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Drei Gründe, warum Wandern in Norwegen besser ist als im Appenzellerland

Gut ausgeschilderte Wege, alle paar Kilometer eine Beiz und viele Leute: Wer im Appenzellerland wandert, dem droht weder sich zu verlaufen noch einen Hungerrast zu erleiden. Mehr Abenteuer verspricht Norwegen, wie drei Wanderungen zeigen.
Marlen Hämmerli

Kaum scheint an einem Wochenende die Sonne, stürmen vom Wandern begeisterte Hündeler, Familien mit quengelnden Kindern und Touristen die Wanderwege. Die Folge: Gedränge, Lärm, böse Blicke. Die Aussicht geniessen, frische Luft atmen – nicht möglich. Stattdessen wähnt man sich inmitten der Flut gehetzter Pendler im Zürcher Hauptbahnhof.

Wer also alleine in der Natur sein möchte, muss ausweichen. Etwa nach Norwegen. Denn dort locken atemberaubende Landschaften, und Wandern ist noch ein richtiges Abenteuer. Auch nur wenige Kilometer von einer Ortschaft entfernt. Die folgenden drei Routen zeigen, warum.

Das sind die drei Wanderrouten

Lektion 1 vom Sukkertoppen: Verlaufen ist einfach

Steinhaufen signalisieren den Weg. (Bild: Bård Basberg)

Steinhaufen signalisieren den Weg. (Bild: Bård Basberg)

Der Wind ist rau, der Regen heftig und der Pfad vereist. Trotzdem stehen neben der Journalistin und ihrem Führer zwei weitere Wanderer auf dem Gipfel des Sukkertoppen. Martin Hauge-Nilsen überrascht das nicht. Der 314 Meter hohe "Zuckerhut" sei ein beliebtes Ausflugsziel, sagt der Wanderführer. "Die Einheimischen spazieren hier am Feierabend rauf, und für Touristen ist es ein schöner Aussichtspunkt."

Trotz seiner Beliebtheit: Der offizielle Wanderweg ist kaum zu finden, vor allem in der oberen Hälfte des Berges. Unten am Sukkertoppen weist zwar ein Schild auf den Weg hin, und der Pfad ist gut ausgebaut – fast wie im Appenzellerland. Doch dann führt der Weg aus dem Waldstück am Fusse des Berges heraus – und verliert sich. Karges Wiesland, braune Büsche, vereiste Stellen, aber kein Weg. Jedenfalls nicht für Unwissende. Martin Hauge-Nilsen geht unbeirrt weiter. Balanciert von Stein zu Stein und zögert nur ab und zu, wenn der Grund zu vereist ist. Als Ortskundiger weiss Hauge-Nilsen genau, wo es langgeht.

Martin Hauge-Nilsen macht die Ausbildung zum Bergführer. (Bild: Marlen Hämmerli)

Martin Hauge-Nilsen macht die Ausbildung zum Bergführer. (Bild: Marlen Hämmerli)

Hauge-Nilsen ist nicht weit vom Sukkertoppen aufgewachsen und liebt es, draussen zu sein, alleine. "Bei guten Bedingungen gehe ich mehrmals die Woche wandern. Die Geräusche, Eindrücke und die frische Luft geben mir wieder Kraft nach einem Tag im Büro", sagt er. Beim Weitergehen erzählt der studierte Ingenieur, wie er zum Wanderführer bei der Firma Uteguiden wurde. "Ich konstruierte vor allem Infrastrukturbauten, zum Beispiel Flughäfen. In meiner Freizeit plante ich Wanderungen für den Norwegischen Wanderverein." Dann beschloss er, sein Hobby zum Beruf zu machen. "Nun absolviere ich die Ausbildung zum Führer und mache bei Uteguiden ein Praktikum." Sagt es und blickt in den Himmel. Der Regen prasselt. Das schlechte Wetter macht Hauge-Nilsen Sorgen. "Aber nicht wegen uns, sondern wegen der Pflanzen."

Denn gut sichtbare Pfade und Wegweiser wie in der Schweiz gibt es in Norwegen nur in touristischen Gebieten. Die Tradition will es, das die Natur möglichst unberührt bleibt. Wege werden höchstens durch Zeichen oder Steinhaufen markiert. Wenn der offizielle Pfad wegen Regens oder Eis' unwegsam ist, gehen die Einheimischen abseits des Weges. Dabei verdichten sie die Erde und zerstören Pflanzen. Dasselbe gilt für Touristen, die aus Unwissen abseits des offiziellen Wegs gehen. Und Touristen gibt es in Norwegen inzwischen einige.

