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E-Scooter sind kaum zu bremsen – und werden zur Plage in Städten

Der Boom der elektrischen Trottinett ist aber nicht aufzuhalten, die E-Scooter sind einfach zu praktisch. Aber auch gefährlich, wie ein TCS-Experte erklärt.
Bruno Knellwolf
An jeder Strassenecke: Ein E-Scooter-Fahrer ist in der französischen Stadt Lyon unterwegs. (Bild: Nicolas Liponne/Getty)

An jeder Strassenecke: Ein E-Scooter-Fahrer ist in der französischen Stadt Lyon unterwegs. (Bild: Nicolas Liponne/Getty)

Eine neue Erfindung ist das Trottinett nicht. Schon in Kinderjahren war das Trotti-Fahren eine Freude – oder eine Qual: wenn bergauf das anschiebende Bein zu lahmen begann.

Nun ist das Trottinett zurück, braucht kaum mehr menschliche Muskelkraft, hat einen Elektromotor und heisst E-Scooter. Der Motor leistet je nach Modell 250 bis 500 Watt und lässt zu, dass mit dem etwa 15 Kilogramm schweren E-Trotti bis zu 20 km/h schnell gefahren werden kann.

War das Trottinett bis anhin das Lieblingsgefährt von Primarschülern, ist der bequeme faltbare elektrische Scooter nun der Favorit des urbanen Freizeitaktivisten und Geschäftsmanns, der damit die letzte Meile vom Bahnhof oder der Tramhaltestelle bis zum Büro zurücklegt. Die Anbieter dieser kleinen Roller, auch Kick-Scooter und E-Floater genannt, bezeichnen ihr zweirädriges Gefährt gar als Treiber der Mobilitätswende.

Städte werden überfahren

Tatsächlich werden die Grossstädte der USA und einiger Länder Europas von E-Scootern überfahren. So wie die Video-Plattform Youtube von lustigen Scooter-Videos. Die beiden grossen US-Anbieter von E-Scootersharing, Lime und Bird, versuchen, den grössten Happen des boomenden Geschäfts zu schnappen.

Geschätzt wird, dass der Markt mit E-Scootern einen Umsatz von jährlich 17 Milliarden Dollar hergibt. Bird leiht auch in Paris und Zürich Kick-Scooter aus, Lime ist ebenfalls in Zürich und Paris wie auch in Wien, Lissabon und Prag präsent. So fahren mittlerweile Tausende E-Trettroller durch die Städte.

Das schafft Probleme, wie TCS-Experte Jürg Reinhard sagt. «Paris hat 40000 E-Trottinetts in der Stadt. Die stehen um den Eiffelturm rum, werden auf einen Baum gehängt oder in die Seine geworfen. Sie verschandeln das Stadtbild.»

Auf dem Trottoir verboten

Das Problem sei zudem, dass plötzlich viele Scooter-Sharing-Anbieter auf den Markt drängten. Oft mit billigen und qualitativ schlechten E-Scootern, die bald einmal den Dienst versagten. Die französischen Behörden versuchten das nun mit Regulierung in den Griff zu bekommen, sagt Reinhard.

Das Fahren auf dem Trottoir ist verboten worden und Sharing-Anbieter sollen unter Kontrolle gebracht werden. Vor einem E-Trettroller-Wildwuchs hat man in deutschen Städten zwar Angst, hat sich aber noch nicht zu einheitlichen Regeln durchgerungen.

In der Schweiz sei man da schon weiter, sagt Reinhard. Wenn eine Firma einen E-Scooter importiert, muss sie sich an die hiesigen Richtlinien halten, was Beleuchtung, Bremsen, maximale Leistung und Geschwindigkeit betrifft. Das Fahren auf dem Trottoir ist verboten.

«Diese sind bei uns zu schmal. Das Fahren ist übrigens auch verboten, wenn der Elektromotor ausgeschaltet ist.»

Der Polizei ist es nicht möglich, zu unterscheiden, ob einer auf dem Trottoir mit eigener Muskelkraft oder mit Motor unterwegs ist. Die Regeln sind die gleichen wie für die langsamen E-Bikes, die höchstens 25 km/h schnell sein dürfen. Fahren darf man mit E-Scootern erst ab 14 und nur mit dem Ausweis M, ein Kontrollschild ist nicht nötig. Das Tragen des Helms ist keine Pflicht. Aber vielleicht ratsam. Denn das Fahren mit E-Scootern ist nicht ungefährlich. Aus den USA hört man, dass sich im vergangenen Jahr 1500 Menschen verletzt hätten, drei tödlich.

Zu viele E-Bike- und E-Scooter-Rowdys

An eine neue Mobilitätsform, müssten sich die Menschen zuerst gewöhnen, sagt Reinhard. «Das war schon beim E-Bike so.» Ein E-Scooter ist allerdings kleiner und instabiler als ein Stromvelo. Eine Tramschiene kann da zum Verhängnis werden. Deshalb seien E-Trottis mit breiten Reifen vorzuziehen. Schlussendlich gelte aber das gleiche wie bei den E-Bikes. Es gebe zu viele Scooter-Rowdys, «die keine Ampeln kennen».

Sieben E-Scooter im Test

Der TCS hat zusammen mit dem «Kassensturz» im April sieben E-Scooter-Modelle geprüft. Die Tests von Reichweite, Bremsweg, Ladedauer und anderer Qualitätsmerkmale zeigten eine Bandbreite von «sehr empfehlenswert» bis «bedingt empfehlenswert».

Reinhard sagt letzterem «unbrauchbar». Von den billigen E-Scootern rät der TCS-Experte deshalb ab. Wobei über die Langlebigkeit auch der teureren Modelle noch keine Aussage gemacht werden kann. Der TCS hat 2017 ein erstes, 1200 Franken teures E-Trottinett gekauft und damit 750 Kilometer zurückgelegt.

«Das läuft immer noch super. Ob auch in fünf Jahren noch, kann ich aber nicht sagen.»

Sicher ist, dass er nie ein E-Trottinett ohne Kilometerzähler sowie Geschwindigkeits- und Batterieanzeige kaufen würde.

Der E-Scooter ist nicht das einzige elektrifizierte «Kindermobil». Die gleichen Gebrauchsregeln gelten auf für das Segway, den Stehroller. Nicht auf die Strasse dürfen dagegen das Onewheel, auch Solowheel oder Einrad genannt, das Smartwheel, ein elektrisches Waveboard oder Hoverboard. Ebenfalls nur auf dem eigenen Parkplatz rumkurven darf man mit dem Elektro-Skateboard und dem Elektro-Kart. Für alle gilt ein Fahrverbot auf öffentlichem Grund.

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