Ein Thriller erklärt die Finanzkrise

BuchTip Schon viele haben versucht, die Finanzkrise dem Normalbürger verständlich zu machen. Wie war das nochmal mit den «giftigen» Wertpapieren? Und was haben amerikanische Immobilienkredite mit der Schweizer Börse zu tun? Es gibt keine kurzen Antworten auf diese Fragen.

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Schon viele haben versucht, die Finanzkrise dem Normalbürger verständlich zu machen. Wie war das nochmal mit den «giftigen» Wertpapieren? Und was haben amerikanische Immobilienkredite mit der Schweizer Börse zu tun? Es gibt keine kurzen Antworten auf diese Fragen. Auch Unternehmensberater und HSG-Dozent Markus A. Will braucht in seinem Buch «Bad Banker» mehr als 700 Seiten, um das Verhalten gieriger Investmentbanker zu beschreiben.

Aber kein Autor vor ihm hat die Finanzkrise mit Sex, Intrigen, Tränen und Mord verbunden und das alles in einen spannenden Thriller gepackt.

Die Handlung beginnt 2006, im Jahr vor der Krise. Alle Banken verzeichnen noch Gewinne, und die Investmentbanker leben in Saus und Braus. Allen voran Mitch Lehman, oberster Investmentbanker der (fiktiven!) Carolina Bank.

Der nur von Gier Angetriebene ist der eigentliche «Bad Banker» der Geschichte (und sein Name nicht zufällig gleich wie jener der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers). Von allen wird er «General» genannt, und er treibt seine Händlertruppe dazu an, jedes Jahr eine Milliarde mehr zu verdienen. Seine ehemalige Freundin Isabella Meyers hilft ihm dabei, indem sie immer kompliziertere Finanzprodukte konstruiert und damit auf dem Markt immer höhere Renditen erzielt.

Gegenspieler der beiden ist Carl Bensien, ein Schweizer Bankier aus einer Familie mit Tradition, der immer korrekt gekleidet ist und niemals Hemden mit Monogramm tragen würde. Als oberster Risikomanager der Carolina Bank sieht es Bensien nicht gerne, wie seine Händler immer sorgloser agieren und sich an der Grenze zum Grössenwahn bewegen. Als sich im Jahr 2007 die Krise abzeichnet, bleibt für Mitch Lehman und Isabella Meyers nur noch die Flucht nach vorne.

Markus A. Will war früher Kommunikationschef zweier Investmentbanken, und man merkt «Bad Banker» an, dass es von einem Insider geschrieben wurde. Mit nüchterner, klarer Sprache schildert Will das Gebaren der Banker und veranschaulicht komplizierte Zusammenhänge. Manche der Figuren wirken zwar holzschnittartig – der gierige Banker, der ehrenwerte Schweizer Bankier, die naive Journalistin – und einzelne Passagen kommen etwas belehrend daher. Dank der spannenden Kriminalhandlung bleibt der Leser dennoch am Ball.

So süffig hat ihm schliesslich noch niemand die Finanzkrise serviert.

Roger Berhalter

Markus A. Will: Bad Banker, Friedrich-Reinhardt-Verlag, Basel 2010