Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Pro & Contra

Pro und Contra: Käsefondue – Genuss oder Graus?

Gerade mal jeder fünfte Schweizer und jede fünfte Schweizerin isst laut Schätzungen kein Käsefondue. Was hält sie davon ab? Gehört Fondue nicht einfach zur Schweiz dazu? Und woher kommt das Schweizer Nationalgericht?
Martin Rechsteiner/Sandro Büchler
Ein Käsefondue geniesst man gern in guter Gesellschaft. (Bild: Nana Do Carmo)

Ein Käsefondue geniesst man gern in guter Gesellschaft. (Bild: Nana Do Carmo)

Pro: Eine Einladung zum Fondue ist ein Ritterschlag unter Freunden

Sandro Büchler, Volontär (Bild: Ralph Ribi)

Sandro Büchler, Volontär (Bild: Ralph Ribi)

Es muss ja nicht gleich in einer Alphütte sein, um das Klischee zu bedienen. Aber ein Käsefondue lässt sich in den Wintermonaten fast überall geniessen, sei es neben der Eisbahn oder zu Hause. Immer jedoch ist der Verzehr ein gesellschaftlicher Anlass. Man trifft sich in einer gemütlichen Runde, taucht Brotstücke im Käse und diskutiert dabei über allerlei.

Geschmolzener Käse in einem Caquelon versinnbildlicht die Schweizer Gemütlichkeit. Bei einem Fondue sitzt man mit Freunden zusammen, lässt das Alltagsgeschehen für einen kurzen Moment aussen vor und bespricht Themen, die man nur in einem gewissen Kreis teilen möchte. Die Personen, die am Tisch sitzen, schätzt und achtet man. Es ist nicht das Gericht an sich, es ist die Gesellschaft, die man zu einem Fondue pflegt. Von jemandem zu einem Fondue eingeladen zu werden, kommt einem freundschaftlichen Ritterschlag gleich. Das erreicht man mit Salat nicht.

Ein weiterer Vorteil: Wer zu einem Fondue einlädt, muss keine grossen Vorbereitungen treffen. Käse, Brot, Brennpaste und los gehen kann es. Klar, es ist ein nahrhaftes Gericht. Daher braucht es aber auch keine Vorspeise und kein Dessert. Purismus, das ist die grosse Stärke einer Pfanne voll heissem und cremigem Käse. Apropos Stärke. Wer – wie ich – die Handhabung mit Maizena nicht so im Griff hat, dem missriet die Zubereitung von Fondue sicher auch schon. Dank Fertigmischungen ist das heutzutage kein Problem mehr und ein gelungenes Fondue keine Hexerei.

Nach meinem Dafürhalten gehört in ein Fondue nur wenig Kirsch. Der Genuss soll im Vordergrund stehen, das Brot soll nicht in einer Alkohollache getränkt werden – aber ein Gläschen nebenbei kann sicher nicht schaden. Dass es bei der Verdauung hilft, halte ich zwar auch für einen Mythos. Aber im Winter wärmt ein Käsefondue so oder so Körper und Geist.

Zugegebenermassen, es stinkt etwas nachher. Aber auch nach einem indischen Currygericht oder einem gebratenen Burgerfleisch riecht es intensiv. Der Geschmack von Käse ist aber auch ein Stück Heimat. Das weiss jeder, der nach einer Reise mit Heisshunger auf Käse zurück in die Schweiz kommt. Und so gehört Fondue zur DNA der Schweiz, genauso wie Rösti, Bündnerfleisch und Vermicelles.

Contra: Ein Gericht, das in die Tonne gehört

Martin Rechsteiner, Redaktor (Bild: Michel Canonica)

Martin Rechsteiner, Redaktor (Bild: Michel Canonica)

Es stinkt bestialisch, ist schlecht für die Umwelt und noch schlechter für die Gesundheit. Und am allerschlimmsten ist der Abwasch danach. Ich frage mich: Weshalb gibt es Fondue überhaupt?

