäglich» sprach der 39-Jährige über eine schwierige Kindheit und seine Trennung vom Glauben. Ein Schweizer Vertreter der Freikirche nimmt Stellung. Sektenexperte Hugo Stamm schätzt das Ganze ein.

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«Jesus ist immer mit dir», sagte Philipp Höheners Mutter zu ihrem Sohn, als dieser in einer Krise steckte. «Zu wissen, dass immer jemand bei einem ist, das ist auch schön», sagt Philipp Höhener heute als erwachsener Mann.

Nur gab es auch eine Kehrseite der Medaille: der Druck, der dadurch aufgebaut wurde, dass Gott eben immer da ist und beobachtet. «Es ging immer alles um richtig und falsch in meinem Leben, um die Angriffe des Teufels und um Gottgefälligkeit», beschreibt es Höhener.

Siebenten-Tags-Adventisten

Die Gemeinschaft gründete sich in den 1860er-Jahren in den USA und hat heute weltweit über 20 Millionen Mitglieder. Im adventistischen Glauben werden die Dreieinigkeit Gottes, die Schöpfung an sieben Tagen, das Halten des biblisch-jüdischen Ruhetags Sabbat, der Glaube an die prophetische Gabe von Ellen G. White, der Tod und die Auferstehung von Jesus und dessen reale Wiederkunft auf die Erde gelehrt. Erlösung erfährt man allein durch den starken Glauben an Christus und dem Einhalten aller zehn Gebote, inklusive dem Sabbatgebot. (watson)

Von «Manipulation und Indoktrination» spricht er heute. Heute, exakt sechs Jahre nach jenem 11. April 2012, als er seinen Austritt aus der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten bekannt gab.

Nervös sei er immer noch, sagte er am Dienstagabend in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri, aber heute könne er darüber reden. Über seine Kindheit, die von vielen Zwängen und eben diesem Druck geprägt war, und über die Freikirche, mit der er aufgewachsen und heute so gar nicht mehr einverstanden ist.

«Der moralische Druck ist das Problem, nicht der Glaube an sich», sagt Sektenexperte Hugo Stamm zu den Siebenten-Tags-Adventisten und zur Geschichte von Philipp Höhener. Der ganze Alltag, sein ganzes Menschsein sei dem Glauben gewidmet gewesen, beschreibt Höhener. Doch: «Meinen Eltern mache ich keinen Vorwurf.»

In der Sendung kommt – in einem isolierten Gespräch mit Moderator Oliver Steffen – auch Herbert Bodenmann, Schweizer Mediensprecher der Siebenten-Tags-Adventisten, zur Sprache. Er nimmt Stellung zu den Erlebnissen von Philipp Höhener und zu den Vorwürfen an die Freikirche, Hugo Stamm schätzt die Aussagen ein:

Vor sechs Jahren begann Philipp Höhener zu recherchieren. «Ich bin auf Informationen gestossen, die mich zutiefst bewegt haben.» Zwei Wochen später wusste er: «Jetzt musst du raus, daran führt kein Weg vorbei.»

Das war im ersten Moment eine Befreiung. Aber es habe ihm auch den Boden unter den Füssen weggezogen. «Mein Glaubensgerüst fiel zusammen.» Glauben will er heute nicht mehr. «Ich vertraue meiner Intuition und dem Wissen, das ich mir selbstständig aneigne.»