Eiligst entschleunigen: 
8 Tipps gegen Dauerstress

Wir sind immer im Stress, haben stets zu wenig Zeit. Darum an dieser Stelle 8 Tipps für den Alltag, wie man mehr Zeit gewinnen kann. Als Erstes schreibe man eine persönliche Lass-es-sein-Liste.

Raffael Schuppisser, Annika Bangerter und Sabine Kuster
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Alles drängt, alles muss schneller gehen, die Hektik ist gross: Wie man trotzdem mal Ruhe findet, ist lernbar. (Bild: Illustration: Corina Vögele)

Alles drängt, alles muss schneller gehen, die Hektik ist gross: Wie man trotzdem mal Ruhe findet, ist lernbar. (Bild: Illustration: Corina Vögele)

Wir leben in einer Welt, in der «Zeit zu haben» mit Skepsis beäugt wird. Es gehört zum guten Ton, auf die Frage «Wie geht es dir?» die Augen zu verdrehen und ein «bin gestresst» zu seufzen. Wer nicht gehetzt unterwegs ist, gilt rasch als wenig ehrgeizig oder gar faul. Dabei verfügten die ­Generationen vor uns über viel weniger Freizeit als wir. Die hohe Stimulusdichte in den sozialen Medien oder im Netz führt dazu, dass wir das Gefühl haben, die Zeit verflöge nur so. Gleichzeitig bleibt wenig hängen von all den digitalen Eindrücken. Mit Entschleunigung, Digital Detox und Achtsamkeit lässt sich heute gutes Geld verdienen. Dabei lässt sich mit einigen wenigen Tipps Zeitmangel in den Griff kriegen.

1. Beachten Sie die 80-zu-20-Regel

Aufwand und Ertrag sind nicht proportional verteilt: 80 Prozent der Ergebnisse können mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden; die verbleibenden 20 Prozent benötigen hingegen 80 Prozent des Einsatzes. Das besagt die 80-zu-20-Regel beziehungsweise das Pareto-Prinzip. Diese statistische Verteilung, die der italienische Ökonom Vilfredo Pareto ursprünglich für die Verteilung des Grundbesitzes entdeckt hat, gilt für eine Reihe von Bereichen: So besitzen 20 Prozent der Weltbevölkerung 80 Prozent des Vermögens, spielen Kinder 80 Prozent der Zeit mit lediglich 20 Prozent ihrer Spielzeuge und eben: Mit 20 Prozent des Aufwandes lässt sich 80 Prozent einer Arbeit erledigen. Wenn man also zehn Stunden benötigt, um seine Wohnung blitzsauber zu putzen, schafft man sie in zwei Stunden zu 80 Prozent sauber. Der Clou der Sache: Kein Gast wird merken, dass die Wohnung nicht perfekt, sondern nur sehr sauber ist.

2. Setzen Sie sich Deadlines

Jede Arbeit dehnt sich immer genau so lange aus, wie man Zeit dafür hat. Zu dieser Erkenntnis gelangte der Soziologe C. Northcote Parkinson in den 1960er-Jahren bei seiner Untersuchung des britischen Verwaltungsapparats. Das sogenannte Parkinsonsche Gesetz gilt aber auch für den modernen Arbeitsalltag: Wenn ein Mitarbeiter eine Woche Zeit hat für die Ausarbeitung einer Präsentation, dann wird er auch genau so lange brauchen – und 80 Prozent des Vortrags am letzten Nachmittag erarbeiten. Setzen Sie sich also strenge Deadlines und weichen Sie unter keinen Umständen davon ab. In ihrem Buch «Kein Limit» raten die beiden Jungunternehmer Alex Giesecke und Nico Schork dazu, das Parkinsonsche Gesetz mit dem Pareto-Prinzip zu kombinieren, um den «absoluten Produktivitäts-Boost» zu erhalten.

3. Gestalten Sie Mühsames angenehm

Sie haben sich so sehr vorge­nommen, Weihnachtskarten zu schreiben. Nun schrecken Sie aber doch vor dem Aufwand zurück? Legen Sie eine schöne Weihnachts-CD auf, gönnen Sie sich ein paar Weihnachtsguezli und zünden Sie feierlich eine Kerze an. Sie schaffen es einfach nicht, die Steuererklärung auszufüllen? Öffnen Sie eine Flasche Champagner dazu. Statt sich ständig über die Unordnung aufzuregen, machen Sie es wie die Autorin und achtfache Mutter Marianne Botta und zelebrieren Sie das Aufräumen: «Wir räumen nur einmal pro Woche richtig auf. Ein Kind darf die Musik wählen, und dann helfen eine Stunde lang alle mit. So kommt man weit.»

