Erzählen beim Kneten und Ziehen

«Die Eifersucht gebärdet sich seltsam. Sie kann sich jahrelang verborgen halten. Dann aber ist ihr Auftreten schnell, heiss, belebend.» Bis diese Eifersucht kommt, sind wir schon über die Hälfte der Erzählung – obwohl die Untreue seit der zweiten Seite in der Luft liegt.

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«Die Eifersucht gebärdet sich seltsam. Sie kann sich jahrelang verborgen halten. Dann aber ist ihr Auftreten schnell, heiss, belebend.» Bis diese Eifersucht kommt, sind wir schon über die Hälfte der Erzählung – obwohl die Untreue seit der zweiten Seite in der Luft liegt. Aber «Der Hut, das Wasser, die Liebe» ist kein Buch, zu dem Wörter wie schnell oder klar passen würden.

Die Erzählung ist das Début der 45jährigen Zürcher Fernsehjournalistin Magdalena Kauz. Die Ich-Erzählerin ist eine Hutmacherin, sie sitzt in ihrem Atelier, knetet Wollfäden zu Filz und zieht ihn langsam in die Form. Oder sie schaut durch ihr Fensterviereck den Menschen auf der Strasse zu. Gesprochen wird fast nichts auf diesen 100 Seiten. Es wird geknetet und gezogen. Auch in der Sprache. «Ich reibe die Worte ins Tuch, webe den Stoff in die Worte.»

Magdalena Kauz erzählt im inneren Monolog von der Liebe, der Kränkung und dem endlichen Entschluss zur Trennung. Es ist ein feiner Stoff in zart abschattierten Farben geworden. (eba)

Magdalena Kauz: Der Hut, das Wasser, die Liebe. Erzählung. Kyrene, Innsbruck 2008, Fr. 30.90

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