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100 Millionen Franken Budget, 6000 Mitwirkende und 800'000 Besucher: Das Fest der Feste für den Wein

Weinbau gehört seit über 1000 Jahren zu den wichtigsten Kulturgütern der Waadt. Einmal pro Generation wird dies mit der spektakulären Fête des Vignerons gefeiert. Heuer ist es wieder so weit.
Hugo Berchtold
Gigantisches Spektakel am Genfersee: Bild von der letzten Fête des Vignerons 1999 in Vevey. (Bild: Fabrice Coffrini/Keystone)

Gigantisches Spektakel am Genfersee: Bild von der letzten Fête des Vignerons 1999 in Vevey. (Bild: Fabrice Coffrini/Keystone)

Wenn gleich zwei international beachtete Reiseportale – National Geographic und Lonely Planet – die Westschweizer Kleinstadt Vevey zu einer der angesagtesten Reisedestinationen für 2019 auserkoren haben, dann muss etwas Besonderes los sein: Es ist die ­ 12. Ausgabe der Fête des Vignerons, die für Furore sorgt. Ein Mega-Ereignis: Allein die Zahlen lassen aufhorchen: 100 Millionen Franken Budget, 6000 Mitwirkende, 800000 erwartete Besucherzahl. Dazu kommt: Die Fête des Vignerons findet nur einmal pro Generation statt, im Schnitt alle 20 bis 25 Jahre. Die letzte Austragung war 1999.

Es ist ein Riesen-Schauspiel, das auch das gestiegene Selbstbewusstsein der Waadtländer Weinbauern widerspiegelt. Für die Aufführungen wurde auf dem Marktplatz von Vevey eigens eine temporäre Arena mit 20000 Sitzplätzen gebaut. Der künstlerische Leiter und Regisseur Daniele Finzi Pasca verspricht «eine Mischung zwischen einer gigantischen Oper und einer olympischen Zeremonie». Der 58-jährige Tessiner und sein Team sind Garant dafür, dass im malerischen Ort an den Gestaden des Genfersees Einmaliges passiert:

Regisseur Pasca hat bereits die viel beachteten Schlusszeremonien für die Olympischen Spiele 2006 in Turin und 2014 in Sotschi konzipiert.

Er hat zudem mit dem Cirque du Soleil, dem Zirkus ­Eloize und verschiedenen renommierten Opernhäusern zusammengearbeitet.

Weltkulturerbe in doppelter Hinsicht

Die Unesco hat 2016 das Winzerfest auf die Liste des «immateriellen Kulturerbes der Menschheit» aufgenommen. Es gilt als Musterbeispiel für die Verbindung einer lebendigen Tradition mit dem Weltkulturerbe, in diesem Fall mit den Weinterrassen des Lavaux, die seit 2007 Unesco-Weltkulturerbe sind.

Die rund zweieinhalbstündige Aufführung zeigt ein Jahr im Leben eines Weinbergs, das anhand von 20 Standbildern dargestellt wird. Dargestellt werden sowohl die einzelnen Arbeitsschritte im Weinberg, aber auch allgemeinere Themen wie die Jahreszeiten, das Wasser, die Sonne, der Mond. Die Beziehung zwischen Mensch und Natur soll hinterfragt und das von Generation zu Generation weitergegebene Savoir-faire der Rebbauern gewürdigt werden.

Herzergreifende Hirtenhymne

«Es soll ein poetisches, berührendes Schauspiel werden», verspricht Finzi Pasca. Die konzeptuelle Arbeit hat bereits vor fünf Jahren begonnen, seit letztem September wird geprobt. Nichts wird dem Zufall überlassen:

Vor einer Woche wurden die 40 Kühe für das Spektakel nach strengen Kriterien (Grösse, Standfestigkeit, Gutmütigkeit) ausgewählt.

500 Chorsänger, 300 Schlagzeuger, 120 Bläser und drei Dutzend Alphornbläser, um nur die grössten Musikformationen zu nennen, sorgen für die akustische Begleitung des Spektakels. Eines der Highlights soll die Interpretation der Hirtenhymne «Ranz des vaches» («Lioba, lio-o-ba...») werden, dem herzergreifenden «alpinen Fado», wie es Co-Librettist Blaise Hofmann ausdrückt. Dieses Lied soll auch die Verbindung der Winzer mit den Milchbauern d’En Haut symbolisieren.

Ursprung im Mittelalter

Herzstück der Aufführung ist die Krönung der ausgezeichneten Confrérie-Rebbauern, die für ihre oft mühselige Arbeit im Weinberg geehrt werden. Darauf geht auch die Fête des Vignerons zurück. Gemäss Historikerin Sabine Carruzzo-Frey liegt der Ursprung der Confrérie im Mittelalter. Erste Dokumente darüber stammen aus dem 17. Jahrhundert. Schon damals hatte es sich der Zusammenschluss der Weinbergbesitzer zur Aufgabe gemacht, die Arbeit der für sie arbeitenden Weinbauern und Taglöhner zu kontrollieren.

Heute kontrollieren die Experten drei Mal pro Jahr die 286 Hektaren Weinberge, die ­ 70 Besitzern gehören und von ­ 94 Winzern bearbeitet werden. Im Frühling beurteilt die Bruderschaft den Zuschnitt der Pflanzen, im Sommer die Behandlung der Blätter und im Herbst die Entwicklung der Trauben. Das Ziel dabei war und ist: mehr und ­bessere Trauben zu produzieren. Allerdings: Die Qualität des daraus entstehenden Weins ist von der Beurteilung durch die Confrérie ausdrücklich ausgenommen. Das machen andere Organisationen.

Traubenqualität ist das A und O

Das Vorgehen der Bruderschaft entspricht dem Credo auch des modernen Weinbaus, wonach die Grundlage für Qualität des Weins im Weinberg gelegt wird. Im Keller, bei der Kelterung, kann das Potenzial ausgebaut, oder, wenn es schiefläuft, vernichtet werden. Doch wenn die Qualität der Trauben nicht stimmt, bringt auch der grösste Aufwand im Keller keinen Spitzenwein hervor.

«In der Zeit der Aufklärung, um 1770, verstärkte die Confrérie ihre Bemühungen, die gute Ausführung der Arbeit der Rebbauern zu belohnen», erklärt Sabine Carruzzo-Frey. Man setzte auf das Zuckerbrot und liess die Peitsche, das heisst Bestrafung für ungenügende Arbeit, weg. «Im Jahre 1797, als die Volksfeste und alles, was mit der Natur zu tun hatte, in der guten Gesellschaft in Mode waren, wurde in Vevey auf dem Marktplatz eine erste Plattform errichtet, damit die vielen Neugierigen an dieser Krönung teilnehmen konnten. Die Fête des Vignerons war geboren.»

Fête des Vignerons, 18. Juli bis ­ 11. August. Infos und Vorverkauf: www.fetedesvignerons.ch/de

Kantonaltage: 21. Juli St. Gallen. 27. Juli Zentralschweiz und Tessin. 5. August Thurgau. 9. August Appenzell AR und IR. Liste aller Kantone auf der Homepage.

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