Ein Hauch von Luxus

Daniela Baumgartner ist Schmuckdesignerin und hat im Ausland den Durchbruch mit ihren eigenen Kollektionen längst geschafft. Nun stellt sie ihre Kreationen auch in der Ostschweiz aus – ihrer alten Heimat.

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Mitten im trendigen Marais-Quartier von Paris liegt ihr Lebensmittelpunkt: Daniela Baumgartner, 46, Schmuckdesignerin mit Vorliebe für zeitgenössischen Luxus, hat in der Nähe des Centre Pompidou ihr Atelier «Rivière bleue». Sie arbeitet für berühmte Juweliere in Paris, New York und in der Schweiz. Ihre Eigenkreationen waren schon in den Schaukästen des Naturhistorischen Museums in Paris während der Ausstellung «Le monde de la perle» zu bewundern – neben Exponaten renommierter Juweliere wie Chanel, Van Cleef und De Beers. Und modebewusste Pariserinnen tragen ihre Unikate.

Obschon Gewinnerin zahlreicher hochdotierter Preise – etwa den Internationalen Diamond Award 1998 oder die Tahitian Pearl Trophies 2002, 2004 und 2005 – sind ihre Juwelen hierzulande vorläufig eher in Fachkreisen ein Begriff. Das könnte sich Mitte September ändern, wenn sie ihren Schmuck in St. Gallen und damit erstmals in der Schweiz ausstellt.

Bei einer Visite in St. Gallen öffnet sie das Schmuck-Etui wie eine Schatzkiste und lässt die Kostbarkeiten aus Gold oder Platin, versehen mit Perlen, daumengrossen Turmalinen und (Roh-)Diamanten über ihre Hand gleiten. Die Sautoirs – lange Colliers, ihre Spezialität – tragen Namen wie «Mombassa» oder «Massai» – sie erinnern tatsächlich an Ethno-Schmuck –, aber auch «Sensuelle» oder «Ballerine», die schlicht und sinnlich zugleich wirken. Die Bezeichnungen sind treffend: «Ballerine» heisst ein biegbares Collier mit zwei Ketten aus Gold mit champagnerfarbenen Perlen. «In der Bewegung tanzen die beiden Ketten wie Ballerinen, deshalb habe ich das Collier so getauft. Weisse Perlen wären ein zu harter Kontrast zum champagnerfarbenen Gold der Ketten gewesen, deshalb habe ich diese warme Farbe mit einem Stich ins Gelbliche gewählt.»

Ein Juwel – viele Variationen

Wandelbarkeit ist ihr ein wichtiges Anliegen. «Viele Frauen schätzen ein Schmuckstück, das sich mit einem Handgriff verändern und passend zu Anlass und Garderobe variieren lässt», sagt sie und öffnet ihr eigenes Collier, das auf den ersten Blick unspektakulär aussieht, aber das Raffinement im Detail offenbart: Der offene Reif aus Gelbgold wird mit zwei in allen Farben schimmernden Tahiti-Perlen abgeschlossen, die sich abnehmen lassen, damit das Collier auch mit Anhänger getragen werden kann.

Ein umfangreiches Portfolio mit professionellen Aufnahmen der Kollektionen, gespickt mit französischen und englischen Zeitungsartikeln, repräsentiert einen Querschnitt ihrer Arbeit – auch Ohrgehänge, Ringe und Armbänder. Beim Blättern springt quasi das Sautoir «Rivière» ins Auge, wofür Daniela Baumgartner den besagten De-Beers-Award erhielt.

Für jeden Tag einen Diamanten

Die Platinkette misst erstaunliche 1,37 Meter, und die beiden lose fallenden Stränge mit insgesamt 365 Diamanten werden von einer Spange zusammengehalten. Den Abschluss bilden tropfenförmige Briolettes, die abnehmbar sind und auch als Brosche angesteckt werden können. Die Diamantenkette kann, in ihrer ganzen Länge nach hintenfallend, einen makellosen Rücken betonen, vorne gekürzt lose um den Hals getragen werden oder sogar als exklusiver Gürtel das kleine Schwarze aufwerten. «Ein Diamant für jeden Tag», sagt Daniela Baumgartner über eines ihrer Lieblingsmaterialien, das wieder sehr en vogue sei. Kaum ein Edelstein reflektiere das Licht der Umgebung so einzigartig.

