Blitze
Warum die Gewitter zurzeit besonders intensiv sind

Blitze, Donner, Hagel und Starkregen: In den letzten Wochen sind heftige Gewitter über die Schweiz gezogen. Wie entstehen Gewitter? Und wie verhält man sich richtig, wenn man in ein Unwetter gerät?

Andreas Walker
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Das Baden in Gewitternähe ist besonders gefährlich. Das zeigt dieses Bild, das in der Nacht auf den 8. Juni am Bodensee in Rorschacherberg aufgenommen wurde, eindrücklich.

Das Baden in Gewitternähe ist besonders gefährlich. Das zeigt dieses Bild, das in der Nacht auf den 8. Juni am Bodensee in Rorschacherberg aufgenommen wurde, eindrücklich.

Andreas Walker

Die langen Tage und der sommerliche Sonnenhöchststand sorgten in den letzten Wochen nicht nur für heisse Temperaturen, sondern auch für die Entstehung heftiger Gewitter. Am Letzten Sonntag fiel in einigen Gebieten in 12 Stunden so viel Regen, wie durchschnittlich im ganzen Monat Juni, was lokal zu starken Überschwemmungen führte. Allein die Gewitter von vorletztem Wochenende produzierten in der Schweiz über 80 000 Blitze! Im Durchschnitt werden hierzulande pro Jahr etwa 300 000 Blitze registriert.

Donnerkeile der Götter

In der altbabylonischen und altgriechischen Zeit führte man die zerstörerische Wirkung des Blitzes auf einen zündenden Feuerstrahl und einen zerschmetternden Donnerkeil zurück, der von den Göttern zur Erde geschleudert wurde. Zeus, oberster Herrscher der griechischen Götter, war der Wettergott, der besonders für Regen, Schnee, Hagel und Gewitter verantwortlich war. Seine Donnerkeile waren gefürchtete und unfehlbare Waffen.

Grosser Irrtum: Buche oder Eiche, das ist das Gleiche

Der Spruch «Vor den Eichen sollst du weichen, die Buchen sollst du suchen» ist ein lebensgefährlicher Irrtum. Blitze schlagen in beide Bäume ein. Während bei der Eiche der Blitz ins Saftgewebe eindringt und die Rinde oder gar Teile des Stamms wegsprengt, wird der Blitz bei der Buche in die Erde geleitet. So übersteht die Buche den Einschlag ohne äusserliche Blessuren, und es kann der falsche Eindruck entstehen, der Baum bleibe gänzlich vom Blitz verschont.

Der Blitz blieb für lange Zeit ein ungelöstes Rätsel. Erst mit der Entdeckung der Elektrizität konnte man dieses seltsame Himmelsfeuer erklären. So gelang
es schliesslich Benjamin Franklin (1706 bis 1790) durch ein Experiment zu beweisen, dass der Blitz elektrischer Natur ist.

Durch die Aufwinde und die ungleiche Eis-Wasser-Verteilung in der Gewitterwolke entstehen Gebiete mit verschiedenen elektrischen Ladungen. Dabei ist der untere Teil der Wolke meist negativ, der obere eisige Teil meist positiv geladen. Zwischen diesen verschiedenen Ladungen baut sich eine Spannung auf, bis ein Ausgleich zwischen zwei entgegengesetzt geladenen Gebieten (Wolke-Wolke, Wolke-Boden oder umgekehrt) erfolgt – es blitzt. Dabei treten während Sekundenbruchteilen Stromstärken auf, die im Durchschnitt 20 bis 30 Millionen Volt und 20 000 Ampère betragen. Zum Vergleich: Aus der normalen Steckdose kommt Strom mit 230 Volt und 10 Ampère!

Durch diese gewaltige Energie wird die den Blitz umgebende Luft schlagartig auf zirka 30 000 Grad Celsius erhitzt und dehnt sich explosionsartig mit einem lauten Donnerschlag aus.

Da der Schall «nur» 330 Meter pro Sekunde zurücklegt, das Licht des Blitzes hingegen 300 000 Kilometer pro Sekunde, kann aus der Zeit, die zwischen Blitz und Donner verstreicht, die Entfernung des Blitzes vom eigenen Standort bestimmt werden. Teilt man die Anzahl Sekunden durch drei, erhält man die Entfernung in Kilometern. Der Blitz kann einige Kilometer lang sein.

Deshalb erreicht der Schall aus entfernteren (oberen) Teilen des Blitzes einen bestimmten Punkt später, als aus dem nahen (unteren) Teil. Dies bewirkt ein ausgedehntes Rollen des Donners. Viele der senkrechten Blitze gehen vom Boden her in die Wolke, also von unten nach oben. Dies geschieht jedoch so schnell, dass unsere Augen es kaum wahrnehmen können.

Autofahrer leben sicherer

Blitze sind unglaublich faszinierend, jedoch auch sehr gefährlich. Deshalb sollten Gewitter von einem geschützten Standort aus beobachtet werden.

Ist ein Gewitter im Anzug, sollte möglichst schnell ein sicherer Platz aufgesucht werden. Der Blitz geht immer den Weg des geringsten elektrischen Widerstandes. Da Luft ein ausgezeichneter Isolator ist, schlägt er in gut leitende, hoch aufragende Gegenstände wie Metallmasten oder Bäume ein.

Es empfiehlt sich, während eines Gewitters hoch aufragende Gegenstände grundsätzlich zu meiden. Das Baden oder Surfen in Gewitternähe ist besonders gefährlich. Am besten sucht man Schutz in Gebäuden, Mulden oder Autos. Die Metallkarosserie eines Wagens bildet eine Art Käfig, der den Blitz aussen herum ableitet, und in dessen Inneren man selbst während eines Blitzschlags geschützt bleibt.

Und im Gebirge?

Das Innere eines Waldes mit gleich hohem Baumbestand kann Schutz bieten. Dabei sollten trockene Plätze bevorzugt werden. Bietet sich keine dieser Schutzmöglichkeiten, was vor allem im Gebirge oft der Fall ist, darf man sich keineswegs auf Gipfeln, Kuppen oder Graten aufhalten oder sich an Felswänden anlehnen.

Im Freien sollte man eine Kauerstellung einnehmen und sich auf keinen Fall flach hinlegen. Je grösser der Körperkontakt mit dem Boden ist, desto gefährlicher kann sich das in der Nähe eines Blitzes auswirken.