Mit Entzündungshemmern wie Aspirin&Co.  gegen Depressionen

Omega-3-Fettsäuren, Statine und Aspirin helfen bei Depressionen. Eine chinesische Studie bestätigt britische Forschungen.

Joachim Czichos, wa/Bruno Knellwolf
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Entzündungshemmende Medikamente können gemäss einer neuen Studie unter Umständen auch bei Depressionen wirken. (Bild: pd)

Entzündungshemmende Medikamente können gemäss einer neuen Studie unter Umständen auch bei Depressionen wirken. (Bild: pd)

Die Entdeckung des Psychiaters Golam Khandaker von der Universität Cambridge erregte 2018 Aufmerksamkeit. Depressionen werden in der Regel durch einen Mangel an Botenstoffen im Hirn ausgelöst oder durch eine psychische Erkrankung. Khandaker stellte aber fest, dass dies auch durch Entzündungen möglich ist, die von einer Immunreaktion ausgelöst werden. Bei Arthritispatienten hatte er beobachtet, dass diese oft gleichzeitig depressiv sind. Wenn das Rheuma mit Medikamenten gelindert wurde, verschwand auch die Depression.

Entzündungstheorie wird bestätigt

Diese Entzündungstheorie ist nun mit einer Meta-Studie bestätigt worden. Demnach haben Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika, Omega-3-Fettsäuren, Statine und andere Medikamente mit entzündungshemmender Wirkung einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf, wie chinesische Forscher berichten Langzeitstudien müssen noch die Verträglichkeit einer länger andauernden Behandlung prüfen.

Das Ergebnis ist vor allem interessant, weil ein Drittel depressiver Patienten nicht auf Antidepressiva anspricht. Deshalb werden neue Behandlungsformen gesucht.  Die chinesischen Forscher schreiben nun:

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass entzündungshemmende Wirkstoffe eine antidepressive Wirkung bei Patienten mit depressiven Störungen haben und einigermassen sicher sind.»

Untersucht wurde mit 1610 Patienten der Einfluss verschiedener Wirkstoffklassen entzündungshemmender Medikamente, die vier bis zwölf Wochen lang als Monotherapie oder in Kombination mit einem Antidepressivum verabreicht worden waren.

Omega-3-Fettsäuren am besten

Im Vergleich zu einem Placebo verringerten die Entzündungshemmer die depressiven Symptome insgesamt um 52 Prozent und verbesserten den Therapieerfolg um 79 Prozent. Am wirksamsten erwiesen sich Omega-3-Fettsäuren, Statine, das Antibiotikum Minocyclin und Celecoxib (Celebrex), das wie auch Aspirin, Ibuprofen und Diclofenac zu den nichtsteroidalen Antirheumatika zählt. Der Einsatz als Kombinationstherapie bewirkte einen stärkeren positiven Effekt als die Monotherapie. Das könnte auf einem Synergieeffekt von Antidepressivum und Entzündungshemmer beruhen. Starke Nebenwirkungen traten nicht auf, nur bei Statinen und N-Acetylcystein kam es zu Beschwerden im Verdauungstrakt. Wegen des oft chronischen Verlaufs depressiver Störungen sei es nötig, grössere Langzeitstudien mögliche Nebenwirkungen noch genauer zu untersuchen.