Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Weinbloggerin: «Wir trinken Wein, wir lieben Wein, aber wir haben keine Ahnung von Wein»

Noch nie war es so einfach, die Weinwelt zu verstehen – dank Madelyne Meyer. Die Weinbloggerin hat ein Buch dazu geschrieben, das genauso erfrischend und frech ist wie sie selbst.
Silvia Schaub
Der kecke Brixton-Hut ist ihr Markenzeichen, der Wein ihre Leidenschaft. (Bild: Waserhepp)

Der kecke Brixton-Hut ist ihr Markenzeichen, der Wein ihre Leidenschaft. (Bild: Waserhepp)

Wenn sie mit ihrem Brixton-Hut hinter dem Tresen steht, mit Flaschen hantiert und ihren Slogan zum Besten gibt, hat das beinahe komödiantisches Potenzial. Denn er lautet:

«Wir trinken Wein, wir lieben Wein, aber wir haben keine Ahnung von Wein.»

Doch die witzigen Filmchen von Madelyne Meyer, die sie für ihren Blog «Edvin – uncorked» veröffentlicht, sollen nicht nur unterhalten, sie wollen auch etwas mitgeben. Die Weinbloggerin hat eine Mission: den Leuten die Weinwelt näherbringen – ohne komplizierte, elitäre Erklärungen. «Sondern so, dass wirklich jeder Anfänger den Durchblick bekommt.»

Wir sitzen an einem 30 Meter langen Eichenholztisch im modernen Degustationsraum der Weinkellereien Aarau, wo sie als Marketingfachfrau im Familienbetrieb arbeitet. An den Wände reihen sich Weinflaschen auf, sie strahlen in den langsam wechselnden Farben des Lichts. Das ist der Wirkungsort der schlanken, grossgewachsenen Weinbloggerin mit den langen dunklen Haaren, die zum Interview, weite Hosen und ein Shirt trägt. In diesem Raum führt sie ihre beliebten Workshops durch, die sich ausschliesslich an Anfänger – und vor allem Anfängerinnen – richten.

«Basisweinkurse gibt es mehr als genug, aber nirgends einen lockeren Ort, wo man ungehemmt dumme Fragen über Wein stellen darf», meint Madelyne Meyer in ihrer charmanten Art. Vor allem für Frauen sei es wichtig, eine solche Oase zu haben. «Ich wünsche mir, dass sie in Sachen Wein mutiger werden und mehr Selbstbewusstsein entwickeln.» Es sei leider immer noch so, dass in einem Restaurant die Weinkarte automatisch zur männlichen Begleitung wandere und er auch die Auswahl treffe.

In Kalifornien gearbeitet, in Frankreich studiert

So ahnungslos, wie sie in ihrem Slogan kundtut, ist Madelyne Meyer freilich nicht. Die Weinwelt wurde ihr in die Wiege gelegt, und sie schwärmt davon, als hätte sie sie gerade entdeckt:

«Wein wächst in der kargen Erde und landet später auf dem weiss gedeckten Tisch. Das ist faszinierend.»

Seit sie 14 ist, dreht sich bei ihr alles um Trauben, Tannine und Terroir. Anfangs packte sie in den Weinkellereien Aarau mit an, nach der Schulzeit zog es sie nach Kalifornien, der Heimat ihrer Mutter, wo sie für zwei Weingüter arbeitete. Anschliessend folgte der Feinschliff in Bordeaux, wo sie ein Weinstudium abschloss.

Und dort spürte sie, dass die Weinwelt entschieden zugänglicher werden muss. Beim Lernen merkte sie, dass die Lehrbücher mit zu viel Text vollgestopft sind. «Das hat mir beinahe die Leidenschaft geraubt», erzählt sie. Also hat sie, die schon als Kind Comics malte, sich die Theorie mit Illustrationen visualisiert, um sie sich einprägen zu können. «Irgendwann sagte ich mir, dass es wohl noch anderen Menschen so geht wie mir, und die Idee für den Blog entstand.» Auf «Edvin – uncorked» (Edvin steht für Educating Wine) bringt sie ohne Fachjargon, dafür mit viel Humor und einer Prise Ironie die Weinwelt näher.

