Economiesuisse will schneller Schnelltests

Mit Schnelltests will die Slowakei mit Massentests das ganze Land auf das Coronavirus absuchen. Schnelltests möchte auch Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch.

Bruno Knellwolf / Niklaus Vontobel
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Am Flughafen in San Francisco werden Schnelltests eingesetzt.

Am Flughafen in San Francisco werden Schnelltests eingesetzt.

Jeff Chiu / AP

Als einziges Land in Europa hat die Slowakei mit Corona-Massentests begonnen. In vier Bezirken des Landes sind am Wochenende rund 180000 Menschen auf Sars-CoV-2 getestet werden. Die slowakische Tageszeitung «Dennik N» schreibt, das Regierungs-Projekt mit den regional begrenzten Massentests sei wider Erwarten gut verlaufen. Die Regierung hatte dem Testpersonal und auch der Bevölkerung nur wenige Tage der Vorbereitung ermöglicht und die Kommunikation war gemäss der Tageszeitung alles andere als optimal. Wegen des Testerfolgs sei nun sogar ein Durchtesten der ganzen Slowakei vorstellbar. Allerdings wären das dann vier Millionen Menschen, die zum Test antreten müssten.

13 Millionen Antigen-Schnelltests bestellt

Ein riesiger logistischer Aufwand für den die slowakische Regierung 13 Millionen Antigen-Schnelltests bestellt hat, die in 6000 Testzentren mit Hilfe von Zehntausenden von Soldaten und Staatsangestellten durchgeführt werden sollen. Die Slowakei ist somit auf dem Weg Chinas, wo Massentests rigoros durchgesetzt werden. Die Stadt Wuhan, der Herd aller Corona-Herde, wurde zum Beispiel durchgetestet.

Möglich sind solche Massentests nicht mit der Standard-PCR-Methode, sondern nur mit Schnelltests. Der 15-Minuten-Test der Pharmafirma Roche wird in Kürze in der Schweiz erhältlich sein, wo und wie ist aber noch nicht ganz klar. Für den Wirtschafts-Dachverband Economiesuisse könnten die neuen Schnelltests «Game changer» sein. Und, sagt Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch:

«Wir sollten auch die Option prüfen, eine ganze Gemeinde zu testen. Oder dann zu testen, wenn es dort vermehrt zu Ansteckungen kam.»

Je nach dem liessen sich auf diese Weise neue Ansteckungen rascher und effizienter eindämmen. Generell plädiert Economiesuisse dafür, dass die Schweiz rasch eine Strategie ausarbeitet für den Einsatz von Schnelltests.

Keine Massentests in der Schweiz

In der Schweiz sind aufwendige Massentests nicht geplant, mit denen ohne Verdacht einfach durchgetestet wird. Für den Epidemiologen Marcel Tanner von der Task Force machen solche Massentests auch nicht in jedem Fall Sinn. Die Schweiz testet zielgerichtet, um mit der Strategie des Surveillance-Response, Überwachen und Antworten, in einer betroffenen Gemeinde weitere Ansteckungen zu suchen. Und dann dort, wo Übertragungen stattfinden darum herum punktuell Massnahmen zu ergreifen. Schnelltests könnten gemäss Tanner bei dieser Strategie helfen. Zudem macht die Strategie der landesweiten Massentests, wie sie nun die Slowakei anwendet, im besten Fall nur so lange Sinn, wie sich das Virus nicht übermässig verbreitet hat. Dann wenn dadurch überhaupt noch vereinzele Ansteckungsherde gefunden werden können.

Schnellere Entscheide dank Schnelltests

Der Schnelltest macht aber an verschiedenen Orten Sinn. «Die Tests können an diversen Orten wie zum Beispiel an einem Flughafen das Identifizieren von infektiösen Angesteckten vereinfachen oder Besuche in Heimen ermöglichen», sagt Tanner. «Sie ermöglichen, dass man in verschiedenen Prozessen schnellere Entscheide treffen kann und unter Umständen eine Veranstaltung dann auch laufen lassen kann», sagt der Basler Epidemiologe. Das sieht auch Minsch von Economiesuisse so, dank ihnen könne die Schweiz fundamental anders umgehen mit dem Virus.

Bundesrat Alain Berset hatte kürzlich gesagt, dass die Schnelltests nur im Rahmen der Verfolgung der Pandemie eingesetzt würden. Es werde nicht genügend Schnelltestmaterial zur Verfügung stehen, um diese Tests in Unternehmen und bei Grenzübergängen einzusetzen. Für Minsch ist dagegen klar, dass mit der Zeit genug Schnelltests erhältlich sein werden und man diese an mehreren Stellen werde einsetzen können. «Eine solche Einsatzmöglichkeit könnte das Testen von Hot Spots in Schulen, Betrieben oder Gemeinden sein. Das gilt es rasch zu prüfen, damit wir diese Option einsatzbereit haben, wenn wir sie brauchen können», sagt Minsch.

Seniorenrat fordert Schnelltests in Altersheimen

Inzwischen fordert auch der Schweizerische Seniorenrat den Einsatz von Schnelltests in Alters- und Pflegeheimen, um ein erneutes Besuchsverbot zu verhindern. Damit könnten die Lage in den Heimen schnell evaluiert und entsprechende «moderate» Massnahmen getroffen werden. Das Besuchsverbot sei nicht zielführend, wie sich bei der ersten Welle gezeigt habe. Das Virus sei trotzdem eingeschleppt worden, meistens durch das Personal.

Damit der Materialverschleiss bei den Massentests nicht zu gross wird, hat China eine besondere Strategie angewandt. Denn für diese gewaltigen Massentests in Millionenstädten stünde kaum genug Testmaterial zur Verfügung. Deshalb wird das Pooling angewandt, bei dem entnommene Proben von zwanzig Menschen zusammengefügt und als Ganzes untersucht werden. Ist dieser Corona-Test negativ, sind alle zwanzig Personen mit einem Test entlastet. Ist der Test positiv, müssen die zwanzig nochmals individuell getestet werden. Im Gesamten sparen die Chinesen so viel Testmaterial. Allerdings nur, wenn die Fallzahlen nicht hoch sind. Dann nützt das Pooling nichts mehr, weil dann zuviele Doppeltests gemacht werden müssen.