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Ein leidenschaftlicher Gärtner: Praktische Tipps, Geschichten und viel britischer Humor

Der britische Althistoriker und Kolumnist Robin Lane Fox hat ein witziges Buch über seine lebenslange Passion geschrieben: «Der englische Gärtner».
Urs Bader
Von Pflanzen seit seiner Kindheit fasziniert: Robin Lane Fox an der Arbeit in seinem privaten Garten (Bild: Andrea Artz/Laif)

Von Pflanzen seit seiner Kindheit fasziniert: Robin Lane Fox an der Arbeit in seinem privaten Garten (Bild: Andrea Artz/Laif)

«Gärtnern hat viel mit Denken zu tun, aber Denker schauen darauf gerne geringschätzig von oben herab.» Für sie hat Robin Lane Fox, der britische Garten-Enthusiast und angesehene Althistoriker, nur Hohn und Spott übrig. Er habe «Profidenker» gar sagen hören, die Liebe der Engländer zum Gärtnern sei für ihr Scheitern als Industrienation verantwortlich. Derlei überhebliche Ignoranz erledigt Fox in seinem Buch «Der englische Gärtner» mit einem Seitenhieb. Im englischen Original hiess das Buch denn auch «Thoughtful Gardening» – gedankenvolles, umsichtiges Gärtnern.

Für Gartenliebhaber ist es pures Lesevergnügen, für Gartenarchitekten und Landschaftsgärtner sollte es Pflichtlektüre sein.

Im Alter von zehn Jahren begann Fox, 1946 geboren, zu gärtnern. Daraus wurde eine Passion, die ihn noch immer umtreibt. Er studierte und lehrte in Oxford, wo er am New College bis zu seiner Emeritierung 2014 als «Garden Master» auch für die Gärten zuständig war.

Und seit bald 50 Jahren schreibt Fox für die «Financial Times» wöchentlich eine Gartenkolumne. Bescheiden erklärt er aber, die besten Kolumnen dieser Art habe Vita-Sack- ville-West geschrieben, die britische Schriftstellerin, die zusammen mit ihrem Mann auf Sissinghurst Castle einen Garten angelegt hat, der heute zu den meistbesuchten des Landes gehört. Ihre Texte für den «Observer» erschienen zwischen 1946 und 1961 (Auswahl Buchform).

Robin Lane Fox haben seine Bücher als Historiker berühmt gemacht: «Die klassische Welt», «Alexander der Grosse» – in der englischsprachigen Welt ein Bestseller – oder «Augustinus».

Kurzweilig, belehrend und unterhaltend

Im «Englischen Gärtner» hätten sich viele Kapitel aus den Zeitungskolumnen entwickelt, schreibt Fox. Angesichts der vielen Jahre, während derer sie schon erscheinen, ist das Buch so etwas wie das Vermächtnis seines Lebens als Gärtner. Er folgt den Jahreszeiten und vermittelt botanisches und anderes naturkundliches Wissen, berichtet Geschichtliches, zeichnet Kurzporträts, erzählt Anekdoten und kommentiert britisch-spitz bis sarkastisch Zeiterscheinungen. Fox schreibt kurzweilig, belehrend und unterhaltend gleichermassen. Manches wirkt auch skurril. Das Buch ist reich illustriert. Ärgerlich nur, dass es keine Register enthält, weder mit den Pflanzen noch mit den Personen. Für Praktiker hätte dies den Nutzwert des Buchs jedenfalls erhöht.

Es handelt freilich nicht von Nutz-, sondern von Ziergärten, von schön gestalteter Landschaft – von traditionellen englischen Gärten eben. Fox berichtet von seinen langjährigen Erfahrungen. «Dieses Buch möchte die Arbeit mit Pflanzen – kaleidoskopartig, in schnellen Wechseln – aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten.» Der Anspruch ist hoch: aus Handwerk soll Kunst werden.

«Gärtnern ist eine Kunst, und Gärtner sind Künstler.»

Oft ist von Leidenschaft die Rede. Und von einer von ihm bewunderten Gärtnerin schreibt Fox: «Ihr Garten war ein Universum, und sie pflanzte immer im Einklang mit ihm.» Man kann Fox folgen, wenn er im Frühling einjährige Blumen sät, wie er es macht, welche Sorten er wählt. Oder welchen Mohn er liebt als «Gegengift gegen das ausschweifende Frühsommer-Grün». Er beurteilt auch Pflanzen. Oleander sind ihm «entsetzliche Stauden, die um italienische Tankstellen herum wachsen», «unpassend» findet er Palmen, «die oberhalb ihres dicken, hässlichen Stamms braun und zunehmend struppig» aussehen.

Der Gärtner soll nicht den Planeten retten wollen

Fox beklagt, dass Gärtnern mit andern Zielen vermischt werde – Rettung des Planeten, Unterstützung der Biodiversität, Wiederbelebung einer verlorenen Welt, Erschaffung einer Matrix vernetzter Biotope: «Mit all dem hat Gärtnern nichts zu tun.» Angesichts der industrialisierten Landwirtschaft spielten Gärtner nur «eine unendlich kleine Rolle». Politisch unkorrekt schnödet er auch über den Klimawandel – «die Angst vor heissem Klima vervielfacht den Ausstoss an heisser Luft anderer Art» – und findet den Einsatz chemischer Unkrautvertilger nur angemessen.

Der Kampf gegen Dachse, die seinen Garten zerstören, beschäftigt Fox nachhaltig. In einem Kapitel kündigt er mit britisch-schwarzem Humor an, auch über den Einsatz einer bestimmten Schlaftablette nachzudenken. «Sie war stark genug für Marilyn Monroe, dann sollte sie also auch stark genug für Meister Grimbart sein.»

Robin Lane Fox: Der englische Gärtner. Leben und Arbeiten im Garten, Verlag Klett-Cotta, 457 S, Fr. 44.–.

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