Um das zu Beginn klarzustellen: Ich bin weder ein militanter Veganer noch ein Umweltaktivist. Aber zugegeben, ich gehöre auch zu denen, die – vor allem aus schlechtem Gewissen – ihren Fleischkonsum in den vergan­genen Jahren stark gesenkt haben. Nebst Fleisch gibt es aber noch einen weiteren Klimasünder. Wissen Sie, wie weit Sie Auto fahren können, um das CO2-Äquivalent eines Kilogramms Käse zu erreichen? Laut der Konsumentenorganisation Foodwatch sind es 71 Kilometer. Ziemlich weit für eine Pampe, die, wenn sie erst einmal in ihrem Caquelon köchelt, einen Geruch verströmt, als hätten in Ihrem Haus sämtliche Teilnehmer des Engadiner Ski­marathons gleichzeitig ihre Stiefel ausgezogen. Da hilft es auch nicht, wenn ein Grossverteiler mit dem Slogan, oder besser gesagt der Untertreibung des Jahrhunderts, «Chli stinke muess es» für Fondue wirbt (und selbst zugibt, dass es sich dabei um einen «Gestank» handelt).

Wie man so etwas dann auch noch essen kann, geht mir jedenfalls nicht in den Kopf. Leid tun mir bei diesem Gericht aber nicht nur die Brotwürfel, die in die übelriechende Masse getaucht werden, die aus der Körperflüssigkeit von Tieren hergestellt worden ist. Nein, leid tut mir auch der- oder diejenige, der nach dem Essen all die komplett verkrusteten und verklebten Gabeln und Töpfe abwaschen muss. Ja, das ach-so-gesellschaftliche Menü ist eigentlich ein ziemlich asozialer Frass.

Zu all dem gesellen sich auch ernährungstechnische Aspekte. Milch dient von Natur aus dazu, ein 30 Kilogramm schweres Kalb so schnell wie möglich in eine 600-Kilo-Kuh zu verwandeln. Ihren Nährwert verliert die Milch natürlich nicht, wenn sie zu Käse wird. Es liegt also auf der Hand, dass Fondue vielleicht nicht gerade das beste Mittel dazu ist, seiner Linie treu zu bleiben. Und vermutlich hat ein Stein im Bachbett der Goldach mehr Vitamine als die Käse-Pampe.

Nicht umsonst ist Menschen in Japan bekanntlich ein überdurchschnittlich langes Leben gewährt: Sie verabscheuen Käse. Es ist somit die Gesundheit, die sie länger leben lässt. Und vielleicht auch das Karma.

Wer hat es erfunden?

Sennen sollen es erfunden haben, besagt der Volksmund. Als den Älplern der karge Speisezettel zu einseitig wurde, hätten sie mit den wenigen ihnen zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln – Käse, Wein und Brot – zu experimentieren begonnen. Doch dies sei bloss erstunken und erlogen, sagt Historiker Ueli Gyr. Die Geschichte sei den Sennen bloss angedichtet worden, um dem Fondue ein authentisches Antlitz zu verleihen.

Wer sich das Fondue tatsächlich ausgedacht hat und wann und wo es erstmals verzehrt wurde, weiss niemand so genau. Die älteste Quelle reicht in die griechische Antike zurück. Homer beschreibt in seinem Werk «Ilias» ein Rezept aus Käse, Wein und Mehl.

Das erste Rezept in der Schweiz findet sich 1699 in einem Kochbuch der Zürcherin Margaretha Gessner. Darin steht: «Thu ein halb glässlein voll wein in ein blaten auf die glutpfann und thu gschabnen oder zeribnen feissen, alten käss darein und lass ihn im wein kochen, biss er gantz zergangen.» Doch auch die Region Savoyen in Frankreich erhebt Anspruch auf den Ursprung des Fondues, wo es als «Fondue savoyarde» als Landesspezialität bekannt ist. Daneben behaupten sämtliche Westschweizer Kantone für sich, den Käseschmaus erfunden zu haben.

«Figugegl»

Doch die Beliebtheit von Fondue ist auch einer geschickten Werbestrategie zu verdanken. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre blieben Schweizer Käsehersteller auf ihren Produkten sitzen. Sie suchten nach neuen Absatzmöglichkeiten und begannen fortan, das noch kaum bekannte Käsefondue zu bewerben.

Teil der Strategie waren Kochbücher, Plakate, Inserate, gar ein Zeichentrickfilm wurde erstellt. Der Slogan aus dem Jahr 1954 «Figugegl» – «Fondue isch guet und git e gueti Luune» – kennen heute noch viele. Zum endgültigen Durchbruch als Schweizer Nationalgericht verhalf dem Käsefondue wohl auch das Militär. Denn mit der Aufnahme der Mahlzeit in die Armeekochbücher wurde das Gericht ab den 1950er-Jahren in der ganzen Schweiz bekannt. (sab)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.