Social Media
Neue soziale Netzwerke: Verliert Facebook an Beliebtheit?

Facebook hat in der Schweiz an aktiven Nutzern verloren. Dafür rücken andere soziale Netzwerke in den Vordergrund.

Riccardo Castellano
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Immer mehr Nutzer weichen auf Instagram oder Snapchat aus.

Immer mehr Nutzer weichen auf Instagram oder Snapchat aus.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Das weltweit grösste soziale Netzwerk wird mal gelobt, mal steht es in der Kritik. Doch eines lässt sich nicht abstreiten: Facebook hat die Welt erobert. Gerät der rasende Gigant der sozialen Medien nun erstmals in den Stau? Kürzlich gab es laut der Zürcher PR-Firma Bernetblog, welche die Zahlen viermal jährlich erhebt, einen Rückgang in der Schweiz.

Rund 3,72 Millionen aktive Nutzer zählte die Schweiz im ersten Quartal 2017 – das sind fünf Prozent weniger als Ende letzten Jahres. Aktiver Nutzer ist, wer sich mindestens einmal monatlich eingeloggt hat. Es gibt in allen Altersgruppen eine Abnahme. Doch bei den Jugendlichen (15- bis 19-Jährige) verliert die Plattform am meisten Nutzer. Im Vergleich zum letzten Jahr nutzen sie Facebook 20 Prozent weniger. Zweitgrösster Rückgang haben die über 50-Jährigen (Minus 7 Prozent).

Gemäss neusten Zahlen des «media use index» gibt es einen neuen Spitzenkandidaten, der immer mehr Nutzer anzieht: Snapchat. Bei der App schicken sich Nutzer gegenseitig Fotos und Videos, die Inhalte werden nach einer gewissen Zeit automatisch von der App gelöscht. Snapchat konnte bei den Digital Natives (14- bis 29-jährige) die Präsenz erheblich steigern. Bei den 25- bis 29-Jährigen hat sich die Nutzung im letzten Jahr fast verdoppelt. Auch der Foto-Dienst Instagram zeigte eine steile Kurve, ähnlich der von Snapchat.

Manuel P. Nappo, Leiter Digital Business an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, beobachtet ebenfalls den Anstieg von anderen Social-Media-Plattformen im Gegensatz zu Facebook. Doch sei zu beachten: «Die aufstrebenden Grössen wie Instagram oder Whatsapp gehören ebenfalls Facebook.» Daher könne man sie nicht unbedingt als Konkurrenz sehen.

Und: Die Zahlen zum Rückgang sind laut Nappo umstritten. Zum einen gebe es immer wieder Schwankungen, beispielsweise bei Aufräumaktionen: Facebook habe in den letzten Monaten eine grosse Anzahl von Fake-Profilen gelöscht. Auf der anderen Seite stammen die Zahlen vom Werbeanzeigenmanager von Facebook. Dieses Tool gebe Werbetreibenden eine sichere Schätzung, wie viele Menschen für eine bestimmte Werbeform erreicht werden können, sei aber bei konkreten Nutzerzahlen nicht zwingend genau.

Der Digitalexperte glaubt ausserdem nicht, dass Facebook in nächster Zeit vom Thron gestossen wird. Es sei dermassen in unserem Alltag verwoben, dass es für andere Netzwerke schwierig sei, die Führung zu übernehmen.

Snapchat sei zwar ein spannendes Tool, liege aber immer noch hinter Instagram und hat nur einen Bruchteil von Facebooks Reichweite. «Facebook ist für Social Media, was Google für
die Suchmaschinen ist. Derzeit scheint die Plattform unersetzbar.» Aufschluss, ob Facebook in einer Abwärtsspirale steckt, verraten die nächsten Zahlen.