Lektion 2 von Valldal: Sackgassen sind die Regel

Vergangenes Jahr besuchten 10,8 Millionen Touristen Norwegen. Zwei Millionen mehr Personen als in der Schweiz leben. Annähernd jeder zehnte Tourist reiste zum Geirangerfjord und passierte dabei das Dorf Valldal. Sei es im Auto, auf der Fähre oder mit dem Kreuzfahrtschiff.

Erlend Ringstad ist Geschäftsführer der Firma Valldal Naturopplevingar. (Bild: Marlen Hämmerli)

Erlend Ringstad ist Geschäftsführer der Firma Valldal Naturopplevingar. (Bild: Marlen Hämmerli)

Dass viele Besucher durch den 310-Seelen-Ort fahren oder per Schiff knapp dran vorbei, bezeichnet Wanderführer Erlend Ringstad als grotesk: "All diese Touristen lassen ein wunderschönes Fjord links liegen und fahren lieber zum überfüllten Dorf Geiranger. Verrückt." Ringstad steht am Aussichtspunkt und blickt hinüber zum Norddalsfjord.

Seit zwei Jahren ist Ringstad Geschäftsführer der Firma Valldal Naturopplevingar. Für das Dorf, gelegen im Tal Valldalen zwischen der Passstrasse Trollstigen und dem Geirangerfjord, sieht er grosses touristisches Potenzial. "Die Gegend bietet ein wunderschönes Fjord, unberührte Natur und hat kaum Besucher: Das muss die Leute doch überzeugen." Dass Touristen auch Zerstörung bedeuten, leugnet er nicht. Doch: "Nun konzentrieren sich alle auf Geiranger. Verteilen sich die Besucher besser, ist der Schaden kleiner."

Der Geschäftsführer von Valldal Naturopplevingar geht trittsicher voran. Stetig nach oben, links das Fjord, rechts ein Waldstück, dahinter die Hauptstrasse. Diesen Pfad findet nur, wer ihn kennt. Keine Zeichen, keine Wegschilder, keine Steinhaufen. Und erst noch: Der Weg führt in die Sackgasse, genau wie jener zum Sukkertoppen hinauf. "Das ist normal", sagt Ringstad. Nur in der Nähe von touristischen Attraktionen gibt es eigens angelegte Wege. Die meisten Wanderwege sind natürlich entstanden. So gibt es alte Handelswege, Pfade, die zu heute verlassenen Bauernhöfen führen und Fluchtrouten, die während des Zweiten Weltkriegs genutzt wurden. „Dabei ging es immer darum, von A nach B zu kommen und nicht, einen netten Rundweg zurückzulegen.“ Auch der Weg zum Aussichtspunkt hatte vor hundert Jahren eine andere Funktion.

Der Pfad am Rande des Norddalsjord wurde zwischen 1917 und 1923 angelegt, als die Region an die Stromversorgung angeschlossen wurde. Der Pfad diente als Zufahrt, später nutzten ihn vor allem Tiere. Das ist heute noch der Fall. Tatsächlich: In der weichen Erde sind unzählige Hufabdrücke zu erkennen. „Rentiere", sagt der studierte Naturtouristiker. Nur ein paar Kilometer entfernt beginnt der Reinheimen-Nationalpark. 2006 gegründet, soll dieser die Bergrentierherden schützen. "Eine der letzten grossen Populationen. Hier leben beinahe mehr Rentiere als Menschen." Doch ganz in der Nähe gibt es einen Ort, an dem es noch einsamer ist.

Lektion 3 von Stranda: Die Einsamkeit hat in Norwegen einen Grund

Knackender Schnee, schleifende Schneeschuhe: Tausend Meter über dem Fjord ist sonst kein Geräusch zu hören. "Die Ruhe ist erstaunlich. Vor allem, weil der Skilift nicht weit ist", sagt Katrin Ericsson. Sie arbeitet für das Strandafjellet Skicenter und unternimmt öfters Skitouren. Auch alleine, obwohl sie um die Gefahren weiss: „Ich liebe eben die Ruhe auf dem Weg nach oben. Die Stille und Einsamkeit will ich nicht missen.“

Katrin Ericsson arbeitet beim Skicenter Strandafjiellet. (Bild: Marlen Hämmerli)

Katrin Ericsson arbeitet beim Skicenter Strandafjiellet. (Bild: Marlen Hämmerli)

Nach Norwegen zog es die Schwedin wegen der Berge. Aber nicht nur: „Ich war in Neuseeland, sah die dortigen Fjorde und realisierte, dass ich noch nie in Norwegen war.“ Im Süden von Schweden, wo Ericsson aufwuchs, ist es flach. „Ich kam hier her und war überwältigt. Von den Bergen, den Fjorden, der Stille.“ Ericsson beschloss zu bleiben, arbeitete in einem Restaurant, bis die Stelle im Skicenter frei wurde. Dort repariert und vermietet sie Skis, Snowboards und Schneeschuhe.

