Fertig faxen: Die Schweizer Botschaften brauchen noch Telefax, doch der Niedergang ist unaufhaltbar

Über ein Faxgerät in der Schweizer Botschaft kommunizierten die USA Anfang Januar mit dem Iran. Ein Revival einer totgesagten Technologie ist das nicht.

Niklaus Salzmann
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Wo noch ein Faxgerät in einem Büro vorhanden ist, steht es meist unbenutzt herum.

Wo noch ein Faxgerät in einem Büro vorhanden ist, steht es meist unbenutzt herum.

Bild: Getty

Via Telefax haben sich die USA und der Iran Anfang Januar bemüht, den militärischen Konflikt zwischen sich nicht eskalieren zu lassen. Wenige Stunden nach der Ermordung des iranischen Generals Qassim Soleimani sei per Fax in der Schweizer Botschaft in Teheran eine Nachricht der US-Regierung zuhanden der iranischen Behörden eingegangen, schrieb das «Wall Street Journal». Auch die Antwort der Iraner sei über das Faxgerät der Schweizer Diplomaten in die USA übermittelt worden.

Telefax? Waren das nicht diese grauen Kästen, die ausserirdisch anmutende Geräusche von sich gaben, wenn ein Anrufer versehentlich ihre Nummer wählte? Im Jahr 1980, als die USA ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran beendeten, war das Fax modern. Am einen Ende der Leitung wurde ein Papierdokument in den Apparat gegeben, wenige Minuten später spuckte das Gerät am anderen Ende eine Kopie davon aus. Ein Wunder der Technik, wenn auch das Ergebnis schwarz-weiss und verwackelt war.

Die Schweizer Botschaften haben ein eigenes Netzwerk

Heute erledigen wir dasselbe mittels Smartphone-Foto mit ein paar Klicks, farbig und hochaufgelöst. Wieso also übermitteln Diplomaten hochsensible Nachrichten im Jahr 2020 mit einer Technologie aus den Siebzigern? Als der Faxdienst 1976 in der Schweiz lanciert wurde, war der Vorteil klar: Eine Übertragung innert ein paar Minuten, dieses Tempo war demjenigen des Postweges um Welten überlegen. Doch im Zeitalter der E-Mails kann es nicht die Geschwindigkeit sein, die das Fax zum bevorzugten Kanal für ­sensible Diplomatie macht. Das eidgenössische Aussendepartement will sich zu dieser Frage nicht äussern, doch offenbar wird das Fax als sicherster Weg betrachtet.

E-Mails werden mitgelesen – von Geheimdiensten, von Google, vielleicht auch von Firewall-Anbietern oder von den IT-Spezialisten des Arbeitgebers, so genau wissen wir es nicht. Zwar lassen sich Mails verschlüsseln, aber diese Schutzmechanismen lassen sich austricksen. Wenn Faxgeräte direkt über das Telefonnetz statt übers Internet miteinander kommunizierten, ist das Risiko, abgehört zu werden, weit geringer. Die Geräte der Schweizer Botschaften in Teheran und Washington sind laut «Wall Street Journal» sogar über ein eigenes gesichertes Netzwerk miteinander verbunden.

Dass die Kommunikation per Fax gerne für sensible Daten genutzt wird, zeigt sich auch in den Einträgen im Schweizer Telefonbuch. Von den gut 200000 Faxnummereinträgen gehören 11500 zu Ärztinnen und Ärzten; sie sind die am stärksten vertretene Branche. Doch heute ist die Faxfunktion meist integriert in ein Multifunktionsgerät, das mit einem Netzwerk verbunden ist. Somit können die Nachrichten von einem Computer aus versendet und empfangen werden, aber es bietet auch Hackern ein Einfalltor. Sicherheitsforschern gelang es, über eine Faxnachricht ein handelsübliches Gerät zu kapern und sich so Zugang zum Netzwerk zu verschaffen.

Die Swisscom hat das ana­loge Telefonnetz 2018 abgeschaltet. Faxen ist in der Schweiz nun immer digital und hat sich dem E-Mail angenähert. Das dürfte den Niedergang des Telefaxes endgültig besiegelt haben. Der Apothekerverband Pharma­suisse zum Beispiel betrachtet das Fax seit der Abschaltung des analogen Netzes nicht mehr als dokumentenecht und sicher. Er rät den Apotheken, diesen Kanal nicht mehr zu verwenden. Bei einem per Fax übermittelten Rezept handle es sich ohnehin um eine Kopie, die in den meisten Kantonen nicht rechtsgültig sei.

Auch in Anwaltskanzleien stehen noch Faxgeräte

Ein Telefax gilt nicht als Schriftform, das sieht auch das Bundesgericht so. Trotzdem sind Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte die Branche mit den zweitmeisten Faxnummereinträgen im Telefonbuch. Erstens wirkt die Papierform der Faxnachricht in der geschäftlichen Korrespondenz oft noch immer vertrauenswürdiger als ein Mail. Und zweitens bestätigt das Gerät die erfolgreiche Übermittlung in jedem Fall mit einem Sendebericht – und das funktioniert zuverlässig, im Unterschied zur Übermittlungsbestätigung beim E-Mail.

Doch zahlenmässig zeigt der Trend deutlich nach unten: Die Einträge im Telefonbuch sind innert eines Jahres um zehn ­Prozent zurückgegangen. Nachrichten können nach wie vor auch am Postschalter aufgegeben werden, das kostet 7 Franken für die erste und 1 Franken für jede weitere Seite. Doch die Zahl der jährlich via Postschalter gefaxten Seiten liegt gerade mal im tiefen fünfstelligen Bereich und hat sich in den vergangenen zwei Jahren halbiert, heisst es bei der Medienstelle der Post.

Der Auftritt der Faxgeräte im Konflikt zwischen den USA und dem Iran bedeutet also nicht, dass sie künftig den Weltfrieden sichern. Es waren eher letzte Zuckungen dieser Apparate vor dem endgültigen Ableben. Die Spannungen im Nahen Osten werden länger Bestand haben als die Faxtechnologie.