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Ein Schaulaufen der Heiligen

Die aktuelle Ausstellung im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz rückt wundertätige Exponenten der katholischen Kirche ins Licht. Die Jahrhunderte alten Holzfiguren vermitteln zuweilen zeitlose Werte.
Andreas Faessler
Der Steiner «Palmesel» aus dem 11. Jahrhundert ist wieder einmal in seiner Heimat zu sehen. (Bild: PD/Schweizerisches Nationalmuseum, Foto Lauperzemp)

Der Steiner «Palmesel» aus dem 11. Jahrhundert ist wieder einmal in seiner Heimat zu sehen. (Bild: PD/Schweizerisches Nationalmuseum, Foto Lauperzemp)

Der «Palmesel» ist auf Heimatbesuch. Der aus dem 11. Jahrhundert stammende reitende Christus aus Steinen SZ wurde um 1893 vom Schweizerischen Nationalmuseum angekauft und gilt als ein Glanzstück helvetischer Sakralkunst. Jetzt steht er prominent mitten in einem der Schauräume im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz, der Innerschweizer Dependance des Nationalmuseums. Der Esel und sein Reiter sind hier in bester Gesellschaft: Um das fast 1000-jährige Prozessionsstück schart sich eine Armada von Heiligen der katholischen Kirche, die der aktuellen Ausstellung «Heilige – Retter in der Not» in Schwyz entsprechend das Thema vorgeben. Es handelt sich ausnahmslos um Holzfiguren aus dem Hoch- und Spätmittelalter, welche anhand ihrer gestalterischen Mannigfaltigkeit anschaulich von tiefer Religiosität zeugen.

Der gelebte Glaube definierte sich früher viel stärker über die christliche Symbolik als heute. Patrone und Heilige mit ihren individuellen Attributen begleiteten die Gläubigen im Alltag als allgegenwärtiges Inbild für Halt und Schutz sowie als Mittler zwischen Erde und Himmel. Sie alle hatten ihre «Zuständigkeiten», galten als Schutzpatrone für Berufszweige, Kirchen, Klöster, Städte oder ganze Länder und sollten die Menschen vor allerlei Ungemach bewahren.

Fesselnde Legenden

Einige dieser «himmlischen Helfer» haben bis heute nicht ausgedient: Feuerwehren zählen auf den Hl. Florian, Bauarbeiter vertrauen der Hl. Barbara, St. Antonius hilft unter anderem bei der Suche nach verlorenen Gegenständen, oder – selbst bei «Ungläubigen» populär – der Hl. Christophorus; er ist der Mann für den unvorhergesehenen Tod, weshalb er in vielen Fahrzeugen am Rückspiegel baumelt oder irgendwo auf der Armatur klebt.

Eine Fülle an Heiligenfiguren aus dem Hoch- und Spätmittelalter zeugt von inniger Volksfrömmigkeit.

Eine Fülle an Heiligenfiguren aus dem Hoch- und Spätmittelalter zeugt von inniger Volksfrömmigkeit.

Die Faszination, welche von diesen Fürbittern ausgeht, greift heute über den Kreis gläubiger Katholiken hinaus, weiss Ausstellungskuratorin Rebecca Sanders. «Einerseits sind es die Legenden, welche die Patrone umranken. Solche spannenden Erzählungen sprechen ein breites Publikum an.» Insbesondere seien es aber wichtige Werte, die durch Heilige vermittelt werden. «Martin mit seiner Selbstlosigkeit und Nächstenliebe oder Georg mit seinem Mut, gegen das Böse anzukämpfen ...», führt Rebecca Sanders Beispiele an.

Inmitten dieses Reigens an Schutzherrschaften in unterschiedlicher künstlerischer Ausführung ist ein zentraler Teil der Ausstellung der Gottesmutter höchstselbst gewidmet. Maria, die wichtigste aller Heiligen, personifizierte Herzensgüte und Milde, die Übermutter, verehrt und angerufen für alles, was die Menschenseele bedrückt. Die in Schwyz gezeigten Madonnen­figuren sind so unterschiedlich in Art und Prägung, dass ein klarer Wandel erkennbar wird, wie die Beziehung zwischen dem Gottessohn und der Gottesmutter aus Sicht der Gläubigen sich geändert hat. Tritt die Madonna von Raron – die wohl älteste Mariendarstellung der Schweiz aus dem 12. Jahrhundert – noch als reine «Trägerin» von Christus auf, so wandelt sich die Darstellungsweise bald deutlich hin zu einer engen, liebenden Verbindung zwischen dem Kinde und der Mutter.

Unter diesen Madonnendarstellungen finden sich einige besonders seltene Exemplare wie die Gruppe mit den beiden Halbschwestern Mariens und den Cousins Jesu. Ungewöhnlich auch die Holzplastik, bei der das Christuskind einen Vogel in der Hand hält und Maria eine Birne.

Eine Ausstellung fürs Auge

Die Ausstellung kommt grundsätzlich ohne grosse Worte aus: Neben Kurzbeschreibungen der Exponate und einigen digital abrufbaren Ausführungen lebt die Heiligenschau hauptsächlich von der zuweilen betörenden Schönheit der mittelalterlichen Holz­figuren sowie von den in einen ­bestimmten Kontext gestellten Gegensätzen. So werden beispielsweise dem Palmesel als Sakralgegenstand der Öffentlichkeit kleine Hausaltäre aus privatem Umfeld gegenübergestellt. Eine Bilderwand der Zuger Künstlerin Annelies Štrba mit zeitgenössischen Reminiszenzen an die Gottesmutter schafft ein weiteres Spannungsfeld. Einige Schaustücke indes finden sich in einem erweiterten ikonografischen Kontext wieder, was einen tieferen Einblick in die Komplexität des traditionellen katholischen Glaubens gewährt. Und nicht zuletzt wird – passend zur Jahreszeit – eine Auswahl an eindrucksvollen Weihnachtskrippen gezeigt.

Hinweis: «Heilige – Retter in der Not», im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz, bis 10. März 2019. Infos: www.nationalmuseum.ch/schwyz

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