4. Arbeiten Sie Mails strategisch ab

Wenn ein E-Mail einfach zu beantworten ist, tun Sie das sofort. Ansonsten müssen Sie die Nachricht ein zweites Mal lesen und sich damit beschäftigen. Öffnen Sie die Mailbox nicht ständig aus Neugierde, sondern nur, wenn Sie Zeit haben, sich den Nachrichten anzunehmen. Können Sie ein Mail nicht beantworten, markieren Sie dieses als ungelesen oder verschieben Sie es in einen entsprechenden Ordner und gehen Sie es an, wenn Sie die nötigen Informationen und Zeit dafür haben. Dauert das länger als zwei Tage, schreiben Sie dem Sender das, so verhindern Sie, dass Sie sich mit weiteren Mails von ihm rumschlagen müssen. Und ja: Beim zweiten Hin und Her im selben Mail-Loop können Sie auf eine umständliche Anrede verzichten. Das spart Zeit.

5. Lassen Sie die Zeit für sich arbeiten

Verschwenden Sie für nichts Energie oder Zeit, das Sie nicht beeinflussen können. Wenn Sie im Arbeitsprozess von einer Entscheidung ihrer Vorgesetzten aufgehalten werden, denken Sie nicht darüber nach, bis die Entscheidung getroffen ist. Wenn Sie auf ein wichtiges E-Mail warten, checken Sie nicht im Sekundentakt die Mailbox. Statt eine halbe Stunde eine angebrannte Pfanne zu schrubben, weichen Sie diese einfach mit heissem Wasser und Spülmittel ein. Am nächsten Tag ist sie im Nu sauber. Wenn Sie zu wenig Zeit haben, lassen Sie die Zeit für sich arbeiten.

6. Begrenzen Sie Ihre Zeit auf Facebook

Früher war es der Fernseher, der den Menschen die Zeit frass. Heute sind es die sozialen Medien. Weiss man gerade nicht, was man auf ein E-Mail antworten soll oder stockt der Arbeitsprozess sonst wie … schwupps … und schon scrollt man sich durch Ferienfotos und Belanglosigkeiten. Der Durchschnittsnutzer verbringt fast sechs Stunden pro Woche auf Facebook. In dieser Zeit könnten Sie etwas machen, für das Ihnen die Zeit fehlt.

7. Nutzen Sie Produktivitäts-Tools

Statt Zeit in Facebook zu verplempern, setzen Sie lieber Produktivitäts-Apps klug ein. Wenn Sie im Internet auf einen spannenden Artikel stossen, speichern Sie ihn mit Pocket, damit Sie ihn nicht wieder suchen müssen. Haben Sie einen Geistesblitz? Schreiben Sie eine Notiz auf Evernote. Wollten Sie schon lange Spanisch lernen? Laden Sie Babel aufs Smartphone und nutzen die Zeit auf der Toilette dafür. Fehlt Ihnen die Musse, Bücher zu lesen? Registrieren Sie sich für Audible und hören Sie sich Hörbücher beim Joggen an. Falls Ihnen das zu lang dauert, stellen Sie die Abspielgeschwindigkeit auf 1,5. Oder laden Sie sich die App Blinkist und hören Sie sich 15-minütige Zusammenfassungen der angesagtesten Sachbücher an.

8. Schrauben Sie Ihre Ansprüche hinunter

Ein Tag hat 24 Stunden. Darin lässt sich nicht alles unterbringen, was man eigentlich will. Wer dennoch so viel wie möglich in ­einen Tag quetscht, wird rastlos. Schrauben Sie die eigenen Ansprüche runter und grenzen Sie sich von fremden Erwartungen ab. Zeitforscher Jonas Geissler rät zu einer «Let-it-be-Liste»: Alles aufschreiben, was man sein lässt. Etwa durch Facebook zu scrollen oder an alle Apéros zu gehen. Eine «Let-it-be-Liste» ist insbesondere für jene befreiend, die im «Freizeitstress» versinken.

Handys machen Jugendliche vergesslich

Das Telefonieren mit dem Smartphone kann einen negativen Einfluss auf die Gedächtnisleistung Jugendlicher haben. Das zeigt eine Studie des Tropeninstituts.
Bruno Knellwolf