Zu Tisch: Sambucaglace und ein Kotelett auf dem Holzkohlegrill – dieses Dachrestaurant am Bodensee verbreitet urbane Gefühle

Das Restaurant Atticum in Tübach könnte auch in einer Grossstadt stehen. Interieur und Essen überzeugen gleichermassen.

Jürg Ackermann
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Gastgeberin Claudia Schips und Küchenchef Carsten Nikles.

Gastgeberin Claudia Schips und Küchenchef Carsten Nikles.

Bild: Ralph Ribi

Wer das kahle Treppenhaus in diesem Fabrikgebäude betritt, erahnt nicht, was ihn im obersten Stock erwartet. Warmes Licht, grosse Fenster, Nischen, viel Holz. Ein Rooftop-Restaurant inklusive grosszügiger Bar und 500 Quadratmeter-Terrasse wie es auch in einer Grossstadt wie Zürich oder London stehen könnte. Das stimmige Interieur verbreitet sofort eine Wohlfühlatmosphäre.

Mit grossem Aufwand und viel Liebe zum Detail hat Gastgeberin Claudia Schips, eine Quereinsteigerin in der Gastronomie, ihr Traum-Restaurant gestaltet.

«Das erste Jahr war wegen Corona turbulent. Aber insgesamt sind wir sehr zufrieden, wie es angelaufen ist.»

Der Essenz des Kaffees auf der Spur

Eine Überraschung ist das nicht. Denn die Gerichte aus der transparenten Küche des «Atticum» stehen dem Interieur des Restaurants in nichts nach. Qualität und Kreativität auch hier. Wir wählten zur Vorspeise Kürbis-Ziegenkäse Pannacotta mit Nüsslisalat und Balsamico-Datteln (17.50) sowie die Tomaten-Kokos-Suppe mit Gin und gerösteten Mandeln (12.50).

Zur Hauptspeise kamen die hausgemachten veganen Falafel mit Couscous, Gemüse, Koriander und Soja-Minzsauce (21.50) sowie das auf dem Holzkohlegrill zubereitete Kotelett vom Appenzeller Kalb (41.50) mit hausgemachten Trüffel-Pommes-frites (7.50) (unbedingt probieren!) und Thymian-Pfefferjus auf den Tisch.

Im gleichen Stil ging es beim Dessert weiter. Der "Kaffignuss" (10.-) mit Café-, Sambucca-Glace und Espresso-Schaum kam der Essenz des Kaffees auf wunderbare Weise nahe. Noch Tage später war die Erinnerung an diese Nachspeise auf dem Gaumen.

Wir hätten gerne noch mehr probiert wie das Thurgauer Apfeltiramisu oder die Kastanienhonig-Griessköpfli, doch die Mägen waren schon voll. Denn auch wenn im «Atticum» auf erstaunlichem Niveau gekocht wird, sind die Portionen grosszügig bemessen. Von abgehobener Nouvelle Cuisine keine Spur.

Tomaten-Kokossuppe mit Gin und gerösteten Mandeln.

Tomaten-Kokossuppe mit Gin und gerösteten Mandeln.

Küchenchef Carsten Nikles ist es mit seinem Team innert kurzer Zeit gelungen, eine eigene Handschrift zu entwickeln und trotzdem vielen Geschmäckern gerecht zu werden. Hier kommen auch Vegetarier und Veganer auf ihre Kosten. Fleisch- und Fischesser sowieso.

Schon im ersten Jahr zwei Designpreise

Dass keine Tiefkühlprodukte verwendet werden, sondern alles frisch zubereitet wird und bis auf das Brot auch hausgemacht ist, versteht sich von selbst. Ein Teil des Gemüses wächst im Feld nebenan, das Fleisch wird mehrheitlich aus der Region bezogen.

An diesem Dienstagabend war das grosszügig gestaltete Restaurant, das bereits im ersten Jahr des Bestehens zwei Designpreise einheimste, bis auf den letzten Platz gefüllt. Kein Wunder. Der Gast merkt schon auf den ersten Blick, dass hier ein stimmiges Konzept sowie viel Enthusiasmus dahintersteckt.

9327 Tübach, Steinacherstrasse 35. Telefon 071 845 35 35, www.atticum.ch. Di–Fr 11.30 - 14 Uhr/18 - 22 Uhr. Sa 18 bis 23 Uhr. So 9 - 14 Uhr/18 -22 Uhr. Vorspeisen/Suppen ab 9.50, Hauptgerichte ab 21.50.