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Interview

«Eltern schiessen übers Ziel hinaus»

In seinem neuesten Buch «Für mein Kind nur das Beste. Wie wir unseren Kindern die Kindheit rauben» schreibt der Psychologe Allan Guggenbühl gegen die «Goodwill-Diktatur» unserer Tage an und erinnert daran, wie entscheidend es ist, «dass sich Kinder autonom und spielerisch, unkontrolliert und auf Um- und Nebenwegen die Welt aneignen».
Interview: Susanne Holz
Allan Guggenbüh, Psychologe, Psychotherapeut und Jugendexperte.

Allan Guggenbüh, Psychologe, Psychotherapeut und Jugendexperte.

Allan Guggenbühl, was werden «Premium-Kids» später mal? Selbstgerechte Egozentriker oder hilflose Riesenbabys?

Vor allem ist Unselbstständigkeit zu befürchten. Man leistet Kindern einen Bärendienst, wenn man alle Widerstände aus dem Weg räumt und sie permanent zufriedenstellt. Sie haben so das Gefühl, dass die Umwelt ihre Wünsche erfüllen muss und es ungerecht ist, wenn das nicht geschieht. Aber das Leben kann auch hart und widersprüchlich sein.

Aber steckt hinter dem Phänomen der Helikopter-Eltern nicht auch eine ungerechte Welt, die diese Eltern zu nivellieren versuchen?

Klar möchten Eltern das Beste für ihr Kind. Doch wird dies zu einer unbedingten Forderung und werden Unterschiede nicht akzeptiert, dann wird es problematisch. Es gilt, Stärken zu fördern und Schwächen zu erkennen. Wichtig ist die gemeinsame Ausgangslage, die Volksschule. Der Profilierungszwang findet so bei ähnlichen Voraussetzungen statt.

Warum dieser Profilierungszwang? Warum die übertriebene Fürsorge?

Die Kinderzahl pro Familie ist gesunken und das Alter der Eltern gestiegen. Ältere Eltern ängstigen sich mehr. Bei einem Einzelkind droht dieses zu einem emotional besetzten Projekt zu werden. Ausserdem haben Eltern mehr Zeit und Geld, um sich ihrem Kind zu widmen.

Wie viel Freiheit braucht ein Kind und wie viel Fürsorge? Wo ist der goldene Mittelweg?

Kinder brauchen Bezugspersonen, auf die sie sich verlassen können. Sie brauchen jedoch keine Erwachsenen, die ihnen diverse Programme aufzwingen. Kinder sollen sich ihre Interessen auch selber aussuchen. Vernachlässigung beginnt dort, wo sich die Eltern nicht mehr um die Ängste und Sorgen der Kinder kümmern.

Was brauchen Kinder, um glücklich zu sein?

Liebe, viel Liebe, und eine grundsätzliche Akzeptanz seitens der Eltern. Aber sie brauchen auch Aussenpersonen, die sich mit ihnen auseinandersetzen – hier spielt die Schule eine wichtige Rolle.

Welche Erfahrungen bezüglich Fürsorge und Überfürsorge machen Sie in Ihrem Arbeitsalltag mit heutigen Eltern?

Eltern wollen es allen recht machen und schiessen übers Ziel hinaus. Das ist ein Phänomen, das zugenommen hat. (sh)

Das Buch «Für mein Kind nur das Beste. Wie wir unseren Kindern die Kindheit rauben» von Allan Guggenbühl erscheint diesen Oktober bei Orell Füssli, 224 Seiten, Fr. 28.90.

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