«Iss, Basel, iss»
Ein Stückchen Italien in Weil am Rhein

Frank Lorenz findet eine italienische Piazza mitten in Weil am Rhein und lässt sich von den Betreibern überraschen.

Frank Lorenz
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Iss Basel Iss: Ristorante Pompeji in Weil am Rhein
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Der sardische Koch Adamo Camedda.
Ein kleines Lachsmousse als Gruss aus der Küche
Burrata-buttrig-safrangelbe Spaghetti
Handtellergrosse sardische Ravioli mit Ricottafüllung unter einem Pistazienpesto
Ein ganzer Pulpo, in Balsamico mariniert und im Ofen ausgebacken
Schoggi-Mousse, eine zarte Panna Cotta und ein fluffiges Tiramisù

Iss Basel Iss: Ristorante Pompeji in Weil am Rhein

Frank Lorenz

Leichtfüssig und sicher bewegt sich Gianni Di Brizzi zwischen seinen gut fünfzehn Terrassentischen und gefühlten zwanzig herumtollenden Kindern. Im Zentrum von Weil am Rhein, am Berlinerplatz, wo die Plattenbauten von der architektonischen Lieblosigkeit der Sechzigerjahre künden, entsteht an den langen Sommerabenden der Region eine italienische Piazza für Menschen von überall her, auch für uns Baslerinnen und Basler. Mittendrin liegt das Restaurant Pompeji, seit wenigen Wochen neu eröffnet: Gianni ist nach Lehr- und Wanderjahren in der Gastronomie an jenen Ort heimgekehrt, an dem er aufgewachsen ist und selbst einmal zwischen den Tischen und um die Beine seines Vaters herum spielte.

Gianni brachte frischen Wind in das 1992 eröffnete, traditionelle Familienrestaurant. Neben einer breiten Palette von neuen, hochwertigen Rohprodukten (Salerner Tomaten, Pistazien aus Bronte, Burrata aus der Campagna, et cetera) holte er einen in Italien recht bekannten Chefkoch in die Küche: den stolzen, lebensfrohen und erfahrenen sardischen Koch Adamo Camedda. Die Gerichte erzählen von den Rohprodukten und Kochtraditionen der Hauptpersonen: Apulien bringt Meer und Land, Meeresfrüchte und Pasta aus Hartweizenmehl auf die Speisekarte. Aus der Campagna mit der Hauptstadt Neapel stammen die Pizze, mit knusprigstem Boden und vorzugsweise Meeresfrüchten, und natürlich die Burrata, die in einer Mozzarellakugel eingeschlossene Butter- oder Frischkäse-Creme. Die sardische Küche wiederum ist eine Küche der Erde mit dem Grundnahrungsmittel schlechthin im Mittelpunkt, dem Brot.

«Iss, Basel, iss»

Das ist die Geschichte von Frank Lorenz und Romeo Brodmann und ihrer Liebe zur Gastronomie in der Region Basel. Sie lieben das Essen, doch darin einig, was nun spitze ist, sind sie nicht.

Lorenz ist Theologe und Journalist und Gastgeber der Offenen Kirche Elisabethen in Basel. Er mag Menschen und Essen und kocht privat sehr gerne.

Brodmann ist vom Fach, gelernter Koch, Zigarrenliebhaber, Journalist, Buchautor.

Lorenz und Brodmann testen für die bz die Gastronomie in der Region Basel. Die beiden Kolumnisten nehmen unterschiedliche Blickwinkel ein. Brodmann hängt sich an die Köche und schaut in die Töpfe, Lorenz legt sein Augenmerk auf die Gastlichkeit und die Gastgeber. Natürlich geht es auch immer darum, was auf dem Teller liegt. Doch sollen die Menschen, die in der jeweiligen Beiz arbeiten, im Mittelpunkt stehen.

Entlang dieser Route schmausen wir – ohne Speisekarte –, was der junge Chef und der erfahrene Koch empfehlen: ein kleines Lachsmousse als Gruss aus der Küche, sodann als ersten Gang einen Gamberoni-Tatar. Danach ein Baby-Zackenbarsch mit Bottarga-Flocken, dem «sardischen Kaviar», einem getrockneten Fischrogen, der, über Speisen geraspelt, einen salzig-maritimen Kick verleiht. Wir bekommen alsdann zwei halbe Pastagänge: Eine gute Gabeldrehung voll wunderbar Burrata-buttrig-safrangelber Spaghetti, und rasch noch vier handtellergrosse sardische Ravioli mit Ricottafüllung unter einem Pistazienpesto. Der nächste Gang kommt traditionell aus dem Meer: Ein ganzer Pulpo, in Balsamico mariniert und im Ofen ausgebacken, sodass der Essig-Zucker karamellisiert und dem Gericht eine feine Würze und dunkelviolette Knusprigkeit verleiht.

Restaurant Pompeji

Zusammenfassung: Wir haben definitiv einen neuen, echten Italiener in der Regio entdeckt, der aus Geschmacks- und Preisgründen zum Wiederkommen einlädt.

Preisniveau: Angesichts der Qualität des Überraschungsmenüs im Preis-Leistungs-Verhältnis und mit Blick auf die Pizze am Nebentisch: Untere Mitte.

Besonderes: Unbedingt telefonisch das «Überraschungsmenü» vorbestellen (Gästezahl und Unverträglichkeiten erwähnen).

Kontakt: Restaurant Pompeji, Hauptstrasse 188 (am Berlinerplatz), Weil am Rhein

Das Schöne an diesem Überraschungsmenü ist, dass wir jederzeit «Stopp» rufen können, wenn wir der reichhaltigen Kostbarkeiten genug haben. Wir taten es an dieser Stelle, ansonsten Gianni und Adamo uns noch mit einer Tagliata di Manzo mit gehobeltem Parmesan erfreut hätten. Die Dessertplatte überzeugt uns ein weiteres Mal: Schoggi-Mousse, eine zarte Panna Cotta und ein fluffiges Tiramisù.

Gianni und Adamo geben am Schluss einen Tipp für zu Hause mit: Ersetzen Sie den obligaten Parmesan mit einigen Bottarga-Flocken, das gibt fast jedem Pasta-Gericht einen unerwarteten Pep. Erhältlich in Basel in den grossen Coop-Läden, beim Slowfood-Sortiment oder beim Fisch.