Kolumne

Frauenzentrale gegen Frauen

Ein Verbot der Prostitution ist ein Förderungsprogramm für Menschenhandel. 

Valentin Landmann
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Valentin Landmann, Rechtsanwalt.

Valentin Landmann, Rechtsanwalt.

Es ist schon eine Seltsamkeit: Da kämpfen Frauen, die sich für die Rechte der Frauen einsetzen sollten, gegen die Rechte einer ganzen weiblichen Berufsgruppe. Die Frauenzentrale Zürich hat sich nämlich aufs Banner geschrieben, dass man gegen die Prostitution kämpfen wolle. Sexkauf müsse verboten werden, wie es derzeit in Schweden der Fall ist, wo damit die Prostitution kriminalisiert und den Frauen praktisch der legale Beruf zerstört wurde.

Wie können Rechte der Frauen im Rotlicht am besten gewahrt werden?

Da gibt es meines Erachtens keinen anderen sinnvollen Weg als den, den das schweizerische Recht gegangen ist. Prostitution muss vollkommen legal sein, auch der Sexkauf. Die Teilillegalität funktioniert nicht. Stellen Sie sich etwa vor, bei einem Bratwurststand wäre zwar das Verkaufen von Brat­würsten legal, jeder Käufer aber würde bestraft werden. Die Folge davon wäre, dass das legale Bratwurstgeschäft kaputt ist und Leute, die Lust auf Bratwürste haben, sich mit Untergrundbratwürsten begnügen müssen. Untergrundbratwürste würden natürlich entsprechend mehr kosten. Und die Bratwurstverkäufer wären dann wohl auch auf illegalen Schutz und Ähnliches angewiesen.

Ausbeutungsobjekt für Gangster jeder Art

Genau gleich ist es bei Prostitution: Entzieht man der Prostitution die Legalität, so wird damit die Frau, die sich prostituiert, zwangsläufig zu einem fantastischen Ausbeutungsobjekt für Gangster jeder Art. Sie ist angewiesen auf illegale Arbeitsmöglichkeit, auf illegalen Schutz, auf illegale Werbung usw. Und solche gewährt die Unterwelt natürlich, aber nur gegen entsprechendes Geld. Wird ein vorher legales Gewerbe illegalisiert, so ist natürlich auch mit unerfreulichen Begleiterscheinungen zu rechnen wie beispielsweise Krankheiten, Diebstählen, Erpressungen, Überfällen … Während heute der Zugang zum Gesundheits­wesen für Frauen im Milieu, die legal anschaffen, problemlos ist, wäre er dann keineswegs so selbstverständlich wie heute. Ein Verbot der Prostitution ist ein Förderungsprogramm für ­Menschenhandel, Unterdrückung der Frauen, Kriminalität generell.

Wenn die Frauenzentrale behauptet, den Frauen unter die Arme greifen zu wollen, so erwischt die Frauenzentrale die Frauen stattdessen gehörig mit dem Griff am Hals. Eine ganze Berufsgruppe zu kriminalisieren und in die Hände der Unterwelt zu treiben, kann nicht Sinn einer rechtsstaatlichen Gesetzgebung sein. Wenn andere Länder ein schlechtes Beispiel bieten, so haben wir keinen Grund, diesem Beispiel nachzueifern.

In den USA ist Prostitution praktisch überall verboten und es ist bekannt, dass damit die Prostitution in die Hände der Unterwelt geraten ist.

Müssen wir diesen Mist nachahmen? Müssen wir verschrobenen Ideologien folgen, die den Frauen die Entscheidungsfreiheit nehmen wollen, sich selbstbestimmt für einen solchen Beruf zu entscheiden und ihn auszuüben?Es ist das Gegenteil von Frauenbefreiung und Einsatz für die Rechte der Frauen, die Frau als unfähig zu bezeichnen, selber zu entscheiden – und sie in diesem Sinne zu unterdrücken.