DINGE DES LEBENS

Nie ohne das rote Büchlein Kein anderes Büchlein verschwindet so oft wie dieses. Und kein anderes Büchlein muss auf jede Reise mit. Die Rede ist nicht vom neuen Ildikó-von-Kürthy-Roman für den Strand, sondern vom Schweizer Pass.

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Bildtext: Der neue Schweizer-Pass, rechts im Bild, ist ab dem 1. Januar 2003 erhaeltlich und der Alte behaelt seine Gueltigkeit bis und mit 31. Dezember 2007, aufgenommen am Donnerstag, 5. Dezember 2002 in Zuerich. Der neue Pass ist mit 40 neu gestalteten Seiten und kleiner als der Bisherige. Die Gueltigkeit betraegt 10 Jahre und ist nicht verlaengerbar sowie Kindereintraege sind auch nicht mehr moeglich. Neu ist auch ein provisorischer Reisepass, links, erhaeltlich und kann innert kuerzerer Frist bezogen werden. Nur 1 Jahr Gueltigkeit hat ein provisorischer Reisepass und muss sofort zurueck gegenben werden nach Beendigung der Reise. (KEYSTONE/Franco Greco)

Bildtext: Der neue Schweizer-Pass, rechts im Bild, ist ab dem 1. Januar 2003 erhaeltlich und der Alte behaelt seine Gueltigkeit bis und mit 31. Dezember 2007, aufgenommen am Donnerstag, 5. Dezember 2002 in Zuerich. Der neue Pass ist mit 40 neu gestalteten Seiten und kleiner als der Bisherige. Die Gueltigkeit betraegt 10 Jahre und ist nicht verlaengerbar sowie Kindereintraege sind auch nicht mehr moeglich. Neu ist auch ein provisorischer Reisepass, links, erhaeltlich und kann innert kuerzerer Frist bezogen werden. Nur 1 Jahr Gueltigkeit hat ein provisorischer Reisepass und muss sofort zurueck gegenben werden nach Beendigung der Reise. (KEYSTONE/Franco Greco)

Nie ohne das rote Büchlein

Kein anderes Büchlein verschwindet so oft wie dieses. Und kein anderes Büchlein muss auf jede Reise mit. Die Rede ist nicht vom neuen Ildikó-von-Kürthy-Roman für den Strand, sondern vom Schweizer Pass. Ins Portemonnaie passt es nicht, das sperrige rechteckige Büchlein. Und weil für kleinere Reisen auch die Identitätskarte ausreicht, bewahrt man den Schweizer Pass irgendwo auf. In der Kartonschachtel im Regal, das im Gang steht, zum Beispiel. Da liegt der Pass aber bestimmt nicht, wenn man ihn sucht.

Letzter Ausweg: Notpass

So passiert ist es wieder einmal im vergangenen Herbst, wenige Stunden vor der Abreise nach Israel. Die Tage davor vollgestopft mit Arbeit, packt man erst am Vorabend. Die Kleider liegen im Koffer, fehlt nur noch der Pass. Die Kartonschachtel im Regal jedoch ist leer und auch in allen anderen Koffern ist er nicht – Panik steigt auf. Man sieht schon, wie seine Freunde Tel Aviv erkunden, während man daheim sitzt. Der Kollege hat die rettende Idee: Einen Notpass ausstellen lassen. Der nette Herr am Telefon des Notpassbüros am Flughafen Kloten bestätigt: Ja, einen provisorischen Pass kann man auch kurz vor Abflug lösen. Und ja, frühmorgens hätten sie geöffnet, ab 5.30 Uhr und zwar täglich. Es scheint viele vergessliche Menschen zu geben.

Die Erleichterung ist so gross, dass man über die 150 Franken hinwegsieht, die das Stück Papier kostet, das einem die Ferien rettet. So weit kommt's dann doch nicht, denn wie so oft, wenn die Anspannung von einem abfällt, erinnert man sich plötzlich wieder. Daran, dass man den Pass letztes Mal doch in die Schreibtischschublade legte.

In Havanna festgehalten

Pässe, die nicht da sind, wo sie hingehören, können einen nicht nur vor, sondern auch während der Reise ins Schwitzen bringen. So war es auch in Kuba. Während mein damaliger Freund und ich bei Einheimischen in der Stube sitzen, läutet's plötzlich an der Türe. Die Polizei. Auf der kommunistischen Insel weckt es Verdacht, wenn Einheimische den Touristen zu nahe kommen – zumindest vor zehn Jahren noch. Die Polizisten wollen das rote Büchlein. Das liegt aber im Hotel-Safe. So werden wir für den nächsten Tag ins Aussenministerium zitiert. Dank Spanischkenntnissen und vorgezeigten Pässen dürfen wir den Betonbau nach sieben Stunden wieder verlassen. Sieben Stunden! Die kann man in Havanna durchaus besser verbringen. Mojito trinkend zum Beispiel. Darum die simple Moral von der Geschicht: Verliere deinen Pass besser nicht.

Cathrin Michael