Ein Supersturm droht

Die Sonne ist ein unbeständiger Geselle. 1859 ist sie zum letztenmal heftig ausgebrochen und hat die Menschen erschreckt. Peter Nonnenmacher

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Immer wieder kommt es auf der Sonne zu Eruptionen.

Immer wieder kommt es auf der Sonne zu Eruptionen.

Bald ist wieder einer fällig, meinen die Experten. Die 150 Jahre seit dem letzten Supersonnensturm sind um. So viel Zeit nämlich – grob gerechnet – vergeht normalerweise zwischen jenen Energieexplosionen der Sonne, die als durchs All fegende Megastürme arglose Erdenbürger aus ihrer Tagesroutine aufschrecken können. Und das letzte dieser Ereignisse fand 1859 statt. Das nächste dürfte also nicht lange auf sich warten lassen.

«Kein Grund zur Panik»

«2013 oder 2014, vielleicht auch 2015», tippt Werner Curdt vom deutschen Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. «Es wird mit Sicherheit zu heftigen Sonnenstürmen kommen.» Eine weitere Warnung kommt von der Royal Academy of Engineering, der Königlichen Akademie für Ingenieurswissenschaften in London. Deren Meteorologen haben eine Studie veröffentlicht, derzufolge Länder wie Grossbritannien sich besser auf das Naturphänomen vorbereiten sollten.

Zwar bestehe «kein Grund zur Panik», meint der Leiter der Forschungsgruppe, Professor Paul Cannon. Doch Vorsicht sei die Mutter der Porzellankiste: «Vorbereitungen treffen sollten wir schon.» Im schlimmsten Falle nämlich kann ein Supersonnensturm Elektrizitätswerke, Stromversorgung und Satelliten ausser Gefecht setzen. Er kann globale Navigationssysteme beeinträchtigen und Mobiltelefonsysteme zum Verstummen bringen. Er kann der Schifffahrt und dem Flugverkehr schwer zusetzen. Und die nukleare Strahlung auf Flugpassagiere erhöhen.

Riesige Plasmawolken

Wie alle solare Strahlung rührt ein solcher Sturm von den brodelnden Aktivitäten der Sonne her. Gelegentlich verursachen magnetische Stürme an deren Oberfläche Eruptionen, die binnen Sekunden unfassbare Mengen an Energie entlassen können.

Und die gewaltigsten dieser Stürme führen zu dem, was die Fachwelt «Coronal Mass Ejections» (CME) nennt. Sie produzieren riesige Plasmawolken, die auf die Erde zurasen.

Den letzten Sonnensturm dieser Art hat die Erde Anfang September 1859 verzeichnet. Er hat die Bevölkerung Hawaiis und Havannas mit dem ersten (und letzten) Nordlichtspektakel ihres Lebens erschreckt, in weiten Teilen der Welt die Telegrafenleitungen zerstört und zu Kurzschlüssen geführt.