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Drei Stunden warten, zehn Minuten spielen: Ein Besuch an der Gamescom in Köln

An der Gamescom gehen Gamer auf Jagd nach Geschenken und feiern ihr Hobby. Auch die Schweiz spielt mit – und die Politik schaut zu.
Federico Gagliano aus Köln
Die Warteschlangen an der Gamescom können bis zu drei Stunden dauern.Bild: Sascha Steinbach/Keystone (Köln, 21. August 2019)

Die Warteschlangen an der Gamescom können bis zu drei Stunden dauern.
Bild: Sascha Steinbach/Keystone (Köln, 21. August 2019)

Die Menge brüllt und klatscht, es beginnt der Countdown: «drei, zwei, eins», ruft die Gruppe, bevor laute Musik alles übertönt. Dann werden sie von der Bühne aus mit Geschenken beworfen. Wir sind weder an einem Konzert, noch an der Fasnacht: Es handelt sich um die Gamescom in Köln, die grösste Videospielmesse der Welt. Hier sind solche Szenen häufig.

Die Gameentwickler buhlen mit allen Mitteln um die Aufmerksamkeit der Besucher. Da gehören solche Shows und Gratis-Geschenke aller Art zum Programm. Hüte, Kleber, Schlüsselanhänger: Die Gamescom-Besucher kehren meist mit vollen Taschen nach Hause.

Beliebt sind besonders Goodies, die sich bereits während der Messe als nützlich erweisen: faltbare Sitzgelegenheiten aus Karton, grosse Taschen zum Tragen weiterer Geschenke oder auch Energy Drinks. Für Gamescom-Besucher gelten die gleichen Regeln wie in einem Rollenspiel: Derjenige mit der besten Ausrüstung hat es am einfachsten. Und die Beute, im Gamer-Slang «Loot» genannt, kann nachher stolz auf den sozialen Netzwerken präsentiert werden. Denn vieles kriegt man nirgendwo sonst.

Langes Warten für ein Souvenir

Dass sie im Grunde nichts weiter als Werbeschilder für die Aussteller herumtragen, stört die Besucher nicht – schliesslich hat man dafür ein Souvenir von der Messe, meint ein Besucher, der gerade ein aufblasbares Schwert in seinen Rucksack steckt. Für diese Andenken nehmen die Gamer auch lange Warteschlangen in Kauf.

Die Spiele, die es hier zu testen gibt, werden bald im Handel erscheinen, so wie «Fifa 20». Die neuste Edition der Fussballsimulation erscheint in nur einem Monat, am 24. September. Lohnt es sich dann, drei Stunden für 10 Minuten Spielzeit anzustehen? Fragt man die Wartenden, wird die Frage kräftig bejaht. Es gehe auch darum, das Spiel vor anderen gespielt zu haben und damit etwas zu prahlen, erzählt ein «Fifa»-Fan, der noch etwa 70 Minuten Wartezeit vor sich hat.

Allzu schnell wird er aber nicht müde werden – denn er sitzt bequem in einem Campingstuhl. Der Freund des «Fifa»-Fans fügt an:

«Es geht um das Erlebnis hier. Man verbringt Zeit mit anderen, die sich für das Gleiche interessieren.»

Andere in der Reihe nicken zustimmend.

Die Gamescom, ein analoges Erlebnis für die Fans des Digitalen – ein Paradox, das keines ist. Der Beweis sind die zahlreichen Videospielmessen, die vielen LAN-Partys und die immer grösser werdenden E-Sport-Turniere, die überall auf der Welt stattfinden.

Der Wunsch nach etwas Fassbarem zeigt sich auch in der Sammellust nach physischen Objekten. Neben Messe-Souvenirs sammeln Gamer gerne alle möglichen Objekte aus ihren Lieblingsspielen. An der Gamescom wird in einer zweistöckigen Halle genau diesem Wunsch Rechnung getragen: In dieser Basar-artigen Atmosphäre bekommt man zu jedem Spiel das, was man sucht. Egal ob Kissen, Kochutensilien, Schwerter oder Kleidung.

Auch die Videospiele selbst will man im Regal haben. Obwohl immer mehr Spiele digital verkauft werden, machen amerikanische Start-ups mit limitierten, physischen Editionen Geld. Das Schweizer Studio Blindflug liess zum Beispiel letzten Monat 1500 Exemplare seines bisher nur digital erhältlichen Spiels «Airheart: Tales of Broken Wings» herstellen. Denn digitale Games haben einen Nachteil: Laufen die Rechte für einzelne Musikstücke ab, werden einige Spiele nicht mehr verkauft. Wer sich vorher keine Kopie sichert, bekommt meist keine zweite Chance.

Dieser Umstand erklärt die bisher lauwarme Begeisterung für Googles neues Projekt «Stadia», welches Spiele von unterschiedlichen Geräten aus streamen lässt. Die Spiele müssen separat für die Plattform gekauft werden. Doch was passiert, wenn Google den Dienst einmal einstellen sollte? Die Antwort ist noch unklar.

Im Trend liegen deshalb eher Mini-Konsolen: Kleine Ausführungen älterer Systeme, auf denen einige Spiele bereits vorgeladen sind. Eine Art Tresor, um die Games für die Ewigkeit zu bewahren.

Grosses Interesse aus der Politik

Die Gamescom wurde schon als „Mekka für Gamer“ bezeichnet, gerade kürzlich auch in einem Tweet von Bundesrat Alain Berset, der am Dienstag in seiner Funktion als Kulturminister den Schweizer Stand besuchte. Dieser befindet sich im Business-Bereich der Messe. Hier buhlen die Aussteller zwar genauso um Aufmerksamkeit, allerdings um die von möglichen Investoren oder Herausgebern für ihre Videospiele. Unterstützt wird das Ganze von Pro Helvetia, der nationalen Kulturstiftung der Schweiz. 18 Studios zeigen dort die Vielfalt der Schweizer Entwicklerszene.

Berset will mehr Schweizer Präsenz in der Videospielindustrie. Die Gleise dazu sind bereits gelegt: Die Kulturbotschaft für die Jahre 2021 bis 2024 befindet sich bis am 20. September in der Vernehmlassung im Parlament. 900000 Franken soll die Kulturförderung zusätzlich bekommen. Der Schwerpunkt der Botschaft liege auf dem digitalen Wandel. Damit sei vor allem die Förderung von Videospielen gemeint. Dies sei bereits beschlossen, sagt Oliver Miescher von Pro Helvetia. Berset betonte in seiner Rede zur Eröffnung des Schweizer Gamescom-Standes: „Der Umsatz der Videospielindustrie ist fast drei Mal höher als in der Filmindustrie. Spielen ist keine Spielerei“ Dies könne nicht weiter ignoriert werden.

Für die Schweizer Videospielszene sei es ein neuer Meilenstein, die politische Aufmerksamkeit auf diese Weise geweckt zu haben, erzählt Miescher: „Es bringt unser Bestreben weiter, die Wahrnehmung des Mediums Videospiele voranzutreiben.“ Darin hat auch die Gamescom auch als Ganzes Erfolg: In dem sie nicht nur die Vielfältigkeit der verschiedenen Videospiele zeigt, sondern auch diejenige innerhalb ihrer Fanbasis. Ganz nach dem diesjährigen Motto der Messe: „Gemeinsam sind wir Games“.

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