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Extremes Wetter und falsche Prognosen: Ohne wissenschaftliche Grundlage Hitzesommer vorausgesagt

Der Mai war ungewöhnlich kalt, der Juni soll nun heiss werden und der Juli extrem heiss. Zumindest will das ein amerikanischer Wetterdienst so berechnet haben. Doch Langzeitprognosen sind beim Wetter selten seriös.
Bruno Knellwolf
Ohne wissenschaftliche Grundlage: Die Karte des privaten US-Wetterdienst AccuWeather sagt einen heissen Sommer voraus. (Bild: AccuWeather)

Ohne wissenschaftliche Grundlage: Die Karte des privaten US-Wetterdienst AccuWeather sagt einen heissen Sommer voraus. (Bild: AccuWeather)

Die Winterjacke hängt noch an der Garderobe. Kalt war es diese Woche, doch morgen steht bereits der erste Hitzetag in Aussicht. «Immer extremer, mal kalt, mal heiss, nichts dazwischen», sagen da viele. Doch diese Wechselhaftigkeit der Wetterabläufe sei grundsätzlich typisch für unser Klima, erklärt Stephan Bader von Meteoschweiz. Im Frühjahr liege noch viel Kaltluft über dem Nordpol. Mit der aktuellen Nord-Nordwestströmung trifft die kalte Polarluft auf das nachrückende atlantische Hochdruckgebiet mit milden Luftmassen.

«Das zeigt geradezu lehrbuchhaft die Ursache für ­die typische Wechselhaftigkeit unseres Klimas.»

Durchschnittlich ist der Mai zwei Grad wärmer

Mögen die wechselnden Temperaturen für einen Mai nicht ungewöhnlich sein, die Kälte in diesem Monat war es. «Mit einem landesweiten Mittel von ­6 Grad Celsius war es der kühlste Mai der letzten rund 30 Jahre», sagt Bader. Der aussergewöhnlich kühle Mai mit Schnee bis in die Niederungen ist gemäss Meteoschweiz ein seltenes Ereignis. Eigentlich ist der Mai in den letzten Jahrzehnten um 2 Grad wärmer geworden: Ein deutliches Signal der Erderwärmung, das wegen des Ausreissers in diesem Jahr nicht geschwächt wird.

Extreme Wetterlagen sind kein Problem für Prognosen

Generell nehmen wegen des Klimawandels die Wetterextreme zu. Macht das die Wetterprognose schwieriger? Nein, sagt Bader. Die Prognosetätigkeit befasse sich mit dem aktuellen Wetterablauf. «Ob dieser sehr lebhaft ist oder eher eine langsame Entwicklung nimmt, spielt für die tägliche Prognose keine Rolle.» Extreme Wetterlagen seien für den Prognostiker grundsätzlich kein Problem. Allerdings werde es für den Meteorologen bei sehr lebhaften Wetterlagen, wie zum Beispiel Fronten mit Starkniederschlägen oder Sturmsituationen, sehr hektisch wegen der zusätzlichen und häufigen Warnungen. «Bei einer Hitzewelle sind die Wetterabläufe langsam, trotz extremer Wetterlage. In solchen Fällen verläuft der Prognosebetrieb entsprechend ruhiger», sagt Bader.

Temperaturen über 43 Grad prognostiziert

Zu reden gibt derzeit ­die aktuelle Langzeitprognose des privaten Wetterdienstes AccuWeather. Die amerikanischen Meteorologen sagen einen Hitzesommer in weiten Teilen Europas voraus. Schon im Juni werde extrem heisse Luft von Spanien her nord- und ostwärts strömen. Temperaturen von über 38 Grad würden keine Seltenheit sein. In manchen Regionen ­werden auch Temperaturen über ­43 Grad prognostiziert. Die Meldung eines erneuten Hitze-Dürre-Sommers schlug medial sofort ein.

Doch solche Langzeitprognosen sind mit grosser Vorsicht zu geniessen. Denn nach dem heutigen Stand der Wissenschaft sind klassische Wetterprognosen nur bis zu fünf Tage verlässlich, wie Bader erklärt. «Alle Angaben bis zehn Tage sind Trendaussagen. Prognosen zu detaillierten Tagesabläufen sind für diesen Zeithorizont nicht möglich.» Dementsprechend ist die 3-Monats-Prognose von Accu­Weather von vielen Meteoro­logen auch als Schwachsinn ­bezeichnet worden. Und auch Meteoschweiz erklärt, dass keine Vorhersagen zum Witterungs­verlauf gemacht werden können. Aufgezeigt werden nur Wahrscheinlichkeiten: Also wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich die Sommertemperatur über dem Durchschnitt der letzten ­30 Jahre bewegt.

Konkurrenz zwischen privaten Wetterstationen

Doch auf dem Wettermarkt tummeln sich immer mehr private Anbieter, die ihre Prog­nosen gewinnbringend auf die Milliarden Smartphones bringen wollen. Mit über 50 Millionen Installationen ist AccuWeather​ eine der am weitesten verbreiteten Android-Wetter-Apps. Mit Langzeitprognosen gaukelt man den Benutzern dort vor, zu wissen, ­ob die Grillparty in vier Wochen im Trockenen gefeiert werden kann.

Diese saisonalen Modellläufe von Meteoschweiz zeigen aber, dass es regional diesen Sommer wärmer sein wird als in den letzten 30 Jahren. Immerhin darin stimmen diese Wahrscheinlichkeitsberechnungen mit den Prognosen von AccuWeather überein. Aussagen über Hitzewellen und Niederschlag macht Meteoschweiz aber nicht.

«Wissenschaftliche Auswertungen zeigen, dass die Vorhersagegüte des saisonalen Niederschlags mit noch grösseren Unsicherheiten behaftet ist als bei der saisonalen Temperatur.»

Berechnet werden somit eigentlich Wettertrends mit umfangreichen Modellsimulationen. Für Meteoschweiz macht das ­ das Europäische Zentrum ­ für Mittelfrist-Wettervorhersagen (EZMW), an dem 34 Staaten beteiligt sind. Doch diese heutigen Modelle können die Wettertrends für unser Land und Mitteleuropa nur schlecht voraussagen. Sie sind für die Schweiz nicht ­besser als einfaches Raten.

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