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Kolumne

Es leben die «Sechsten Kräfte»

Nötig sind Nachrichten aus Redaktionen, die mehr sind als Twitterer mit einem unstillbaren Mitteilungsbedürfnis und mehr sind als erweiterte Kommunikationsabteilungen von Staat, Politik und Wirtschaft.
Lukas Niederberger
Lukas Niederberger, Publizist

Lukas Niederberger, Publizist

Wenn die «Ostschweiz am Sonntag» und die «Zentralschweiz am Sonntag» Ende Juni das Zeitliche segnen, dreht sich die Erde dennoch weiter. Und in den kommenden Jahren werden noch weitere Zeitungen sterben, ohne dass wir automatisch verblöden.

Rückwärtssalto

Die Zeitung erlebte ihren Höhepunkt vor 100 Jahren, ehe das Radio aufkam und manche Blätter eine Morgen-, Mittag-, Abend- und Nachtausgabe druckten. Zeitungen waren die Sprachrohre der homogenen weltanschaulichen Milieus. In der Zentralschweiz war das «Vaterland» die Stimme der katholischen CVP, das «Luzerner Tagblatt» jene der Liberalen, und die LNN, die aus dem «Luzerner Tages-Anzeiger» hervorging, vertrat die genossenschaftlich-linke Wählerschaft, während östlich von Winterthur die katholische «Ostschweiz» und das freisinnige «St. Galler Tagblatt» die entsprechenden Parteilager bedienten. Mit dem Verschwinden der konfessionell geprägten Milieus wurde die Gesinnungspresse obsolet. Nur: Der Sprung von der zwei- bis dreipoligen Gesinnungspresse zu einpoligen Monopolblättern war ein Rückwärtssalto, weil diese die heutige heterogene Gesellschaft noch weniger abbilden.

Vier grosse Quellen

Landauf, landab beziehen wir heute die meisten journalistisch aufbereiteten Nachrichten aus vier Quellen: SRG, Ringier, CH Media und Tamedia. Die Medien dieser Unternehmen gilt es genauso zu fördern wie die zusätzlichen Produkte, von der linken «WochenZeitung» und der «Republik» bis zur rechts abgebogenen «Weltwoche».

Nachrichten werden von offiziellen Redaktionen transportiert. Geboren werden sie aber einerseits bei Bund und Kantonen, Unternehmen, Verbänden und Hilfswerken, die professionelle Redaktionen unterhalten, die dort Kommunikationsabteilungen heissen. In diesen wirken vor allem ehemalige Redaktoren und Redaktorinnen, die sich mit dem ersten oder zweiten Kind für geregeltere Arbeitszeiten und mehr Lohn entschieden haben.

Verstand nicht ausschalten

Andererseits werden Nachrichten zunehmend von Politikern und Sportlern, Musikerinnen, Influencern und Wutbürgern kreiert, die einen Twitter- oder Youtube-Account oder eine Facebook-Seite besitzen und oftmals mehr Follower haben als SRG und Ringier zusammen. Solange Twitterer sich an ethische Grundsätze halten, Social-Media-Unternehmen rechts- und ehrverletzende Inhalte proaktiv löschen und Internet-Konsumentinnen und -konsumenten ihren Verstand nicht ausschalten, ist der Wild-West-Journalismus im Netz durchaus eine Bereicherung.

Weil aber keiner dieser drei Faktoren garantiert ist, werden das Bedürfnis und die Notwendigkeit von Nachrichten weiter steigen, die aus Redaktionen stammen, welche mehr sind als Twitterer mit einem unstillbaren Mitteilungsbedürfnis und auch mehr sind als erweiterte Kommunikationsabteilungen von Staat, Politik und Wirtschaft.

Es lebe darum die «Vierte Gewalt» beziehungsweise die kritisch reflektierenden und möglichst unabhängigen «Sechsten Kräfte» in und zwischen Parlament, Regierung, Gericht, Markt und Zivilgesellschaft.

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