Film-Mystik im Hotel

Aus New York Zwei St. Gallerinnen veranstalten im leerstehenden Hotel Ekkehard eine Filmnacht. Dafür konnten sie New Yorker Filmemacher begeistern. Timo Posselt

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Die leeren Räume im «Ekkehard» füllen Myriam Uzor (l.) und Jiajia Zhang am Samstag mit Filmen und Musik. (Bild: Luca Linder)

Die leeren Räume im «Ekkehard» füllen Myriam Uzor (l.) und Jiajia Zhang am Samstag mit Filmen und Musik. (Bild: Luca Linder)

Es riecht muffig, als Myriam Uzor und Jiajia Zhang die Balkontür des Hotel Ekkehard öffnen. Von der Decke hängen Eisenstangen, der Teppich am Boden ist zerfleddert und an den Wänden bröckelt der Gips. Kein Wunder, das Hotel Ekkehard an der Rorschacher Strasse steht nun schon seit gut vier Jahren leer. Früher war es eine traditionsreiche Adresse für Touristen in St. Gallen. Vom geplanten Umbau hat man seit zwei Jahren nichts gehört.

Ein mystischer Ort

Die Idee, im leerstehenden Hotel eine Filmnacht zu veranstalten, kam den beiden Frauen und ihren Freunden spontan: «Wir wollten eine Filmnacht zum Thema Mystik und Natur machen. Als wir das erste Mal im «Ekkehard» standen, haben wir gleich gemerkt, das hier ist ein mystischer Ort», sagt die Architektur-Studentin Myriam Uzor. Ein Rundgang durchs Hotel beweist das: Im ehemaligen Foyer bilden Hunderte aus der Decke hängende Kabel einen regelrechten Baum. Dahinter leuchtet ein Glasscheibe mit einem antiken Gemälde. Im oberen Stock liegt der riesige Ekkehard-Saal.

In leerem Schulhaus gewohnt

In den Räumen des ehemaligen Hotel-Restaurants zeigen die beiden diesen Samstag neben den Hauptfilmen auch Kurzfilme von New Yorker Künstlern wie Albert Maysles, dem Regisseur des Rolling-Stones-Films «Gimme Shelter» oder der Autorin und Regisseurin Miranda July. «Während meines letzten Aufenthalts in New York habe ich einigen Freunden von unserer Idee erzählt, eine Filmnacht zu machen. Sie waren gleich begeistert und stellten uns Kurzfilme zur Verfügung», sagt Jiajia Zhang. Die Künstlerin lebte in New York zeitweise in einem alten Schulhaus: «Dort habe ich gesehen, was alles in grossen, leerstehenden Häusern möglich ist.» In New York sei alles natürlich viel grösser, aber in der Ostschweiz funktioniert das Gleiche auch. Zurück in St. Gallen organisierte Zhang eine Ausstellung in ihrer Wohnung. Unter den Künstlern waren Freunde aus New York. «Ich versuche eine Brücke zu schlagen zwischen St. Gallen und New York», sagt die 31jährige Zhang.

Erst der Anfang

«In St. Gallen gibt es zwar eine lebendige Kulturszene, doch diese ist stark institutionalisiert», meint die 20jährige Uzor. «Es gibt kaum einmalige Veranstaltungen an speziellen Orten wie die Filmnacht im <Ekkehard>». Sie möchten mit ihren Freunden zweimal jährlich und zu wechselnden Themen weitere Filmnächte machen. Das «Ekkehard» würden sie gerne wieder nutzen: «Im zweiten Stock ist ein riesiger, sehr schöner Saal und der steht einfach leer», sagt Uzor, «das ist schade». Zhang schlägt in die gleiche Kerbe: «Leere Räume soll man nutzen.»