Obwohl Schneeschuhwandern freilich nicht ihre Sache ist, beherrscht Ericsson es mühelos. Sie rutscht nicht, stolpert nicht, knickt nicht ein. „Das kommt vom Skitouren. Man gewöhnt sich an die Gehweise.“ Aber an den Anblick des Fjordes unterhalb der schneebedeckten Hänge, an den habe sie sich bisher auch noch nicht gewöhnt. Plötzlich gedankenversunken bleibt Ericsson stehen und blickt zum Fjord hinunter. „Jedes Mal, wenn ich es sehe, denke ich: Eigentlich ist es zu schön, um wahr zu sein.“ Nebel zieht auf, verhüllt den Blick ins Tal und macht die Einsamkeit vollkommen.

Fazit: Auch Langeweile ist schön

Zurück in der Schweiz fällt der Blick auf den Alpstein. Der Hohe Kasten und der Säntis sind klar zu sehen. Davor grüne Wiesen, darüber der blaue Himmel. Obwohl das Wandern im Appenzellerland mit den Wegweisern, den Rundwegen und den Beizen vorhersehbar ist, vielleicht ist es doch hier am schönsten?

Das Wichtigste für die Reiseplanung

Wie komme ich mit dem Flugzeug nach Fjordnorwegen?

Ab Zürich (ZRH) fliegen Swiss und SAS direkt nach Oslo. Ab Oslo gehen mehrmals täglich Flugzeuge von Norwegian und SAS nach Ålesund (AES).

Die Flugpreise variieren je nach Airline, Flug- und Reisezeit zwischen 671 und 1468 Franken für den Hin- und Rückflug.

Welche Transportmittel gibt es innerhalb von Norwegen?

Fähren verbinden die von Fjorden durchzogenen Landesteile. Die zwei Hauptgesellschaften sind Fjord1 und Norled.

Auch Busse der Firma Nor-Way verbinden die vielen Orte und Städte.

Ein Mietauto bedeutet Unabhängigkeit. In Norwegen gibt es diverse Anbieter. Es empfiehlt sich, online zu buchen, denn dies ist günstiger.
Besitzer eines Schweizer Führerscheins benötigen keinen internationalen Führerausweis.
Das Mindestalter für das Mieten liegt bei 19 Jahren. Für Fahrer im Alter von 19 und 24 Jahren fällt eine zusätzliche Gebühr an.

Wie viel kostet ein Guide?

In Ålesund bietet Uteguiden Touren auf den Sukkertoppen an. Das kostet ab 699 Norwegische Kronen, rund 86 Franken (Stand 21. Mai 2018).

In Valldal bietet Naturopplevingar geführte Wanderungen an. Dies kostet ab 790 Norwegische Kronen, knapp 98 Franken (Stand 21. Mai 2018).

Auch in Stranda ist Uteguiden tätig. Preis auf Anfrage.

Wann hat das Skigebiet Strandafjllet offen und was kostet das Ticket?

Die Skilifte im Skigebiet Strandafjellet sind von Februar bis März unter der Woche von 10 bis 16 Uhr in Betrieb.

Die Tageskarte kostet für einen Erwachsenen 405 Norwegische Kronen, gut 50 Franken (Stand 21. Mai 2018).

Die Bergbahn ist im Sommer täglich von 11 bis 17 Uhr in Betrieb. Ab dem 21. August fährt die Bahn an den Wochenenden von 11 bis 12 Uhr.
Die Hin- und Rückfahrt kostet für Erwachsene 250 Norwegische Kronen, gut 31 Franken.

Wo gibt es weitere Auskünfte?

Die Webseite www.ut.no ist ein Angebot des Norwegischen Wandervereins DNT und des öffentlichen Rundfunks. Damit lassen sich, ähnlich wie bei Schweizmobil, Wandertouren planen.

Visit Alesund ist die übergeordnete Touristenorganisation für Ålesund und Sunnmøre. Zur Organisation gehören gemäss eigenen Angaben rund 180 Fremdenverkehrsunternehmen sowie unter anderem die Gemeinden Ålesund und Stranda.

Visit Stranda ist die zentrale Webseite, um Übernachtungen und Aktivitäten zu buchen. Die Webseite wurde Anfang 2018 lanciert und ist bisher einzig auf Norwegisch abrufbar.

Fjordnorway ist die offizielle Tourismusorganisation von Westnorwegen.

Visit Norway ist die offizielle Reiseseite Norwegens.

Diese Reise wurde von Fjordnorway und Visit Norway unterstützt.

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