Exklusiv im Erlebniszug zwischen St.Moritz und Zermatt

Der langsamste Express der Welt erhält ein neues Prädikat: Dank der Excellence Class ist der Glacier Express nun auch der luxuriöseste.

Text und Bilder: Peter Hummel
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Fotohalt in Nätschen ob Andermatt, um das Panorama gebührend festzuhalten.
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In der Excellence Class gibt’s für jeden Gast einen Fensterplatz – und ein 5-Gänge-Menu. (Bild: Bilder: Peter Hummel)

Fotohalt in Nätschen ob Andermatt, um das Panorama gebührend festzuhalten.

Seit 1930 gehört der Glacier Express zwischen St. Moritz und Zermatt zu den populärsten Erlebniszügen der Welt. «Doch die neuen Herausforderungen durch die Digitalisierung, der Rückgang von Buchungen über die traditionellen Kanäle und der Wegfall der Abgeltungssteuer haben dazu geführt, dass sich die beiden Betreiberbahnen Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGBahn) und Rhätische Bahn (RhB) überlegen mussten, wie sie den Glacier Express für die Zukunft fit machen könnten», sagt Isidor Baumann, Präsident der Glacier Express AG. Die Gründung der eigenständigen Gesellschaft 2017 zur besseren Vermarktung war der erste Schritt. Dazu sollte eine neue «Überklasse» den Glacier Express wieder als Einzigartigkeit auf dem Weltmarkt positionieren: In den RhB-Werkstätten Landquart wurden zwei Panoramawagen zu exklusiven Premium-Waggons verwandelt, die als Excellence Class seit Anfang März eine neue Ära beim Glacier Express einläuten.

Panorama-Einersitze und kreiselnde Barplätze

Die Vorgabe war ambitiös: Die Excellence Class sollte ein neues Servicelevel bieten, das Natur- und Bergerlebnis inszenieren und sich auch optisch von allem Bisherigen abheben. «Luxus beim Reisen wird durch Raumgrösse, Materialisierung und stimmiges Licht erlebbar», erklärt Christian Harbeke, Partner der Agentur Nose Design Experience, den ehrgeizigen Ansatz. «Durch alpine Motive und Materialien in höchster Design- und Verarbeitungsqualität kann das eigenständige Erlebnis noch verstärkt werden.»

Als erstes ins Auge stechen natürlich die feudalen Sessel mit einem Mix von Leder und edlem Stoff in «Gletschertönen». Der Textilbezug nimmt etwas von der Massigkeit und sorgt für einen angenehmeren Sitzkomfort auf der achtstündigen Reise über 291 Brücken und durch 91 Tunnels. Einmalig ist die Beschränkung auf zwei Einerreihen, womit jeder Gast garantiert einen Fensterplatz hat. Ebenso erlesen ist der handgetuftete ­Tisca-Teppich, der den unregelmässigen Rapport der Sessel aufnimmt. Vom Boden zum Himmel: Aussergewöhnliches Prunkstück ist ein wagenradgrosser Kompass in der Bar, welcher in Kehrtunnels fürs Amüsement der Gäste sorgt. Diese Kreiselkuppel ist edel vergoldet. Der alpinen Landschaft wird zudem in der Verwendung von Rheintaler Quarzit für die Barabdeckung und den Waschtisch im WC Reverenz erwiesen.

«Für die vielen nötigen neuen Lösungen ergänzten sich die Ingenieurskompetenzen beider Bahnen hervorragend. Dank dieser Herausforderung haben wir eine enge Zusammenarbeit wie noch nie praktiziert», sagt RhB-Direktor Renato Fasciati stolz.

Livrierte wie in Zeiten der Wagon-Lits – und eigene Tablets

Zum luxuriösen Interieur gehört der passende Service, gewährleistet durch eine oder einen Concierge, gewandet im Stil der goldenen Wagon-Lits-Jahre, was die Auferstehung des Luxus auf Schienen unterstreicht. Er oder sie ist für das Wohl der 20 Fahrgäste besorgt, vom Empfang über den Service der Speisen bis zum passenden Drink an der Bar. Die Con­cierges wissen auch bestens Bescheid über die Höhepunkte der Strecke; darin werden sie vom bordeigenen Infotainmentsystem unterstützt, auf das alle Passagiere über ein eigenes Tablet und Kopfhörer an ihrem Platz zugreifen können. Fahrplaninformationen und Routenhöhepunkte werden zusätzlich über einen grossen Bildschirm im Wagen angezeigt – etwa GPS-generierte Hinweise auf demnächst kommende Attraktionen, damit niemand mehr die imposante Überquerung des Landwasser-Viadukts verpasst. Doch Glacier-Express-Reisende möchten nicht nur Infos vom Bildschirm, sondern auch tolle Fotos zur Erinnerung. Statt alle Fenster zu entspiegeln (was eh nicht komplett möglich wäre), gibt es in den Eingangstüren und künftig im neugestalteten angrenzenden Bistrowagen Fenster, die sich öffnen lassen.

Natürlich hat dieses Premiumangebot mit 420 Franken Zuschlag auch seinen Preis. Darin inbegriffen sind Apéro, ein fünfgängiges Menu mit Weinbegleitung, Tea Time plus Softdrinks und Kaffee. Die Glacier Express AG und ihr Caterer Panoramic Gourmet AG legen grossen Wert auf authentische Schweizer Gerichte und einheimische Produkte, womöglich aus den befahrenen Regionen. Für Schweizer Verhältnisse bedeutet ein solches Supplement natürlich auch preislich eine ganz neue Klasse – für den internationalen Premiummarkt aber offenbar gerade richtig, wie Helmut Biner, der langjährige Verkaufsleiter der MGBahn, weiss; Luxusreiseveranstalter, insbesondere aus Asien, hätten schon reges Interesse bekundet. Und Glacier-Express-Geschäftsführerin Annemarie Meyer ist überzeugt, dass die Excellence Class dem Zug insgesamt wieder erhöhte Aufmerksamkeit verschafft; zusammen mit dem dieses Jahr beginnenden Refit-Programm der übrigen Panoramawagen soll die Bestmarke von einer Viertelmillion Fahrgäste bald wieder überschritten werden – womöglich schon nächstes Jahr zum 90. Jubiläum des Glacier Express.

Die Excellence-Class-Wagen verkehren bis zum 13. Oktober und ab 8. Dezember täglich je einmal von St. Moritz nach Zermatt und umgekehrt. Neben dem Zuschlag von 420 Franken ist ein reguläres 1.-Klasse-Billett erforderlich; Halbtax und GA sind gültig. Buchungen über www.glacierexpress.ch oder an jedem Bahnhof.