So feingliedrig ihre Ketten sind, so auffallend in Grösse und Farbe präsentieren sich einzelne ihrer Ringe. «Simplement» ist alles andere als unscheinbar und drückt lässiges Understatement aus. Er besteht aus drei Turmalinen in Rot- und Gelbtönen, der Ring aus champagnerfarbenem Weissgold. «Grosse Volumen sind in Mode», sagt sie und streift ihn über. Die Asymmetrie wirkt äusserst reizvoll, und die Trägerin wird mit Sicherheit alle Blicke auf sich ziehen.

Traum und Realität

Perlen, Diamanten, Edelsteine – welche begabte Schmuckdesignerin träumt nicht von einer eigenen Kollektion, einem Atelier an bester Passantenlage, begehrten Unikaten, die sie erfolgreich und unabhängig macht. Der Weg an die Spitze ist steinig, sehr sogar, und die Konkurrenz gnadenlos, das hat auch Daniela Baumgartner erfahren. Die Tochter einer Architektenfamilie lernte früh, die Augen offenzuhalten und zeichnete gerne. «Edelsteine faszinierten mich, und so begann ich als Bijouterie-Verkäuferin bei Bucherer in Zürich.» Dann lockte die grosse weite Welt, und heute spricht sie fliessend fünf Sprachen. Ein Gemmologie-Studium in Deutschland bestärkte sie in ihrem Wunsch, Schmuckdesignerin zu werden. «Geradezu blauäugig bewarb ich mich mit 23 an einer bekannten Pariser Schule für Juwelier- und Goldschmiedekunst, die auch Farbdesign und Design lehrt – und erhielt einen der begehrten Plätze.» Danach hielt sie sich mit Auftragsarbeiten über Wasser, bis ihr bei Wettbewerben mit eigenen Kollektionen der Durchbruch gelang.

Präzision ist Pflicht

Heute beschäftigt sie ein bekanntes Juwelier-Atelier um die Ecke ihres kleinen Büros, das ihre Entwürfe umsetzt. Ein Verkaufsgeschäft hat sie nicht, wohl aber einen Showroom; die Kunden kommen bei ihr auf Anmeldung vorbei. «Zeichnen ist das eine, das Flair, Zeitströmungen zu erkennen und umzusetzen, ohne die eigene Handschrift aus den Augen zu verlieren, das andere. Und man muss auch etwas von Marketing und Finanzen verstehen.» Es sei eine Arbeit für Pedanten, jeder Entwurf müsse millimetergenau stimmen. «Mein Schmuck entsteht zu 95 Prozent im Kopf.»

Die Auswahl der Materialien benötigt jahrelange Erfahrung. Sie weiss heute haargenau, welchem Spezialisten sie für Turmaline oder für Diamanten vertrauen kann und reist oft nach Asien. «Bei der Auswahl der Steine müssen viele Dinge berücksichtigt werden: Fehlerlosigkeit, die Struktur, die Fülle, der Glanz und die Farbe.» Der Schliff sei das A und O bei der Bearbeitung und offenbare die innere Schönheit des Edelsteins. Ein dreidimensionales Modell aus Wachs zeigt der Designerin das genaue Volumen und die richtige Rundung des Juwels. Dann wird ein Metallguss erstellt. Beim Laminieren wird das Metall in die gewünschte Dicke «geplättet» und mit Hämmern, Einschnitzen oder Ausmeisseln «geformt». Das Einfassen des Steins erfordert die Geschicklichkeit eines Spezialisten, und schliesslich wird dem Stein durch Polieren der letzte Schliff gegeben.

«Schmuckdesign ist eine aufwendige Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl braucht, nicht nur in der Verarbeitung, sondern auch im Umgang mit den Kundinnen und Kunden. Entspricht mein Schmuck Ihrem Wunsch und macht Sie glücklich, entschädigt es mich für alle durchwachten Nächte. Und wenn jemand auf Anhieb eine Kreation als meinen Entwurf erkennt, ist es für mich das allerschönste Kompliment.» Sybil Jacoby

Daniela Baumgartner stellt vom 17. bis 21. September im Architektur Forum Ostschweiz an der Davidstrasse 40 in St. Gallen aus (täglich von 14 bis 18 Uhr). www.daniela-baumgartner.com

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