Ein Trip mit dem Goalie

Der erste Dialektroman von Pedro Lenz

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«Mir machts nüt us, wenn e Stadt truurig isch. Im Gägetöu. Es isch mit de Städt wi mit de Gschichte, die truurige si nid gäng die schlächtischte.» Ein schöner Satz, es lohnt sich, ihn langsam zu lesen, und langsam lesen muss man diesen Text überhaupt – zumindest wenn man kein Berner Ureinwohner ist. Pedro Lenz ist einer, er schreibt klug und spricht schnell, seine Kurzgeschichten sind packende «orale» Literatur – und das funktioniert erstaunlicherweise jetzt auch bei seinem ersten Dialektroman.

Zurück aus Witzwil

«Dr Goalie bin ig» ist sein Titel. Das hat mit WM wenig, aber mit Fussball immerhin einiges zu tun. Der Ich-Erzähler hat als Jugendlicher tschuttet wie alle, zwar nicht im Goal, denn dort stand jeweils der, den man sonst nicht brauchen konnte. Doch im Leben kommt es dann genau so mit ihm heraus; er gerät an die falschen Leute im Städtchen Schummertau, kommt aufs «Gift» und dann ein Jahr nach «Witzwiu».

Schön melancholisch

Der Roman fängt an, als der Goalie, zurück aus dem Gefängnis, Tritt im zivilen Leben sucht. Schwierig bei einem wie ihm, dem manchmal alles verkehrt abläuft «im Gring obe». Er versucht es bei Freunden von einst, bei Regi oder Ueli, dem besten Drogen-Kumpel, und er probiert es mit Arbeiten, auf Goalie-Deutsch: «Bügu».

Es ist ein wildes und zärtliches Buch, das sich nicht scheut, von früher zu «liire». Keiner schaue mehr zurück, klagt Goalie einmal, alles sei nur gedächtnisblind nach vorn gerichtet. Dabei: «Wenns hinge besser usgseht aus vore, de luegeni lieber hingere.»

Peter Surber

Pedro Lenz: Dr Goalie bin ig, edition spoken script, Der gesunde Menschenversand Luzern 2010, Fr. 25.–