Aufgetischt: Ein Ufo im historischen Restaurant «Rössli» in Balgach

Der prämierte Küchenchef Fritz Tatzl macht Kürbismuffeln das orange Gemüse schmackhaft und entlockt Himbeeren ein Maximum an Geschmack. 

Melissa Müller
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Küchenchef Fritz Tatzl kann sich mit 14 Gault-Millau-Punkten schmücken. (Bild: Benjamin Manser)

Küchenchef Fritz Tatzl kann sich mit 14 Gault-Millau-Punkten schmücken.
(Bild: Benjamin Manser)

Schon von weitem strahlt das ­«Rössli» in Balgach durch die Nacht, festlich wie ein kleines Schloss. Die Fassade ist grün und blau beleuchtet. Drei Grazien tanzen durch den verwunschenen Garten. Seit über 220 Jahren wird im Gasthof getafelt. Die Küche von Fritz Tatzl hat aber einen modernen Touch: Die zünftig gesalzene Kürbis-Orangensuppe leuchtet aus einem Teller, der an ein Ufo erinnert. Die fruchtige Säure der Zitrusfrucht lockert die erdige Schwere des Kürbisses auf; ein angenehmer Kontrast. Auch der Nüsslisalat mit Pfifferlingen (16 Fr.) ist mit pikanten Kürbiswürfeln angereichert, die der Küchenchef mit Ingwer, Chili und Zimt in Essig eingelegt hat. So können sich sogar Kürbismuffel für das Gemüse erwärmen.

Der Koch hat abgenommen

Das alte Haus ist verwinkelt mit vielen Treppen. «In meinem ersten Jahr hier habe ich sechs Kilo abgenommen, weil man so viel Treppensteigen muss», sagt Fritz Tatzl, der soeben mit 14 Gault-Millau-Punkten bestätigt wurde. Der Chef freut sich übers volle Haus: Nach und nach füllen sich nun die zwei Stuben. Ein Liebespaar am Nachbartisch wechselt sich ab mit Küssen und Essen. Es verspeist den Rehrücken an Heidelbeersauce mit Kartoffelbaumkuchen und getrüffeltem Rahmwirsing (52 Fr.). Wir hingegen haben uns für das Menu entschieden (4 Gänge, 100 Fr.). Der Gruss aus der Küche, ein Steinpilzpannacotta mit Kresse, ist ein Gedicht. Ebenso die Salbeibutter, die zum Brot gereicht wird. Danach werden hausgemachte Steinpilzravioli mit Birnen und Baumnüssen aufgetischt. Sie passen wunderbar zum Herbst und lassen an einen Waldspaziergang denken. Der nächste Gang, die Äsche, schwimmt in Thymian­butter. Im Bodensee sei dieser Fisch schon ausgestorben, erklärt die Bedienung. Er stamme aus einer österreichischen Fischzucht und schmecke leicht nussig. Die Süsskartoffelgnocchi schmecken köstlich dazu.

Beim Schlemmen fallen die Dekorationen auf. Kerzen schweben in Glasschalen. Ein Hirsch aus Porzellan schaut aus einer Suppenschüssel hervor, die von Hopfen umrankt ist. «Die Frau des Chefs macht alle Dekorationen selbst», sagt eine Servicemitarbeiterin. Zu erwähnen ist auch das stilvolle Geschirr. Aus dunklem Ton getöpfert, bringt es die Speisen optimal zur Geltung.

Zum Dessert werden wir mit einer Schokoladentorte und einer Himbeermousse verwöhnt, die so intensiv nach Beeren schmeckt, dass man sich fragt: Wie kann das sein? «Ich habe die Früchte eingekocht», sagt Tatzl, der zuvor im Stadthaus in Rorschach am Herd stand. Unser Eindruck: Eine saisonale, raffinierte Küche, die nicht geizt mit Butter. Dazu ein kompetenter Service im historischen Ambiente: So macht Gastronomie Spass.