Meisterwerk-Serie: Pieter Bruegels eiskaltes Vergnügen

Pieter Bruegel der Ältere vereint in «Jäger im Schnee» die Freuden und Leiden des Winters. Das Gemälde von 1565 ist ein Schlüsselwerk in der Geschichte der Landschaftsmalerei.

Christina Genova
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Die dargestellte Winterlandschaft hat Pieter Bruegel zwar frei erfunden, die gemalte Eiseskälte ist beim Betrachter aber fast schon körperlich spürbar. (Bild: Corbis/Getty)

Die dargestellte Winterlandschaft hat Pieter Bruegel zwar frei erfunden, die gemalte Eiseskälte ist beim Betrachter aber fast schon körperlich spürbar. (Bild: Corbis/Getty)

Der Winter hat Flandern fest im Griff. Eine dichte Schneedecke liegt über Dörfern und Feldern. Ein zugefrorener Flusslauf durchzieht die Landschaft. Auch die Meeresbucht am Ende des Tals ist eisbedeckt. Tatsächlich ist der Winter 1565, in welchem Pieter Bruegel der Ältere das Gemälde «Jäger im Schnee» für einen Antwerpener Kaufmann malt, besonders hart. Es gelingt dem Künstler meisterhaft, das für die Jahreszeit typische Licht und die Eiseskälte einzufangen: Gebrochenes Weiss, Schwarz und das Graugrün des Himmels und der gefrorenen Wasserflächen sind die dominierenden Farben. Scharfe Linien und harte Kontraste lassen die Szenerie regelrecht erstarren.

Doch nur auf den ersten Blick scheint alles stillzustehen.

Bei genauerer Betrachtung sieht man Menschen bei allerhand winterlichen Tätigkeiten. Bruegel ist einer der ersten Maler, welche die Landschaft als ein eigenständiges Motiv behandeln, und nicht bloss als Kulisse für mythische oder biblische Szenen. Die dargestellte Landschaft ist jedoch frei erfunden, der Künstler hat sie im Atelier komponiert.

Darstellung von Jahreszeiten weit verbreitet.

Schroffe Berge wie am rechten Bildrand gibt es in Flandern keine. «Jäger im Schnee» ist Teil von ursprünglich sechs Jahreszeitenbildern Bruegels, von denen fünf erhalten sind. Die Darstellung der Jahreszeiten war in der Kunst des Mittelalters und der frühen Renaissance weit verbreitet. Das Gemälde repräsentiert die Monate Dezember und Januar und befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. ­ Es gehört zu den bekanntesten Winterbildern der Malereigeschichte.

1 Erfolglose Jagd

Drei Jäger stapfen mit ihrer Meute von 14 Hunden durch den tiefen Schnee. Sie befinden sich auf einer Anhöhe mit Sicht auf ein Tal, das sich bis zum Meer hinzieht. Sie wirken niedergeschlagen und halten ihre Köpfe gesenkt. Denn ihre Jagd war alles andere als erfolgreich: Sie kehren mit nur einem erlegten Fuchs ins Dorf zurück. Einer der Jäger hat sich das magere Tier an einem Spiess über die Schulter gehängt. Vor den Jägern sieht man die Spuren eines Feldhasen oder Kaninchens im Schnee – er ist ihnen wohl entwischt. Im Vordergrund beäugt ein Hund mit seinen Kulleraugen den Betrachter.

2 Strauch mit Unterschrift

Die Schneelast drückt die Zweige eines Brombeerstrauchs nieder. Seine dürren Blätter verheissen die Wiederkehr des Frühlings. Ganz unten hat Bruegel seine Signatur und das Jahr der Entstehung hinterlassen: «BRVEGEL M.D. LXV».

3 Wintersport

In der Bildmitte vergnügen sich Kinder und Erwachsene auf zwei zugefrorenen Teichen, die für die Region des südlichen Brabant typisch sind. Sie laufen Schlittschuh, spielen Curling und Schneegolf. Auch Schlitten und Kreisel kommen zum Einsatz. Da die Landwirtschaft in der kalten Jahreszeit ruht, hat die Landbevölkerung freie Zeit, um dem Wintersport zu frönen. Die Menschen bringen etwas Leben in die harsche, winterliche Landschaft.

4 Zum Hirschen

Das Wirtshaus ist heruntergekommen, das Schild über dem Eingang hängt schief. «Dit is in den Hert» –«Zum Hirschen» – steht dort geschrieben. Darauf zu sehen ist die Legende des heiligen Hubertus, der beim Anblick eines Hirschs mit einem Kruzifix im Geweih bekehrt wurde. Vor dem Wirtshaus sengen Bauern einem frisch geschlachteten Schwein über einem Feuer die Borsten ab. Das Schlachten war im Mittelalter ein beliebtes Motiv bei der Darstellung des Monats Dezember.