Ein Leben für Egon Schiele

Kunstsammler Rudolf Leopold ist 85jährig in Wien gestorben. Sein Tod wirft erneut die Frage auf, wie es Österreich mit der Raubkunst hält. Rudolf Gruber

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Rudolf Leopold (Bild: ky)

Rudolf Leopold (Bild: ky)

Leopolds grosses Verdienst ist es, Egon Schiele die verdiente Anerkennung verschafft zu haben. Schiele, der 1918 nur 28jährig starb, wurde noch bis in die Nachkriegszeit wegen seiner – wie es damals hiess – «unsittlichen Darstellungen» verunglimpft. Doch der Augenarzt Leopold, den ein untrüglicher Blick für die Kunst auszeichnete, sah Schieles künftige Weltgeltung voraus.

Weltgrösste Schiele-Sammlung

Leopold, 1925 in Wien geboren, besass die grösste und bedeutendste private Kunstsammlung Österreichs. Seine nahezu lückenlose Schiele-Sammlung umfasst 220 Werke, Leopolds gesamter Kunstschatz umfasst mehr als 5000 Objekte im Gesamtwert von fast 600 Millionen Euro.

1994 brachte Leopold die Früchte seiner Leidenschaft – Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied nannte ihn «einen Besessenen im besten Sinn» – in eine Stiftung ein und verkaufte

seine Sammlung dem Staat für eher bescheidene 2,2 Milliarden Schilling (heute 160 Millionen Euro). Dafür baute ihm die Republik einen Kunsttempel: Das Leopold Museum, dessen Direktor er bis zuletzt war, zählt seit der Eröffnung 2001 zu den meistbesuchten Attraktionen Wiens. Der weiss-gelbliche Kubus ist das Glanzstück des Museumsquartiers.

Leopold beeindruckte nicht nur mit seinem sicheren Kunsturteil; hinter der distinguierten Erscheinung verbarg sich ein sturer Charakter, der Kritik und Widerstand kaum duldete. Seit Inkrafttreten des neuen Restitutionsgesetzes 1998 rang er mit den Behörden über die Rückgabe von Bildern, die einstmals die Nazis den meist jüdischen Besitzern entrissen hatten.

Schwieriges Erbe

Trotz teils geklärter Herkunftsnachweise berief sich Leopold bis zuletzt auf das Gesetz, das nur staatseigene Museen zur Rückgabe verpflichte. Als Modellfall gilt der seit zwölf Jahren andauernde Rechtsstreit um Schieles «Bildnis Wally», das 1998 während einer Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art als «Raubgut» beschlagnahmt und seither von den US-Behörden zurückgehalten wird.

Sollte das Leopold Museum nun vollständig in Bundeseigentum übergehen, dann müsste sich auch die Sammlung Leopold der Rückgabepflicht beugen.