Kostbares, das gleich vor der Haus- oder Balkontüre wächst: Wir stellen die besten Kosmetik-Alternativen aus dem Garten vor

Kostbares, das gleich vor der Haus- oder Balkontüre wächst: Wir stellen die besten Kosmetik-Alternativen aus dem Garten vor

Getty

Jede Pflanze hat ihre Wirkung. Wer zu Hause die richtigen Sorten pflanzt, kann daraus seine eigenen Crèmes und Öle herstellen.

Silvia Schaub
Drucken
Teilen

Oft ist man sich gar nicht bewusst, wie viel Kostbares gleich vor der Haus- oder Balkontüre wächst – nicht nur zum Essen, sondern auch für die Schönheit. Viele Kräuter und Blumen kann man neben dem Verfeinern von Speisen oder zur Stärkung des Immunsystems zur Wellnessbehandlung für den Körper einsetzen.

Es ist gar nicht so schwierig, daraus Crèmes, Seifen, Badezusätze oder Shampoos herzustellen. Bio boomt schliesslich, und das Nachhaltigkeitsdenken sowie der Umweltschutz kommen dabei erst noch zum Zuge. Der grosse Vorteil der grünen Kosmetik: Wird sie selbst hergestellt, weiss man genau, was drin ist.

Es braucht auch kein chemisches Know-how; die Grundrezepte sind einfach und mit wenigen Zutaten umsetzbar. Da sie keine Konservierungsstoffe enthalten, sollte man allerdings nur kleine Mengen herstellen. Es sei denn, man verschenkt die hauseigenen Beautyprodukte.

Im Spätsommer und Frühherbst ist die Zeit ideal für die Ernte, also ab in den Garten oder auf den Balkon! Wer keine der hier beschriebenen Pflanzen hat oder sich in Sachen Naturkosmetik unsicher fühlt, besucht zum Beispiel Susanna Krebs in Boltigen im Simmental. Von Mitte Juni bis Ende September ist ihr Heilpflanzengarten mit über 100 Pflanzensorten für Interessierte geöffnet. Sie zeigt einem, wie man Salben und Tinkturen herstellt.

Chiliöl

Bild: Getty

Chili, die scharfen Früchtchen aus der Familie der Nachtschattengewächse, benutzt man üblicherweise als Würze in der Küche. Sie enthalten das Alkaloid Capsaicin, das für die feurige Wirkung sorgt. Aber auch zu Salbe verarbeitet haben es Chilis in sich: Chiliöl schafft bei Muskelkater oder Verspannungen Abhilfe.

Schneidet man die Schoten in kleine Stücke und legt sie in hochwertiges Pflanzenöl – etwa Kokosöl – ein, kann man mit wenig Aufwand ein Chiliöl herstellen. Dieses verwendet man zum Beispiel für eine Massage.

Ringelblumensalbe

Bild: Getty

Die Ringelblumen feiern gerade ein Revival. Längst haben sie ihr Altweiber-Image abgestreift. Kein Wunder, denn die zitronengelben bis orangen Blumen aus der Familie der Korbblütler können sehr vielseitig eingesetzt werden. Die Blütenblättchen bringen in Kräuter- oder Blütenteemischungen, aber auch in den Salat hübsche Farbtupfer.

Vor allem aber werden sie wegen ihrer hautheilenden Wirkung sehr geschätzt. Man gibt frische oder, noch besser, getrocknete Blüten in ein Schraubglas und bedeckt sie mit einem hochwertigen Pflanzenöl (siehe Rezept unten). Nun lässt man das Öl einige Wochen lang in der Sonne ziehen. Dann wird es abgesiebt und direkt für Massagen oder auf schlecht heilenden Wunden verwendet. Man kann das Öl aber auch zu einer Salbe weiterverarbeiten. Dafür braucht man:

100 ml selbst gemachtes Ringelblumenöl
10 g Bienenwachs vom Imker
Kleine Schraubgläser oder Salbentiegel für die fertige Salbe

Ringelblumenöl und Bienenwachs in ein Glas geben und in einem Wasserbad langsam erwärmen, bis das Wachs vollständig geschmolzen ist. Um die Konsistenz zu prüfen, gibt man ein paar Tropfen auf einen Teller und lässt sie erkalten. Wird es zu fest, kann man etwas Öl zugeben. Falls es zu weich ist, fügt man Wachs dazu. Die fertige Salbe füllt man in die Tiegel oder Gläser und bewahrt sie an einem kühlen, lichtgeschützten Ort auf.

