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Warum viele ausgerechnet in den Ferien krank werden

Die «schönste Zeit des Jahres» bekommt nicht allen gleich gut. Dass man mit dem Ferienbeginn krank wird, ist ein weitverbreitetes Phänomen. Warum ist das so? Was kann man tun?
Christian Satorius
Bikini und Schnupfen, das will nicht passen. Doch leider fesselte eine Grippe schon manchen ans Hotelbett. (Bild: Antonio Guillem/Getty)

Bikini und Schnupfen, das will nicht passen. Doch leider fesselte eine Grippe schon manchen ans Hotelbett. (Bild: Antonio Guillem/Getty)

Da freut man sich das ganze Jahr auf die Ferien – und dann geht es einem plötzlich schlecht. Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, und manchmal kommt auch noch eine handfeste Infektion dazu, eine Erkältung vielleicht oder gar eine ausgewachsene Grippe.

Das Phänomen heisst "Leisure Sickness"

Wem das öfter passiert, der leidet vielleicht unter der sogenannten Freizeitkrankheit, die immer dann zuschlägt, wenn sich Körper und Geist eigentlich erholen sollten, in arbeitsfreien Entspannungsphasen wie dem Wochenende oder eben in den Ferien. Leisure Sickness (engl. für Freizeitkrankheit) nennt Ad Vingerhoets das seltsame Phänomen, unter dem er lange selber litt. «Wenn ich krank wurde, dann am Wochenende oder zu Weihnachten», erinnert sich der klinische Psychologe der Universität Tilburg (Holland).

Überzeugt davon, nicht allein mit diesem Problem zu sein, führte er Anfang der 2000er-Jahre eine Untersuchung durch, bei der 1894 Holländer repräsentativ befragt wurden. «Die am häufigsten genannten Symptome waren Kopfschmerz bzw. Migräne, Erschöpfung, Muskelschmerzen und Übelkeit», resümiert Vingerhoets die Ergebnisse der Studie, «aber auch von viralen Infektionen wurde oft berichtet».

Es kann jeden treffen, nicht nur Manager

Aber warum hat schätzungsweise jeder fünfte Mensch schon einmal oder auch mehrfach an der Freizeitkrankheit gelitten? Auch auf diese Frage hat die Studie Antworten gefunden. «Ein Lebensstil oder bestimmte Freizeitaktivitäten scheinen keine grosse Rolle zu spielen», meint Vingerhoets. «Vielmehr berichteten die Betroffenen davon, dass sie gestresst beziehungsweise überarbeitet waren und vor allem Schwierigkeiten damit hatten, nach der Arbeit abzuschalten, also Job und Freizeit klar voneinander zu trennen.»

Das bestätigen andere Experten, die sich ebenfalls mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Betroffen von Leisure Sickness sind demnach vor allem Work­aholics, die unter Dauerstress stehen, also Menschen mit einem hohen Arbeitspensum, die sich stark mit ihrer Arbeit identifizieren, die pflichtbewusst sind bzw. ein grosses Verantwortungsgefühl haben.

Dabei sind keineswegs nur Führungskräfte besonders gefährdet, wie man lange annahm, sondern auch Selbstständige, Freiberufler und Schichtarbeiter, ja eigentlich jeder, der nach dem Job nicht abschalten und sich nicht recht entspannen kann.

Genau das wäre nämlich wichtig, um die bei der Arbeit verbrauchten Ressourcen wieder aufzufüllen, den Akku wieder neu aufzuladen. «In langen Stressperioden wird permanent Noradrenalin ausgeschüttet», weiss der Neuropsychologe und Stressforscher Dirk Hellhammer aus Trier.

Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht

«Ist die Stressperiode dann vorbei, etwa am Feierabend oder auch in den Ferien, ist die normale Versorgung mit dem Botenstoff nicht mehr sichergestellt, weil die Ressourcen verbraucht sind und nicht hinreichend neues Noradrenalin produziert werden konnte.» Die Experten sprechen in so einem Fall von «Noradrenalin-Hypoaktivität».

Mit anderen Worten: Zuerst werden durch den Dauerstress die letzten Reserven mobilisiert, um die geforderte Leistung zu bringen. Gerade die Tage unmittelbar vor den Ferien sind ja häufig besonders anforderungsreich, sowohl am Arbeitsplatz wie zu Hause, wo man alles für die Ferien vorbereiten muss. Fehlt dann in den Ferien der übliche Druck, lässt die Produktion der Stresshormone nach – und bringt so unseren ganzen Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht.

Unter anderem wird unser Immunsystem heruntergefahren. Betroffene werden dadurch anfälliger für Krankheiten. Auch das Herz kann betroffen sein: Dass stark gestresste Menschen ausgerechnet während Ferien einen Herzinfarkt erleiden, ist keine Seltenheit.

Das hilft: Yoga und spazieren

Aber wie kann man dem Ganzen entgehen? Fachleute raten, die Ansprüche an sich generell herunterzuschrauben und eine gute Work-Life-Balance anzustreben. Regelmässige Pausen, ausgedehnte Spaziergänge, sportliche Betätigung, Entspannungstechniken wie Yoga und autogenes Training oder auch eine musische Tätigkeit können einiges bringen. Wenn möglich, sollte man nicht gleich am ersten Ferientag oder sogar am Abend davor verreisen. Ebenso wenig sollte man die Ferientage von morgens bis abends durchplanen und mit Aktivitäten vollstopfen. Der Stress kommt auch so früh genug wieder. (Mitarbeit: hag)

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