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Heisse Marroni für die kalten Tage

Mit dem Herbst beginnt auch die Zeit der heissen Marroni. Es gibt wohl kaum ein Bahnhofsplatz, an dem einem nicht ihr feiner Duft in die Nase steigt. Und Marroni schmecken nicht nur gut, sie sind auch reich an Mineralstoffen und Vitaminen.
Christoph Sulser
Bald ist es wieder soweit und die Marroni-Saison ist eröffnet. (Bild: Getty)

Bald ist es wieder soweit und die Marroni-Saison ist eröffnet. (Bild: Getty)

Bereits die Römer begannen vor rund 2000 Jahren mit der Kultivierung der Edelkastanie als wichtige Nahrungspflanze. Im Mittelalter liessen Königshäuser und Kirchenfürsten die Nussfrucht vor allem in Berggebieten anpflanzen, dort wo lange Winter herrschten und nur schlecht Getreide angebaut werden konnte. Für die ansässigen, ärmeren Bevölkerungsschichten war die Kastanie – ob geröstet, gebraten oder zu Mehl verarbeitet – oftmals das einzige Nahrungsmittel und ein wichtiger Kohlenhydratlieferant. Lange Zeit war sie ein regelrechtes Armeleuteessen.

Wiederentdeckung der Kastanie

Im 19.Jahrhundert setzte ein Rückgang der Kastanienkultur ein. Verantwortlich dafür waren einerseits durch Pilze verursachte Krankheiten wie die Tintenkrankheit oder der Kastanienrindenkrebs, andererseits setzten sich andere Lebensmittel wie die Kartoffel, Mais und Reis durch. Erst seit Mitte der 1990-Jahre erfuhr die Kastanie eine Wiederbelebung. Besonders in der italienischen Schweiz gelten die Kastanienhaine, die sogenannten Selven, seit jeher als wichtiges Kulturerbe. In den letzten 20 Jahren wurden deshalb zahlreiche Projekte zur Restaurierung von Kastanienselven eingeleitet. Doch auch hier gab es Rückschläge durch einen neu eingeführten Parasit, der via Italien eingeschleppten chinesischen Kastanien-Gallwespe. China ist übrigens weltweit der grösste Kastanien-Produzent.

In der Schweiz sind laut der Informationsplattform www.waldwissen.net heute um die 2,3 Prozent aller Waldbäume Edelkastanien. Davon gedeihen 98 Prozent auf der Alpensüdseite (Tessin, Calancatal, Misox, Puschlav und Bergell). In Castasegna, dem untersten Dorf des Bergells, befindet sich der «Brentan», der grösste Kastanienwald Europas. So verwundert es auch nicht, dass die Kastanie sowohl im Ortsnamen als auch im Wappen des Dorfes vertreten ist.

