Existenzielle Parabel mit vielen Deutungsmöglichkeiten

Es ist eine unerklärliche Situation, in welche eine namenlose Frau in «Die Wand» von Marlen Haushofer gerät: Mit einem befreundeten Paar fährt sie in ein abgelegenes Jagdhaus in den Bergen. Nach der Ankunft spaziert das Paar noch ins nächste Dorf, kehrt aber nicht zurück.

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Es ist eine unerklärliche Situation, in welche eine namenlose Frau in «Die Wand» von Marlen Haushofer gerät: Mit einem befreundeten Paar fährt sie in ein abgelegenes Jagdhaus in den Bergen. Nach der Ankunft spaziert das Paar noch ins nächste Dorf, kehrt aber nicht zurück. Als sie sich mit dem Hund des Paares ins Dorf aufmachen will, stösst sie an eine unsichtbare, undurchdringliche Wand. Dahinter herrscht Totenstarre. Allein auf sich gestellt, baut sie sich mit ein paar zugelaufenen Tieren ein Leben auf.

Der 1963 erschienene Tagebuchroman, der die surreale Situation nicht auflöst, war zunächst kein Erfolg, wurde aber im Zuge der Frauenbewegung in den 80er-Jahren zum Kultbuch. Die existenzielle Parabel ist für psychologische Deutungen ebenso offen wie für solche von Zivilisationsskeptikern, Feministinnen oder Apokalyptikern. Regisseur Julian Roman Pölsler zeigt die Frau am Tisch, ihren Bericht schreibend, den man hört, während ihre Erlebnisse in Rückblenden geschildert werden. Das ist bildgewaltig und beklemmend inszeniert und wird von Martina Gedeck herausragend gespielt und rezitiert. (as)

Ab heute im Kinok in St. Gallen und im Cinewil, Wil