Der Schritt zum Buch war klein, der Aufwand für die über 280 Illustrationen gross. «Endlich Wein verstehen» kommt in diesen Tagen in den Handel und erinnert beim Durchblättern ein wenig an ein Kinderlexikon. Es ist voll von witzigen, bezaubernden Illustrationen, die manchmal zur Auflockerung des Textes dienen, oft aber erklärend sind.

Ziemlich unkonventionell wird Madelyne Meyer, wenn sie Zucker mit einem Donut, Säure mit einem sabbernden Hund, Alkohol mit einer Flamme und Tannine mit einem Zwieback symbolisiert. «Aber dafür ist es einprägsam», ist sie überzeugt.

So ist es auch, wenn es um die Traubensorten geht. Dort greift sie tief in die Promi-Kiste Den Chardonnay mit seinem reichhaltigen, voluminösen Charakter vergleicht sie mit Beyoncés Haar vor dem Ventilator. Den üppigen, verführerischen Moscato D’Asti mit den Outfits von Madonna. Den kräftigen, sinnlichen Cabernet Sauvignon mit dem Oberkörper von David Beckham. Den konzentrierten, harmonischen Zweigelt mit Roger Federers Turnierreden. Da bleibt auch beim Vergesslichsten etwas hängen.

Selbsternannten Weinkennern den Kampf angesagt

Das Buch liest sich tatsächlich einfach, ist in einer verspielten, frischen Sprache geschrieben, gut strukturiert und verzichtet – wohltuend – auf eine Selbstinszenierung, wie man das oft in Büchern von Bloggern antrifft. Es beginnt bei den Grundlagen wie den Weingläsern (Vergessen Sie Champagnergläser! Es geht auch mit einem Weissweinglas), der Serviertemperatur oder Food and Wine Pairing (Essen und Wein aus der gleichen Region gehören zusammen wie Jay-Z und Beyoncé!) und führt weiter zum Degustieren sowie Weinanbau und Weinausbau.

Degustieren ist ein wichtiges Kapitel für die 30-Jährige. «Genug gelabert, jetzt wird getrunken!», lautet der Untertitel. Sie verdreht die Augen: «Ach, was können da selbst ernannte Weinkenner für Stuss von sich geben! Etwa wenn sie über malolaktische Fermentation philosophieren oder diskutieren, ob ein Wein nun nach Aprikose oder Pfirsich riecht.»

Statt von Aromen spricht sie lieber von der Struktur eines Weins, «so kann man sich einen Wein besser vorstellen». Wer noch unsicher ist, was er in einem Wein riecht, dem verrät sie im Buch trotzdem ein paar Schummelaromen. «Niemand weiss genau, wie diese Aromen im Wein schmecken. Sie werden kopfnickende Anerkennung erhalten», meint sie schmunzelnd.

Die Weinwelt habe vergessen, in der Sprache der Konsumenten zu sprechen. Das kreiere Hemmungen und mache das Weintrinken zu einer elitären Angelegenheit. Dies will Madelyne Meyer nun mit dem Buch und dem Blog ändern und – wer weiss? – vielleicht auch einmal mit einer TV-Sendung. Jedenfalls ist sie mit ihrem frischen Wind im Weinkeller auf Augenhöhe mit der Zeit. Aber eigentlich geht es ihr vor allem um das Geniessen. «Wenn bei einem gemütlichen Essen mit Freunden eine Flasche Wein aufgetischt wird, wird der Anlass gleich spezieller.»

Buchtipp

Madelyne Meyer
Endlich Wein verstehen
AT-Verlag
160 S.
Fr. 25.-.

Bild: zvg

Bild: zvg

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.