Entschleunigen mit Turbo-Boost

Leise rieselt…

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Leise rieselt…

Es gibt ja solche, die sich zur Entspannung sanfte Musik verschreiben. Langsames, Leises, Glattgeschliffenes. Hintergrundmusik halt. Schlurfenden Trip-Hop zum Beispiel, plätschernden Easy-Listening-Jazz oder vielleicht sogar Ambient-Musik, also reine Klang gewordene Atmosphäre, die man auch noch während des autogenen Trainings hören kann.

Wenn ich mich entspannen will, wähle ich anders aus. Ich beschleunige. Bis auf 180 Schläge in der Minute oder mehr. Drum 'n' Bass heisst mein Wellness-Rezept. Diese Musik ist schnell, ihre Rhythmen sind dicht und komplex, jeder Schlag ist kompromisslos nach vorne produziert. Wie ein Auto, dessen Fahrer im höchsten Gang Vollgas gibt und nie herunterschaltet, sondern ständig nach dem Knopf für den Turbo-Boost fingert.

Nervös sei das, sagen die einen. Aufdringlich, die andern. Dabei müssten sie nur genau hinhören. Denn in all den übereinandergestapelten, ineinanderverschachtelten Schlagzeug- und Perkussionselementen findet man sie plötzlich: die Ruhe. Die tiefen Bassfrequenzen lullen ein, ziehen Linien und rollen einen flauschigen Teppich aus, auf dem man sich wunderbar entspannen kann. Dann ist es da, das wohlige Vibrieren im Bauch, das leichte Kitzeln in den Füssen. Und alles andere ist alles andere. (rbe)