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Ein Buch zwischen Snack und Schokoriegel

In «Die Wahrheit über das Lügen» erzählt Benedict Wells zehn höchst unterschiedliche Kurzgeschichten. Eine richtige Überraschungsbox, mal klassisch, mal wild.
Alice Werner

Benedict Wells’ letzter Roman «Vom Ende der Einsamkeit» stand anderthalb Jahre lang auf den Bestsellerlisten, wurde mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet sowie als «Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen». Nun erscheint sein neues Werk «Die Wahrheit über das Lügen» – ein Erzählband mit zehn Geschichten aus zehn Jahren.

Als Warnung und Vorgeschmack gleichermassen verkündete der deutsch-schweizerische Autor seiner Fangemeinde via Facebook: «Wenn ein Roman wie ein jahrelang sorgfältig abgestimmtes Menü ist, ist dieser Kurzgeschichtenband wie eine Picknickbox für zwischendurch, darin mal ein Snack, mal ein Schokoriegel. Ich wollte, dass das Buch sich wie ein Mixtape anfühlt, mit zehn höchst unterschiedlichen Songs.»

Erzählungen mit kafkaesken Zügen

Tatsächlich sind die versammelten Kurzgeschichten thematisch, aber auch in Ton und Stil sehr verschieden. Manche Erzählungen lesen sich wie klassische Short Stories, andere sind spielerischer, experimenteller, mit fantastischen Elementen, kafkaesken Zügen und mysteriösem Ende.

Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen. Zehn Geschichten, Diogenes, 256 Seiten.

Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen. Zehn Geschichten, Diogenes, 256 Seiten.

Da ist zum Beispiel ein erfolgreicher Geschäftsmann, dem auf einer Wanderung Zeit und Raum verloren gehen und der um Jahrzehnte gealtert zu seiner Frau zurückkehrt. Da ist eine Schriftstellerin mit Schreibblockade, «verträumt, beflissen, tapfer, aber ohne jede zündende Idee», die eines Nachts von ihrer (männlichen) Muse geküsst wird – und eine verhängnisvolle Affäre mit diesem blau gelockten Unbekannten eingeht. Da ist ein gefeierter Drehbuchautor, der mit Mitte siebzig endlich ein freier Mann sein und die Sünde seines Lebens beichten will: dass er als junger, arbeitsloser Film-Nerd in eine Zeitmaschine stieg und auf diese Weise dem eigentlichen Erfinder von «Star Wars» seine Idee stehlen konnte. Da sind zwei in einem kahlen, nur mit einer Tischtennisplatte ausgestatteten Raum gefangen gehaltene Männer, die gegen den Wahnsinn Pingpong spielen.

Da sind aber auch Vater und Sohn, die bei einer Jubiläumsfahrt mit ihrem dunkelgrünen 1961er-Austin-Healey auf den «grossen Augenblick» warten, wenn der Tacho 100 000 km anzeigt, und die just dann einen folgenreichen Unfall bauen. Und schliesslich sind da noch zwei Texte aus dem Universum von Wells’ letztem Roman «Vom Ende der Einsamkeit»: Im einen spinnt der Autor ein Weihnachtsmärchen über sprechende Bücher weiter, das sich sein Romanheld Jules als Kind ausgedacht hat. In der anderen wird die Jugend von Jules’ Vater erzählt.

Hervorragendes Material

Ja, in Benedict Wells’ neuem Buch versammelt sich eine wilde Mischung an Ideen, Figuren und Orten, die wahrscheinlich keinen Roman ergeben würde, aber hervorragendes Material für kürzere Erzählstoffe liefert. Das macht das Buch zu einer richtigen Überraschungsbox. Dazu passt, wie Wells mit Schwung in seine Storys einsteigt, sich ganz auf den Plot konzentriert und Nebenfiguren, Familiengeschichten oder Hintergründe ausspart. So hält er seine Erzählungen schlank und die Sprache präzis. Ein so verrücktes wie durchdachtes Buch.

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