Katholische Kirche
Theologin findet: «Es ist Zeit für einen Mutausbruch»

Unermüdlich kämpft die deutsch-schweizerische Theologin und Autorin Jacqueline Straub für eine zeitgemässe Katholische Kirche. In ihrem neuen Buch erzählt sie von Begebenheiten und Begegnungen, die sie darin bestärken.

Andreas Faessler
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Damit der Platz für Frauen in der katholischen Kirche nicht nur die Bank ist: Für die Autorin ist beispielsweise das Frauenpriestertum eine der wichtigsten Bestrebungen.

Damit der Platz für Frauen in der katholischen Kirche nicht nur die Bank ist: Für die Autorin ist beispielsweise das Frauenpriestertum eine der wichtigsten Bestrebungen.

Symbolbild: Getty

Sie will Angst überwinden, für ihre Ziele kämpfen, Gerechtigkeit fordern, Vielfalt leben, auf Augenhöhe gehen, Hoffnung verkünden – und weitergehen. Seit über zehn Jahren setzt sich die katholische Theologin, Journalistin und Buchautorin Jacqueline Straub für eine ­Kirche ein, welche den Anforderungen der Zeit gerecht wird. Eines ihrer obersten Ziele dabei ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Katholischen Kirche. Bereits während ihres Theologiestudiums in Freiburg im Breisgau proklamierte Straub, die regelmässig an die Öffentlichkeit tritt, sie wolle die erste Pfarrerin der ­Katholischen Kirche werden. Von konservativer Seite freilich belächelt, war und ist ihr dieses Bestreben heiliger Ernst.

In mehreren bereits veröffentlichten Büchern demonstriert die 31-Jährige ihre unermüdliche Kampfeslust, die Katholische Kirche aus ihrer Lethargie, aus ihrem Koma zu reissen. Sie will deren «Reformstau» nicht länger hin­nehmen und erhebt lautstark ihre Stimme gegen Ungerechtigkeit, auf dass die Katholische Kirche eine liebevolle, barmherzige Kirche werde. Der Titel ihres neuen Buches suggeriert’s: «Wir gehen dann mal vor» zeigt auf, dass die Autorin mit ihrer Vorstellung einer zeitgemässen Katholischen Kirche alles andere als allein auf weiter Flur steht, sondern dass sie von vielen gläubigen Menschen mitgetragen wird.

Die Autorin berichtet von aufschlussreichen Begegnungen mit Gleichgesinnten oder einfach Menschen, welche ihr Mut zusprechen und sie darin bestärken, weiterhin ihre hehren Ziele zu verfolgen. Sie berichtet von Erlebnissen und Beobachtungen, welche ihr klar aufzeigen: Es tut sich schon länger ­etwas in der Katholischen Kirche, es brodelt, es rumort. Nur der finale Kick fehlt noch, bis das lang Ersehnte endlich eintritt; dass auch «ihre» Kirche im 21. Jahrhundert ankommt.

Durch und durch positiver Grundton

Jacqueline Straub bedient sich auch in ihrem neuen Buch einer einfachen, leicht verständlichen Sprache – ohne abgehobene theologische Floskeln zu verwenden. Sie verzichtet auch auf jegliches Fingerzeigen oder Anprangern. Ihre Worte sind durch und durch positiv, die Autorin will all denen Mut machen, die sich – wie sie – die lang­ ersehnte Veränderung zu einer lebendigen Kirche wünschen, in welcher alle Menschen, alle Geschlechter gleichwertig sind. Und damit das geschieht, ist es für Jacqueline Straub höchste Zeit für einen «Mutausbruch».

«Wir gehen dann mal vor: Zeit für einen Mutausbruch», Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 192 Seiten, ca. Fr. 18.–

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