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Die Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte warnt vor Lippenvergrösserungen

Dank Instagram und Selfies: Lippenvergrösserungen boomen auch in der Schweiz. Aber nicht alle Anbieter halten sich an das Gesetz.
Rebekka Balzarini
Bachelorette Adela Smajic. Bild: Urs Bucher (Gossau)

Bachelorette Adela Smajic. Bild: Urs Bucher (Gossau)

Die Bachelorette Adela Smajic macht es vor: Letzte Woche fuhr sie für ein paar Tage nach Serbien, um sich in der Hauptstadt Belgrad etwas «aufzufrischen», wie sie gegenüber dem «Blick» sagte. Der Stress der vergangenen Monate habe ihr zugesetzt, sie wolle sich ihre Falten wegmachen lassen. Ebenfalls auf dem Programm von Adela: Ein Termin, um sich die Lippen aufspritzen zu lassen. Dieser Eingriff steht seit Jahren auf dem Schönheitsprogramm der 25-Jährigen, ihre Follower können das Resultat davon auf ihren zahlreichen Instagram-Bildern bewundern.

Adela ist keine Ausnahme in der Schweiz. Die Zahl der Frauen, die sich die Lippen aufspritzen lassen, sei hierzulande in den letzten Jahren stark gewachsen. Das sagt die Schweizerische Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Besonders beliebt ist in der Schweiz das Aufspritzen der Lippen mit Hyaluron (siehe Infobox). Die Behandlung dauert rund 30 Minuten, wegen der guten Verträglichkeit des Stoffes sind die Risiken des Eingriffs klein. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, weil Lippenvergrösserungen mit Hyaluron nicht einzeln erfasst werden.

Das Mittel Hyaluron

Hyaluron ist ein natürlicher Bestandteil des Bindegewebes und hilft, Feuchtigkeit zu speichern. Bei einer Lippenvergrösserung spritzt ein Arzt eine bestimmte Menge Hyaluron in die Lippen der Kundin. Neben den Lippen können auch Wangen oder Nase modelliert oder Falten gemildert werden. Das Hyaluron wird nach einigen Monaten im Körper wieder abgebaut, nachspritzen ist nach rund sechs Monaten nötig. (bz)

Der Trend sei aber klar auszumachen, so Claude Oppikofer von der Gesellschaft, der selber als Schönheitschirurg in einer Praxis arbeitet. «Frauen verbinden Weiblichkeit heute mit vollen Lippen», sagt er. Unter den Kundinnen seien viele junge Frauen. Sie wünschen sich Lippen wie ihre Vorbilder auf Instagram.

Swissmedic warnt mit Merkblatt

Die Zahl der Praxen und Kosmetikstudios, in denen Lippenvergrösserungen angeboten werden, ist gestiegen. Den jungen Kundinnen kommt entgegen, dass die Preise für eine Behandlung mit Hyaluron in den letzten Jahren gesunken sind. Grund dafür ist, dass neue Verfahren für die Gewinnung von Hyaluron entwickelt wurden. Je nach Anbieter ist eine Behandlung heute schon ab 200 Franken möglich. Auf Plattformen wie Deindeal.ch werden zudem regelmässig Behandlungen zu noch günstigeren Preisen angeboten.

Nur: Nicht jeder, der Lippen aufspritzt, darf das auch. Bei Behandlungen, die in Kosmetikstudios und nicht in Arztpraxen stattfinden, ist für Kundinnen Vorsicht geboten. Denn laut der Schweizerischen Medizinprodukteverordnung dürfen Produkte wie Hyaluron, die länger als 30 Tage im Körper eines Menschen verbleiben, nur von Ärztinnen und Ärzten gespritzt werden.

Kosmetikerinnen und Kosmetiker dürfen die Produkte nur dann spritzen, wenn sie über eine Ausbildung als diplomierte Pflegefachperson mit entsprechender Weiterbildung im Bereich der Injektion langzeitverbleibender Produkte verfügen. Aber auch dann hat die Anwendung unter der Kontrolle und der Verantwortung eines Arztes zu erfolgen.

Swissmedic ist die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte. Sie sah sich in diesem Sommer dazu veranlasst, eine aktualisierte Version des Merkblattes «Injizierbare Produkte zur Faltenbehandlung in Kosmetikstudios» zu veröffentlichen. In diese Sparte fallen auch Behandlungen der Lippen mit Hyaluron. «In letzter Zeit gab es vermehrt Hinweise, dass in Kosmetikstudios Faltenbehandlungen mit injizierbaren Produkten angeboten werden», so begründet Swissmedic in einer Einleitung das aktualisierte Merkblatt. Ausserdem habe Swissmedic regelmässig Anfragen von Kosmetikstudios erhalten, die sich nach der Rechtslage erkundigten.

Darüber, in wie vielen Fällen in der Schweiz gegen die Medizinprodukteverordnung verstossen wurde, könne Swissmedic keine Angaben machen, so die Behörde. Die Kantone seien dafür verantwortlich, dass die Verordnung eingehalten werde.

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