Ein Andenken aus dem Hotel

Die Herbstferien stehen vor der Tür: Wer in die Ferne schweift, begnügt sich oft nicht mit Kunsthandwerk als Souvenir. Auch Frotteetücher oder Espressolöffel aus dem Hotel transportieren Touristen in ihren Koffern immer häufiger ab.

Diana Bula
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Beliebtes Souvenir: Ein Frotteetuch aus dem Hotel. (Symbolbild: Keystone)

Beliebtes Souvenir: Ein Frotteetuch aus dem Hotel. (Symbolbild: Keystone)

In Deutschland verursachen diebische Hotelgäste jährlich einen Schaden in Millionenhöhe. Gemäss der Hoteldatenbank venere.com verschwinden in den Unterkünften nebst Schuhablagen und Glühbirnen auch Schiebetüren von Schränken, Telefonapparate, Bügelbretter und Vorhänge. Sogar eine 130 Kilogramm schwere Klimaanlage soll ein Hotelgast entwendet haben.

Die Schweiz kennt dieses Problem ebenfalls. «Kein Gegenstand ist hundertprozentig sicher vor den Gästen», sagt Peter Ecker von der Ruepp & Partner Dietikon AG. Das Unternehmen berät Hotels und Restaurants in der Schweiz.

Auch reiche Langfinger

Laut Ecker kommen Aschenbecher, Pfeffermühlen sowie Serviettenringe abhanden. Auch müssen die Hoteliers einen Schwund bei Handtüchern und Bademänteln hinnehmen. Neben der Früchteschale fehlt das Messer, an der Wand das Bild. Ecker unterstellt den Reisenden keine «kriminellen Absichten».

«Vielmehr befriedigen sie ihren Sammeltrieb. Der Mensch will Souvenirs mit nach Hause bringen und greift darum auch mal im Hotel zu.» In teuren Unterkünften gehen Gegenstände ebenso verlustig wie in billigeren. «Wer für eine Übernachtung 800 Franken bezahlt, klaut trotzdem – obwohl er es vermögen würde, den Artikel zu erwerben. So ist der Mensch», sagt Ecker. Die Hotels bringen «ein gewisses Verständnis» für Langfinger auf. «Letztlich summiert sich der finanzielle Schaden aber.»

Dem Unternehmerverband der Schweizer Hotellerie hotelleriesuisse sind «Einzelfälle von Diebstahl» bekannt. «Bei unserer Rechtsberatung ist das Thema kein Dauerbrenner», betont Susanne Daxelhoffer, Pressesprecherin von hotelleriesuisse. Falls ein Gast tatsächlich einen wertvollen Gegenstand entwendet, kann das Unternehmen eine Rechnung stellen oder auf die Kreditkartennummer des Kunden zurückgreifen und den Gegenwert des «Diebesguts» belasten. Begleicht der Hotelgast die Rechnung nicht, so betreibt das Hotel ihn nach erfolgloser Mahnung.

«Im schlechtesten Fall kommt es zu einer Anzeige», so Daxelhoffer.

Ein Löffel für die Heimreise

Wie eine Umfrage bei Schweizer Hoteldirektoren zeigt, lassen Gäste häufig Silber-Espressolöffel mitlaufen. «Sie sind klein, handlich und daher rasch in einer Jackentasche verstaut», sagt etwa Arno Affolter, Direktor des Luzerner Romantikhotels «Zum Wilden Mann». Auch im Hotel Einstein in St. Gallen fehlen solche Löffel laut General Manager Jürgen Kögler immer wieder.

«Sie eignen sich als Souvenir. Auch lässt sich damit auf der Heimreise ein Joghurt auslöffeln», sagt Kögler. Oder aber die Löffel wandern aus Versehen mit in den Tischabfall – das Hotel Einstein verwendet zu 90 Prozent Stoffservietten – in den Kübel. «Leider kann man sie leicht übersehen.»

Besonders gut erinnert sich der Luzerner Hoteldirektor Arno Affolter an einen Vorfall, in den ein Hochzeitspaar aus den USA verwickelt war. «An einer Wand fehlte plötzlich ein Bild», erzählt er.

Unter Verdacht standen die frisch vermählten Eheleute, der Gatte stritt jedoch ab. Als Affolter den Mann aufforderte, seinen Koffer zu öffnen, kam prompt das Bild zum Vorschein. «Er händigte mir den Luzerner Stich aus – mit der Entschuldigung, ihn als Andenken an die Flitterwochen behalten gewollt zu haben.»

Luxushotel verkauft Accessoires

Mit einer ähnlichen Episode kann Jürgen Kögler vom Hotel Einstein in St. Gallen nicht aufwarten. «Von grösseren Diebstählen blieben wir bisher glücklicherweise verschont», sagt er.

Die Gäste des St. Galler Hotels begnügten sich mit Hotelfinken, Kämmen und Schuhlöffeln. «Diese Artikel sind aber auch dafür gedacht, um mit nach Hause genommen zu werden. So dienen sie als Werbeträger.»

Im Luxushotel Baur au Lac in Zürich verschwinden laut Julia Faulhaber, Director Sales Marketing, zwar gelegentlich Bademäntel und Slippers. Gläser und andere Accessoires jedoch bleiben im Hotel, obwohl das Interesse an diesen Artikeln gross ist.

«Wir verdanken es nicht zuletzt unserem Kundensegment, dass die Gäste nach dem Gegenstand fragen und ihn erstehen, statt ihn zu stehlen», sagt Fauhlhaber. Das Zürcher Hotel hat auf die Nachfrage reagiert – und eine Boutique eröffnet. In dieser können sich die Gäste mit Hotelinterieur eindecken. Gegen Geld, versteht sich.