Rosenwasser

Bild: Getty

Die Königin der Blumen sorgt mit ihrer Essenz für einen strahlenden Teint und feine Poren: Dazu zupft man Blätter von 4 Duftrosen ab und entfernt den weissen Blattansatz. Dann übergiesst man die Blätter mit 0,75 l kochendem Wasser und lässt sie eine Stunde ziehen. Anschliessend wird alles durch ein Sieb gegossen. Auskühlen lassen und – für eine längere Haltbarkeit – in eine dunkle Flasche abfüllen.

Das Wasser kann noch mit ein paar Tropfen Hamamelisextrakt (erhältlich in der Apotheke) ergänzt werden. So beugt man allfälligen Rötungen vor. Mit Rosenblättern kann man sich auch ein wunderbar entkrampfend wirkendes Fussbad bereiten. Dazu nimmt man je einen Esslöffel getrocknete Rosenblütenblätter, Kamille, Minze, Rosmarinnadeln und Spitzwegerich und gibt alles ins warme Fussbad.

Lavendel-Badesalz

Bild: Getty

In vielen Gärten findet man sie: Lavendelsträucher, die mit ihrem intensiven Duft und den violetten Blüten eine Vielzahl an Insekten anlocken. Lavendel ist ein Wundermittel für die Gesundheit und kann sehr variabel eingesetzt werden. Der Duft wirkt nämlich nicht nur entspannend, er hat auch eine antiseptische Wirkung und lindert Insektenstiche und Ausschlag. Am besten stellt man als Basis ein Öl her. Dieses kann auch für Salben oder Crèmes verwendet werden. Die Zutaten:

100 ml Pflanzenöl (z. B. Mandel-, Oliven- oder Kokosöl)
10 g getrocknete oder 20 g frische Lavendelblüten
1 Glas mit Schraubverschluss

Zuerst gibt man das Pflanzenöl und die Blüten in einen Topf. Das Gemisch 15 Minuten bei 70 °C ziehen lassen. Danach in ein Sieb geben und das Öl in einem Glas auffangen. Nun die Zutaten für das Badesalz:

250 ml grobes Meersalz
1 EL Mandelöl
15 Tropfen Lavendelöl
1–2 EL getrocknete Lavendelblüten

Das Salz in eine Schüssel geben, das Mandelöl darüber geben und vorsichtig vermischen, sodass das Salz sich gleichmässig damit vollsaugen kann. Die 15 Tropfen Lavendelöl dazugeben, mischen. Anschliessend in verschliessbare Gläser geben und sie mindestens über Nacht stehen lassen. Nach Belieben können 1–2 Esslöffel Lavendelblüten dazugegeben werden, das sieht schön aus. Für die Anwendung 2–3 Esslöffel ins Badewasser geben und abwarten, bis sich das Salz ganz aufgelöst hat.

Sanddornöl

Bild: Getty

Mit seinem grossen Vitamin-C-Gehalt sind die Früchte des Sanddorns sehr beliebt für Salben, aber auch als Zugabe zu Smoothies. Wer nicht selbst eine Staude im Garten hat, findet sie auf kargen, kiesigen Böden. Ihre hellorangen Früchte leuchten im Herbst, sind aber erst mit dem ersten Frost genussreif. Sie leisten der Haut gute Dienste, denn Sanddorn lindert Hautirritationen und beschleunigt die Wundheilung.

Man püriert die Früchte und stellt ein Öl her (siehe oben), das zu Salben und Crèmes weiterverarbeitet werden kann. Das Vitamin A aus dem orangen Farbstoff soll übrigens vor Sonnenstrahlung schützen und die Faltenbildung verringern.

Weitere Artikel unserer Lifestyleredaktion finden Sie hier: