Solar Impulse
«Bertrand, wenn du fliegst, wie du singst, stürzt du ab»

Während André Boschberg mit Solar Impulse die 8172 Kilometer lange Königsetappe von China über den Pazifik fliegt, erklärt der zweite Pilot Bertrand Piccard die Mission. Die Landung in Hawaii ist für Donnerstag geplant.

Mark Walther, Monaco
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Bertrand Piccard.

Bertrand Piccard.

zvg

Bertrand Piccard, Ihr Partnerpilot André Borschberg ist seit Samstagabend Schweizer Zeit mit der Solar Impulse 2 auf dem wohl anspruchsvollsten Flug der Weltumrundung. Sind Sie neidisch auf ihn, da er die Königsetappe fliegt?

Bertrand Piccard: Nein, wissen Sie, wir haben das aufgrund unterschiedlicher Fähigkeiten entschieden. André hat viel mehr Erfahrung als Pilot. Ich bin mehr der Forscher.

Aber genau weil Sie ja eine Forschernatur sind, müssten Sie doch diese Etappe unbedingt fliegen wollen?

Natürlich hätte ich sie gerne geflogen. Um ehrlich zu sein: Wir beide möchten jede Etappe selber fliegen, aber es hat nun mal nur ein Sitz im Cockpit. Uns verbindet eine grosse Freundschaft, wir freuen uns füreinander. Das ist kein Egotrip.

Wird André also auch die zweite grosse Etappe über den Atlantik fliegen?

Nein, das werde ich machen, André machte den Anfang. Wir teilen uns die Welt. Ich werde auch den zweiten Teil des Pazifiks fliegen, von Hawaii nach Phoenix.

Vier der sechs bisherigen Flüge flogen Sie. Ihr eindrücklichster Moment?

Von Mandalay nach Chongqing hatte ich ein Problem mit der Sauerstoffmaske, da wurde es interessant. Der Alarm ging die ganze Zeit, weil der Sauerstoffgehalt in meinem Blut zurückging, niemand wusste wieso. Alle hatten Angst. Das war ein gutes Training.

Sie erzählen das in einer Seelenruhe.

Es kam aus, dass die Maske nach der Reinigung falsch zusammengesetzt worden war, ich nahm dann die Ersatzmaske.

Dieser Flug war auch sonst speziell für Sie.

Ja, der Start war magisch. Als ich in Burma abhob, war es stockfinster. Ich konnte die Stadt Mandalay fast nicht sehen, da es kaum Strom gibt. Dafür glühten die hell erleuchteten Dächer Hunderter Tempel.

Wie hört sich das Fliegen in der Solar Impulse 2 an, ähnlich wie in einem gewöhnlichen Flugzeug?

Nein, es gibt praktisch keinen Fluglärm. Das Einzige, was ich höre, sind die Leute des Kontrollzentrums in Monaco und die Flugverkehrsleiter auf den Flughäfen. Das ist ermüdend, weil man sie auch hört, wenn sie mit anderen Flugzeugen sprechen.

Sie werden im Cockpit konstant gefilmt für den Solar-Impulse-Kanal, twittern und geben Live-Interviews. Können Sie sich da auf das Fliegen konzentrieren?

Das ist ganz einfach. Als ich mal anfing zu singen, sagten mir die Jungs im Kontrollzentrum: «Wenn du fliegst, wie du singst, wirst du abstürzen.» Ein andermal schüttete ich Essen über meinen Anzug und fluchte. Natürlich entschuldigte ich mich gleich bei allen Damen für meine Worte (lacht).

Mit Solar Impulse werben Sie für erneuerbare Energien, haben Events in Indien und China durchgeführt, zwei Länder mit hohem Energieverbrauch. Kommt Ihre Botschaft dort an?

Ja, aber in jedem Land anders. In Indien sind die Leute extrem interessiert. An einem Tag wollten beispielsweise 20 000 Leute das Flugzeug sehen. In Burma war es eher politisch: Präsident und Minister besuchten uns.

Und in China?

Dort waren die Medien enthusiastisch. Wir hatten Auftritte in den grössten TV-Shows.

Sie sagten einmal, Solar Impulse sei Ihr Leben. Was kommt danach?

Das Erbe von Solar Impulse. Ein Projekt sind Solarplattformen 20 Kilometer in der Luft, ohne Pilot. Aber das grösste Vermächtnis wird die Initiative «Future is clean». Wir sammeln Unterschriften für erneuerbare Energien und reisen damit im Dezember an die Klimakonferenz in Paris. An solchen Anlässen wird gern über Klimaprobleme diskutiert. Wir aber wollen Lösungen.

Das Projekt Solar Impulse 2 führt in zwölf Etappen um die Welt. Tagsüber steigt der Flieger auf 8000 Meter, nachts fliegt er mit Batterien. Das Kontrollzentrum ist in Monaco.

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