Aufgetischt: Tafelglück mit Buddhas Hand im «Corso» in St.Gallen

Im November hat «Barz»-Chef Markus Schenk im ehemaligen Kino Corso  sein zweites Lokal eröffnet. Neben Hausmannskost serviert er auch Exquisites.

Melissa Müller
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Küchenchef Markus Schenk und Gastgeber Benjamin Gilly im neuen «Corso».

Küchenchef Markus Schenk und Gastgeber Benjamin Gilly im neuen «Corso».

Bild: Urs Bucher

Die gelbe Frucht, die Küchenchef Markus Schenk dem Gast zeigt, hat lange Finger wie eine Krake. «Das ist die Hand Buddhas», erklärt der Spitzenkoch mit dem roten Bärtchen und raffelt etwas Zitrusschale über die Bodenseefelchen auf Schwarzwurzel und Mangold (44.-). Die rare Frucht beziehe er vom Schweizer «Zitronenkönig» Niels Rodin – einem Ex-Banker, der in Nyon Zitrusfrüchte wie Yuzu anbaut. Es ist nicht das einzige Mal, dass uns der Südtiroler an diesem Abend in seinem neuen Restaurant Corso in St.Gallen überrascht. Einerseits können «Foodies» bei ihm ungewöhnliche Produkte wie Buddhas Hand entdecken. Andererseits versteht sich Schenk darauf, gewöhnlichem Gemüse wie einem Rettich eine neue Note abzugewinnen.

Dunkelrotes Gelee auf dem Porzellanlöffel

Als Gruss aus der Küche landet ein Schälchen Birnenkompott mit hauchdünnen, knusprigen Käsestangen auf dem lasierten Designertisch. Ein kleines rundes Dinkelbrot der Bäckerei Lehmann begeistert mit seiner knusprigen Krume. Und ein dunkelrotes Gelee, auf einem grossen Porzellanlöffel serviert, schmeckt süsslich. Was es wohl ist? «Blaukraut», klärt uns Restaurantleiter Benjamin Gilly auf, der zum karierten Anzug weisse Turnschuhen trägt. Blickfang des Lokals ist ein kühnes, poppiges Wandgemälde des deutschen Künstlers Franz Ackermann. Ansonsten ist die Einrichtung minimalistisch, mit filigranen Stühlen und halbtransparenten bodenlangen Vorhängen vor der Fensterfront.

Flüssig und knusprig

Im November hat «Barz»-Chef Markus Schenk im ehemaligen Kino Corso an der Brühlgasse 37 sein zweites Lokal eröffnet. Hier wagt er einen Spagat: Mittags bietet er Hausmannskost an, ein Menu mit Salat oder Suppe kostet 25 Franken. Abends schöpft Schenk, mit 14 «Gault-Millau»-Punkten ausgezeichnet, aus dem Vollen, serviert Exquisites wie Bodenseehecht, Dexter Rind vom Lutzenberg oder Mörschwiler Schwarzfederhuhn. Doch auch Vegis geraten ins Schwärmen.

Zur Vorspeise gibt’s ein pochiertes Ei auf einem Portulaksalat mit Buchweizennüsschen (19 Franken). Die Konsistenzen, von flüssig bis knusprig, erfreuen den Gaumen. Noch nie hatten wir diese saisonalen wie auch regionalen Zutaten in dieser tollen Kombination.

«Am liebsten würden ich das ganze Schüsselchen ausschlecken»,

sagt das Vis-à-vis der Schreibenden. Vom Tisch aus haben wir Einblick in die Küche aus Chromstahl. Hinter einer Glasscheibe richten drei Köche unsere Teller an. Sie tun dies stilsicher, handwerklich präzise, doch ohne Firlefanz. Jeder Teller ist ein Gemälde. Und doch weiss man immer, was man isst. Zum Beispiel eine Rande im Salzmantel, mit einem Gemüsefond, Belper Knolle, Pilzen und Wirsing (38 Fr.). Fazit: Hier stimmt alles, vom Amuse-Bouche bis zu den hausgemachten Pralinen, die zum Espresso auf einem Flussstein serviert werden. Wer nach Inspiration sucht, um über den wortwörtlichen Tellerrand zu blicken – im neuen «Corso» findet man sie.

Restaurant Corso

Brühlgasse 37
9000 St.Gallen
Tel. 071 511 32 36
www.restaurant-corso.ch

Regionale Produkte in Bioqualität, Weine aus dem Alpenraum

Öffnungszeiten: Mo 7 bis 18 Uhr, Mo–Fr 7–23 Uhr, Sa 16 bis 23 Uhr.

Abendkarte: 4-Gänge-Menu 90 Fr., Weinbegleitung 47 Franken.


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