50 Jahre Concorde oder der ewige Traum vom Überschallfliegen 

Vor fünfzig Jahren ist das erste Überschallpassagierflugzeug gestartet. Doch der britisch-französischen Concorde war wenig Glück beschieden. Der Traum vom schnellen Fliegen ist noch nicht ausgeträumt.

Bruno Knellwolf
Drucken
Teilen
Sensation am Himmel vor 50 Jahren: Eine Concorde startet in den Himmel über Toulouse. (Bild: Keystone (Toulouse, 30. Dezember 1969))

Sensation am Himmel vor 50 Jahren: Eine Concorde startet in den Himmel über Toulouse. (Bild: Keystone (Toulouse, 30. Dezember 1969))

Überschall und Tempo faszinieren.  So wie am 2. März 1969, als die Concorde in Toulouse zum ersten Mal abhob und zu ihrem Jungfernflug ansetzte. Das von den Briten und Franzosen entwickelte Überschallpassagierflugzeug war mit bis zu 2400 Kilometern pro Stunde unterwegs.

In dreieinhalb Stunden flog dieser elegante, weisse Jet von Paris nach New York. Den Linienverkehr nach New York nahmen die British Airways und die Air France allerdings erst acht Jahre später auf.

Überschall fliegen durfte die Concorde allerdings nicht über bewohntem Gebiet. Der peitschenartige Überschnallknall, der entsteht, wenn die Fluggeschwindigkeit höher ist als die Schallgeschwindigkeit, ist zu gefährlich fürs menschliche Ohr.

Concorde hatte einige Nachteile: Vor allem die Kosten

So verlockend die stark verkürzte Reisezeit war, glücklich wurden die Concorde-Betreiber nicht. Denn abgesehen von der hohen Geschwindigkeit hatte das Flugzeug einige Nachteile, wie Jürg Wildi, Präsident der Schweizerischen Vereinigung der Flugwissenschaften, erklärt. Von diesem teuren Prestige- und Technologieprojekt gab es nur wenige Exemplare. Das heisst, die riesigen Entwicklungskosten für die Concorde mussten auf wenige Flugzeuge und deren Passagiere abgewälzt werden.

Der Flug war aber nicht nur teuer, das aerodynamische Flugzeug war knapp geschnitten und die Sitze waren deshalb eng und unbequem. Zudem waren die Wartungskosten hoch, weil die extrem leistungsstarken Triebwerke jeweils stark belastet wurden.

Inferno in Paris als Anfang vom Ende

Der Kerosinverbrauch war hoch, die Umweltbelastung auch, und zudem machte das Überschallflugzeug übermässig viel Lärm. Der Untergang der Concorde wurde schliesslich am 25. Juli 2000 eingeleitet.

An diesem Tag stürzte eine Concorde der Air-France kurz nach dem Start in Paris ab, 113 Menschen starben. Der Terroranschlag in New York am 11. September 2001 und die darauf folgende globale Luftfahrtkrise führten dazu, dass am 24. Oktober 2003 zum letzten Mal eine Concorde abhob.

Zu viel Energie für normale Passagierflüge

Der Traum des Überschallfliegens ist aber noch nicht ausgeträumt. Gerade an­gesichts der stetig ansteigenden Zahl an Flugbewegungen wünscht sich mancher schneller fliegende Maschinen am Himmel. Doch für den normalen Flugverkehr kämen schnellere Flugzeuge nicht in Betracht, sagt Wildi. Verkehrsflugzeuge fliegen mit etwa 850 km/h. Wird diese Geschwindigkeit von Mach 0,85 überschritten, steigt der Widerstand des Flugzeugs, und es braucht somit mehr Schub und Energie. Aus Kostengründen lohnen sich gemäss Wildi höhere Geschwindigkeiten nicht für die Airlines.

Zudem verringert sich mit Überschallpassagierflugzeugen zwar die Flugzeit, aber der Aufenthalt am Flughafen und die Fahrt dorthin verändern sich nicht, welche bekanntlich einen grossen Teil der gesamten Reisezeit ausmachen.

Forscher wollen Knall leiser machen

Zudem bleibt das Problem des Überschallknalls, an dessen Lösung zwar geforscht wird. Bis dahin ist der effiziente Betrieb solcher Flugzeuge über bewohntem Gebiet nicht möglich. Im normalen Flugverkehr sieht der Aviatik-Experte also keine Verwendung für Überschall-Flugzeuge.

Für Private Business-Flüge attraktiv

Im privaten Business-Jet-Bereich aber schon. Wildi erwähnt die Initiative des britischen Unternehmers Richard Branson. Sein Verkehrsflugzeug der Firma «Boom» soll dereinst mit 2700 Kilometern pro Stunde fliegen. Der Jet «Overtüre» für 55 Passagiere soll nicht nur schneller, sondern auch deutlich effizienter als die Concorde sein. Auch die US-Firma Aerion will in einem von Airbus unterstützen Projekt Geschäftsflugzeuge mit 1,5-facher Überschallgeschwindigkeit starten lassen.