Lauschangriff

Fast jeder kann unser Handy abhören – guter Schutz kann teuer sein

US-Geheimdienste sollen in Genf eine grössere Abhörstation betreiben und Signale von WLAN-Netzwerken und Handys abfangen. So kann sich der Normalverbraucher vor Lauschangriffen schützen. Es wird allerdings teuer.

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Man treffe Vorkehrungen, um das Netz vor Eingriffen Dritter zu schützen, schreibt ein Schweizer Mobilfunkanbieter in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). „Ein absoluter Schutz vor unerlaubten Zugriffen oder unerlaubtem Abhören kann jedoch nicht gewährt werden", so die AGBs weiter. Handy-Nutzer sollten sich das Kleingeschriebene gross hinter die Ohren schreiben. Denn das GSM-Netz, worüber Schweizer Mobilfunk-Kunden mit dem Handy Telefongespräche führen, ist einfach zu knacken. Schwachpunkt sind die sogenannten Basisstationen der Provider (Anbieter), welche die GSM-Signale für die Mobiltelefone bereitstellen.

Solche Basisstationen gibt es für wenig Geld. Mit etwas Geschick und krimineller Energie kann eine eigene zwischen den Providers und den Endverbraucher geschaltet werden. Gespräche können so abgefangen werden. Wer also Passwörter, Kreditkartennummern oder Zugriffsdaten übers Handynetz plaudert, geht ein Risiko ein. Doch wie können sich Normalverbraucher schützen?

Wie kann man sich schützen vor Lauschangriffen?

Zwar gibt es teure Krypto-Handys, welche die Inhalte verschlüsselt ins Netz schicken, diese nutzen allerdings das mobile Internet. Es sind Datenpakete, über die der Inhalt übermittelt wird. Dazu wird eine virtuelle VPN-Leitung aufgebaut. Voraussetzung ist allerdings, dass der Empfänger ebenso über ein solches Handy verfügt, damit die Daten beim Empfänger auch wieder entschlüsselt werden können. Kostenpunkt eines aufgerüsteten Handys: Mindestens 2000 Franken. In Deutschland gibt es derzeit zwei Anbieter, welche zertifizierte Krypto-Handys anbieten. Mit dem Telefon des einen Anbieters führt die Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre abhörsicheren Gespräche. Ihr Parteihandy dagegen war nicht abhörsicher und konnte so auch vom amerikanischen NSA abgehört werden.

2000 Franken – viel Geld für Privatverbraucher, vor allem wenn berücksichtigt wird, dass dank der Verschlüsselung nur der Inhalt des Gesprächs, nicht aber die sogenannten Meta-Daten geheim bleiben. Auch bei sicheren Krypto-Handys können also die Rundumdaten wie Gesprächsdauer, Gesprächspartner, geografische Eingrenzung und so fort gesammelt werden.

Abhilfe bietet der Internettelefonie-Anbieter (VoIP) RedPhone, der für Android-Geräte erhältlich ist. Für Android- und iOS-Telefone von Apple gibt es einen Verschlüsselungsdienst namens Silent Phone. Der Vorteil: Er codiert nicht nur Telefongespräche, sondern auch Nachrichten und Mails. Doch auch wer übers Internet telefoniert, geht ein Risiko ein. Experten gehen davon aus, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Denn gerade Smartphones bieten neue Angriffsflächen: Als Mini-Computer können auch sie Ziel von Viren- und Hackerangriffen werden, etwa via App-Download.

Vor allem bei Android-Geräten empfiehlt es sich deshalb, entsprechende Sicherheitssoftware zu installieren, die Schnüffelsoftware empfangen kann. Zwar unterzieht die Konkurrenz bei Apple jede App einer Prüfung, bevor sie freigegeben wird, jedoch ist Kooperationsbereitschaft grosser US-Konzerne wie Apple mit den Geheimdiensten bekannt.

Nicht sicherer ist es, Nachrichten zu schreiben: E-Mails, SMS, aber auch Nachrichten über den Gratisdienst WhatsApp werden unverschlüsselt durchs Netz geschickt. Doch auch hierzu verschafft der App-Markt Abhilfe.

Ob verschlüsselt Telefonieren oder Nachrichten versenden - Voraussetzung ist, dass Sender wie Empfänger über die gleiche Software verfügen. (dfu)