Marroni selbst gemachtHeisse Marroni lassen sich zu Hause leicht selber zubereiten. Die Früchte werden dabei eingeritzt und etwa eine Stunde in kaltes Wasser eingelegt. Nun kann man sie in einem speziellen Marroni-Ofen, wie ihn zum Beispiel die Firma Stöckli anbietet, gemäss Gebrauchsanweisung zubereiten. (Bild: PD)Marroni selbst gemacht
Heisse Marroni lassen sich zu Hause leicht selber zubereiten. Die Früchte werden dabei eingeritzt und etwa eine Stunde in kaltes Wasser eingelegt. Nun kann man sie in einem speziellen Marroni-Ofen, wie ihn zum Beispiel die Firma Stöckli anbietet, gemäss Gebrauchsanweisung zubereiten. (Bild: PD)
Marroni aus dem BackofenWer keinen Marroni-Ofen sein eigen nennt, kann die Nussfrucht auch im normalen Backofen zubereiten. Dazu gibt man sie ebenfalls eingeritzt zunächst für eine Stunde ins kalte Wasser. Danach legt man die eingeweichten Marroni auf ein Blech und brät sie rund 20 Minuten unter gelegentlichem Wenden in einem auf 220 °C vorgeheiztem Ofen. (Bild: Pixabay)Marroni aus dem Backofen
Wer keinen Marroni-Ofen sein eigen nennt, kann die Nussfrucht auch im normalen Backofen zubereiten. Dazu gibt man sie ebenfalls eingeritzt zunächst für eine Stunde ins kalte Wasser. Danach legt man die eingeweichten Marroni auf ein Blech und brät sie rund 20 Minuten unter gelegentlichem Wenden in einem auf 220 °C vorgeheiztem Ofen. (Bild: Pixabay)
VermicellesDer Name der Südschweizer Spezialität aus Marroni-Püree rührt vom französischen Wort für Würmer (les vers). Laut dem «Kulinarischen Erbe der Schweiz» werden Vermicelles Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal erwähnt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Süssspeise in der Schweiz immer bekannter.Vermicelles
Der Name der Südschweizer Spezialität aus Marroni-Püree rührt vom französischen Wort für Würmer (les vers). Laut dem «Kulinarischen Erbe der Schweiz» werden Vermicelles Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal erwähnt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Süssspeise in der Schweiz immer bekannter.
KochbuchOb Kastanien-Lamm-Burger, Kastanien-Linsen-Pastete oder ein süsses Tessiner Kastanien-Schoko-Mousse, im Kochbuch «Kastanien» von Erica Bänziger, das beim Fona-Verlag erschienen ist, werden zahlreiche leckere Rezepte rund um die feine Nussfrucht vorgestellt. (Bild: PD)Kochbuch
Ob Kastanien-Lamm-Burger, Kastanien-Linsen-Pastete oder ein süsses Tessiner Kastanien-Schoko-Mousse, im Kochbuch «Kastanien» von Erica Bänziger, das beim Fona-Verlag erschienen ist, werden zahlreiche leckere Rezepte rund um die feine Nussfrucht vorgestellt. (Bild: PD)
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Marroni selbst gemacht

Kastanie oder Marroni?

In der deutschen Sprache führen Rosskastanie, Esskastanie und Marroni oft zu Unklarheiten. Obwohl sie denselben «Nachnamen» tragen, sind Ross- und Esskastanie botanisch gesehen nicht miteinander verwandt. Die Gewöhnliche Rosskastanie wird in Europa verbreitet als Park- und Alleebaum angepflanzt. Ihre Früchte sind jedoch leicht giftig und nicht für den Verzehr geeignet.

Bei der Kultivierung der Esskastanie wiederum wurden über die Jahrhunderte verschiedene Kastanienfruchtsorten je nach Verwendungszweck und Geschmack selektioniert. Darunter auch die Marroni als besondere Edelsorte. Es handelt sich dabei also um gezüchtete Sorten der ursprünglichen Edelkastanie. Häufig werden damit einfach besonders grosse Früchte bezeichnet.

Wärmend und gesund - eine Portion «heissi Marroni» wie man sie mag. (Bild: Getty)

Wärmend und gesund - eine Portion «heissi Marroni» wie man sie mag. (Bild: Getty)

Kulinarisches Erbe der italienischen Schweiz

Auf Messen, Festen, Märkten und auf Plätzen vieler Städte sind Marroniverkäufer anzutreffen. Die ersten Marronibrater, für die belegt ist, dass sie auf Plätzen in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern ihre Kastanien anboten, stammten vor allem aus dem Bleniotal und aus der Leventina im Kanton Tessin. Oft war die Kastanie das Hauptnahrungsmittel für mindestens sechs Monate im Jahr. Fast jede arme Tessiner Familie hatte ihre Bäume in der Nähe des Dorfes. Heute findet die Ernte von Mitte September bis Ende November statt. In bewirtschafteten Kastanienhainen dürfen bis zum 11.November nur die Eigentümer und Pächter die Früchte lesen. Nach diesem Datum ist das Sammeln allen erlaubt. In nicht bewirtschafteten Selven gibt es keine Einschränkungen.

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