Ein Museum mausert sich

Monika Jagfeld ist neue Leiterin des Museums im Lagerhaus, Peter Schorer neuer Präsident der Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art Brut. Neu sind auch Ziele und Wünsche.

Ursula Badrutt Schoch
Drucken
Im Übergang: Die neue Museumsleiterin Monika Jagfeld mit Stiftungspräsident Peter Schorer und dem Ehepaar Schaufelberger. (Bild: Sam Thomas)

Im Übergang: Die neue Museumsleiterin Monika Jagfeld mit Stiftungspräsident Peter Schorer und dem Ehepaar Schaufelberger. (Bild: Sam Thomas)

Nach 20 Jahren Aufbauarbeit steht das Jubiläumsjahr im Zeichen des Übergangs. Der neue Präsident der Stiftung und ehemalige Stadtrat Peter Schorer, bis anhin Vizepräsident, sieht dieses Jahr des Übergangs auch als Abrundung der Leistungen von Simone und Peter Schaufelberger. Er würdigt ihre besondere Art der menschennahen Kunstbetrachtung und -vermittlung. Es sei ihnen gelungen, in engagierter Zusammenarbeit mit Sammlern und Künstlern eine Sammlung aufzubauen und das Museum als speziellen Ort zu definieren. Selber sei er seit seiner Gymnasialzeit von der Aussenseiter- und naiven Kunst infiziert. Damals hätte er aus einer Ausstellung ein Bild von Henri Rousseau am liebsten unter den Arm gepackt und mitgenommen.

Einzigartig und bedeutsam

Seine Ziele setzt er auf strategischer Ebene an. Wenn er in einem Artikel der «Sonntags-Zeitung» bei aller zürcherischen Herablassung gegenüber St. Gallen jene wertschätzende Bemerkung zum Museum im Lagerhaus findet, die es als Juwel in der Museumslandschaft und unbedingt besuchenswert bezeichnet, so unterstütze dies die eingeschlagene Richtung. Das Museum – so Schorer – soll seine Bekanntheit weiter steigern und als Kompetenzzentrum für schweizerische naive Kunst und Art brut gestärkt werden.

Die bereits wesentlich verbesserte finanzielle Situation, die feste Stellenprozente für eine professionelle Leitung und Administration nach Jahren der Freiwilligenarbeit erst möglich gemacht habe, müsse weiter ausgebaut werden. «Die Sammlung ist auf sehr kleinem Raum gelagert und muss besser zugänglich gemacht werden. Überhaupt ist für die beschränkten Räumlichkeiten eine Erweiterung wünschenswert.» Seine Aufgabe sei es, die Finanzierung nachhaltig sicherzustellen.

Für die inhaltliche Profilierung ist in Zukunft Monika Jagfeld zuständig. Die promovierte Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin hat im Rahmen der Öffnung der Sammlung Prinzhorn in der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg Aufbauarbeit geleistet. Dass sie neben Kunstgeschichte und Christlicher Archäologie auch Psychologie studierte, verweist auf ihr Interesse am Menschen hinter der Kunst. (Wir werden Monika Jagfeld demnächst ausführlicher vorstellen.)

Rütliwiese und Toggenburg

Die kommenden vier, zusammen mit Simone Schaufelberger erarbeiteten Ausstellungen gelten den Schwerpunkten des Museums und damit auch der Auseinandersetzung mit Bezeichnungen und Zuordnungen. «Naiv ist nicht naiv» (Eröffnung 18.2.) gibt einen Einblick in die Weltsicht jener Künstler, die Erlebnisse individuell und mit ihren Mitteln und Möglichkeiten umsetzen. Dass es nicht um niedliche «Naive» geht, sondern im Gegenteil um Werke von ungebändigter Kraft, werden die Arbeiten selber zeigen. Vom grossen Paradies von Emil Graf bis zur noch nie gezeigten Rütliwiese von Johannes Rahm spannt die Ausstellung Fragen zur Bedeutung der naiven Kunst in Geschichte, Gegenwart und Markt.

«Gratwanderer» heisst die Ausstellung zur Outsider Art, der Kunst zwischen den Welten (28.4.–6.7.). Die Präsentation der Art brut verbindet sich mit der Gastausstellung der Collection de l'Art brut in Lausanne aus Anlass des Olma-Gastkantons Waadt (1.9.–2.11.). Die vierte und letzte Jubiläumsausstellung ist den Appenzeller und Toggenburger bäuerlichen Naiven gewidmet: «Z'Alp fahre» (17.11.–1.2.09).